Auf dem Nachttisch – Heute hat die Welt Geburtstag

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Liebe Leser,

eine Rezession… äh… Rezension. Ich habe tatsächlich allerhand gelesen in letzter Zeit. Das kommt auch noch, ehrlich jetzt! Aber besprechen möchte ich in diesem Beitrag ein Hörbuch. Ist ja auch bequem, so was kann man en passant beim Autofahren konsumieren. Es geht um “Flake – Heute hat die Welt Geburtstag”. Das Hörbuch ist bei tacheles!/ROOF Music erschienen, umfasst sechs Audio-CDs und kostet 16,99 €.

Flake, bürgerlich Christian Lorenz, ist seit Anbeginn seines Erwachsenenlebens Musiker und seit 1994 der Keyboarder der Band Rammstein. Nun bin ich weder Fan der Band, noch kann ich mit deren Musikstil “Neue Deutsche Härte” besonders viel anfangen. Zudem war mir Rammstein, wohl wegen des skurrilen Videos zum Depeche-Mode-Cover “Stripped” aus dem Jahr 1998 noch in Erinnerung, in dem Aufnahmen der Olympischen Sommerspiele 1936 von Leni Riefenstahl eingesetzt wurden. Und aus den genannten Gründen eben nicht in bester Erinnerung. Aber Flake… das ist eine Type, die muss man gelesen, oder besser noch: gehört haben! Flake war in DDR-Zeiten Punk – was man sich im real existierenden Sozialismus eben so unter Punk vorstellte – und Mitglied der in Vorwendezeiten in der DDR durchaus bekannten Punkband “Feeling B” (B wie Bunk … pardon, der musste sein!). Also zumindest aus seiner persönlichen Geschichte kein Rechter, eher im Gegenteil.

Als Verehrer der Hörbücher des Tanzmusik-Chronisten Heinz Strunk (“Fleisch ist mein Gemüse”) hatte ich so meine Erwartungen an einen weiteren Erzähler, der aus dem Alltag eines Musikers berichtet, auch wenn es diesmal wohl eher die um die glamourösen Abenteuer eines international erfolgreichen Rockmusikers gehen würde, als um die eines sympathischen Muckers im Hamburger Umland.

Doch es kam wie so oft anders. Aber nicht schlecht. In lakonischen Anekdoten ohne zeitliche Reihenfolge – über die Sprünge sollte man sich nicht ärgern, einfach genießen – beschreibt Flake die Gedanken des großen Jungen aus der DDR, der immer nur Musik machen wollte, mit seinen Bandkollegen die kindliche Freude an allen Arten von Pyrotechnik teilte und dann von dem Erfolg der Band Rammstein völlig überrascht wurde. Dass die Band inzwischen einen eigenen Nightliner für die Reisen zu den gigantischen Konzert-Arenen samt Technik-Crew und Koch nutzt und sich sogar einen eigenen Privatjet mieten kann, erfüllt den stets etwas über-bescheidenen und zurückhaltenden Ossi (was an dieser Stelle nicht despektierlich sein soll, er geht selbst damit hausieren) immer wieder mit ehrfurchtsvollem Staunen über den eigenen Lebensweg.

Ein eventueller Voyeurismus über die Exzesse einer hochdotierten Rock-Band auf Tour wird allerdings nicht bedient, was ich persönlich schade finde. Aber derlei Literatur gibt es ja zuhauf, so dass auch die wesentlich weniger beeindruckenden, dafür witzigeren und skurrileren  (ein bisschen viel Komparativ, zugegeben) Erzählungen im leicht naiven, mit Berliner Schnauze vorgetragenen Ton gefallen!

Und wenn dann Flake berichtet, dass es ihm mehr als einmal passiert ist, dass er von der Security nicht als Bandmitglied erkannt wurde, nachdem er nur eben für eine Zigarette den Veranstaltungsort verlassen hatte (man darf ja nirgends mehr backstage rauchen), dann fühle ich eine große Verbundenheit mit dem Autor. Solches passiert mir bei den Jobs mit meiner Tanzkapelle auch regelmäßig.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige