Auf dem Nachttisch – Bossa Nova von Ruy Castro

Liebe Leser,

seit etwa einem Jahr bin ich – wie hier im Blog schon mehrfach erwähnt – der Bossa Nova ernsthaft verfallen. Und wie so oft reicht es nicht, sich ein paar Aufnahmen anzuhören und ein Songbook durchzuarbeiten. Insbesondere, wenn Letzteres so schlecht ist, wie dieses >>>. Da krieg ich mich gar nicht mehr ein!

Wenn man sich etwas intensiver mit der Musik und dem Phänomen der Bossa Nova befasst, stellt man schnell fest, dass dies weit mehr als eine kurzfristige musikalische Modeerscheinung oder gar ein (gottseidank kurzlebiger) Tanz ist.

Nun hat mir der Buchhändler meines Vertrauens LK bei buch2003 >>> ein Buch (ja, so richtig aus Papier) empfohlen und verkauft, das ich an dieser Stelle gerne bespreche: Bossa Nova, The Sound of Ipanema, von Ruy Castro. Dieses Buch ist ein echter Knaller!

Auf knapp 400 Seiten (wobei die letzten 50 für eine Auswahldiskografie, ein Literaturverzeichnis und einen gepflegten Index verwendet werden) schildert Ruy Castro den Werdegang der wichtigsten Protagonisten der Bossa Nova, insbesondere den von João Gilberto, Antônio Carlos Jobim und Vinícius de Moraes. Wobei auch die unzähligen anderen Mitstreiter in diesem wirklich umfassenden Buch nicht zu kurz kommen.

Dabei sind die Geschichten und Anekdoten, die sich um die oben erwähnten und eine unendliche Zahl anderer Helden der Bossa Nova ranken, stets ungemein unterhaltsam erzählt, mit einer immensen Anzahl an Beteiligten samt wiederum deren jeweilige Hintergrundgeschichten. Zum Beispiel ist Kapitel 3, welches die Jahre João Gilbertos ab 1950 in Rio beschreibt, so prall gefüllt mit Personen, Ereignissen, Hintergrundinformationen zu diesen Ereignissen und skurrilen Anekdoten, dass einem nahezu der Kopf platzt. Allerdings war ich schnell vom schmissigen und temporeichen Stil Ruy Castros überzeugt. Man hat den Eindruck, dass er bei wirklich allen wichtigen Initiationsereignissen der Bossa Nova entweder als Augen- und Ohrenzeuge dabei war oder mindestens eine oder gar mehrere Video- und Audioaufnahmegeräte am jeweiligen Ort des Geschehens installiert hatte. Ich glaube ihm jedes Wort!

Auch das (oder „die“ weil „die Enzyklopädie“?) von mir hochgeschätzte Wikipedia nennt bei nahezu allen Artikeln zum Thema Bossa Nova dieses Buch als Quelle, oft als einzige. 

Das Buch umspannt die Jahre 1949 bis 1967 und endet (vor dem höchst informativen Epilog) mit den Sätzen:

Die Bossa Nova fühlte sich zu Hause nicht mehr wohl, sie nahm ihren Hocker und ihre Gitarre und schlich sich davon.

Zum Glück wusste sie, wohin sie gehen konnte: hinaus in die Welt.

Grandiose Worte zum Abschluss eines meines Erachtens ebenso grandiosen Buches!

So bleibt mir zum Schluss nur eine klare Kaufempfehlung! Bossa Nova, The Sound of Ipanema, Ruy Castro, erschienen im Hannibal Verlag, 391 Seiten. Die gebundene Ausgabe kostet 29,99 €. Wegen der schönen Schwarzweiß-Fotos ziehe ich diese der Taschenbuchausgabe vor, auch wenn man da ein paar Euros sparen würde.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige