Auf dem Nachttisch – M*A*S*H

Liebe Leser,

da ja die Live-Saison (mit angezogener Handbremse) erst ab März beginnt, werden immer noch in der Republik die Archive der Streaminganbieter von Vielen auf der Suche nach Ablenkung vom tristen Pandemiealltag durchwühlt. Ich bin auch so ein Wühler. Und bei ebendiesem Wühlen stieß ich (neben vielem anderen) bei Disney+ auf die Serie M*A*S*H von 1972. Ich glaube mich zu erinnern, den Film MASH (auf welchem die Serie basiert) von Robert Altman aus dem Jahr 1970 irgendwann in meiner Jugend im Kino gesehen zu haben. Zumindest habe ich den jungen Donald Sutherland als Captain „Hawkeye“ Pierce noch als „echt coolen Typ“ abgespeichert. Aber die Serie? Mag sein, dass ich in den 1990ern die ein oder andere Folge im linearen Nachtprogramm bei Prosieben gesehen hatte, aber bleibenden Eindruck hat dies nicht hinterlassen. Nur so aus Interesse begann ich, die erste Staffel jetzt auf Disney+ zu schauen.

Und was soll ich sagen, Alda (siehe unten), die Serie ist – um es mit einem wirklich angestaubten Begriff aus dem alten Preußen zu beschreiben – ganz famos! Hat die erste Staffel noch viele Elemente einer Militärklamotte bzw. eine Comedy-Sitcom (inklusive eingespielter Lacher, zu denen es bei Disney+ leider keine Originalton-Alternative gibt), so ändert sich der Ton (also die Grundtendenz der Serie, leider nicht der (Audio-)Ton mit den Lachern aus der Konserve) zunehmend im Laufe der Zeit. Der Begriff Dramedy-Sitcom trifft hier spätestens ab Staffel 3 eher zu. Nach dem Verzehr der ersten beiden Staffeln habe ich mir (ebenfalls auf Disney+) den Altman-Film nochmals angesehen. Und mit etwa 40 Jahren Abstand hat sich meine Einschätzung MASH vs. M*A*S*H komplett gedreht. Während der Altman-Film eine meinetwegen subversive, aber aus heutiger Sicht zutiefst misogyne und homophobe, zudem zumeist alberne Militärklamotte ist, wandelt sich M*A*S*H nach wenigen Folgen zu einer zwar noch comedyhaften, aber zunehmend tiefsinnigen Serie mit markanten und gut ausgearbeiteten Charakteren, die im Gedächtnis bleiben. Neben den guten Skripts verdankt M*A*S*H dies vor allem seinen herausragenden Schauspielern, insbesondere Alan Alda (siehe oben – der Kalauer musste sein), Wayne Rogers, McLean Stevenson (in seiner Rolle als Lieutenant Colonel Henry Blake mein persönlicher Favorit!), Loretta Swit, Mike Farrell und nicht zuletzt Gary Burghoff. Aber auch der Rest der Stammbesetzung und die unzähligen Neben- und Gastdarsteller leisten fantastische Arbeit. 

Ich habe inzwischen eine nicht unerhebliche Menge an Comedy- aber auch Dramedy-Serien gesehen, insbesondere natürlich auch solche, die mit Krankenhäusern oder auch Ärzten zu tun haben. Bei meinen persönlichen Favoriten wie „Scrubs“ oder „Dr. House“ erkenne ich nicht zu selten Parallelen, sei es in der Handlung oder in den Charakteren, die ihren Ursprung ganz offensichtlich in M*A*S*H haben.

[Eine kleine Anmerkung zur Serie „Scrubs“, für die sich ein eigener Beitrag lohnen würde. Aber Ihr wisst ja, ich komme eh zu nix… Als meine Lieblings-Serie bei Amazon-Prime zum Streamen bereit gestellt wurde, hatte ich mich sehr gefreut, da es nun möglich war, ohne großes DVD-Herauskramen und Kabel-Umstecken schnell mal zwischendurch eine oder mehrere Folgen zu genießen. Ich begann umgehend mit Staffel 1. Doch irgendwie fühlten sich die Folgen bei weitem nicht mehr so witzig oder auch dramatisch an, wie ich sie in Erinnerung hatte. Bis es mir auffiel (ich habe das später auch noch im allwissenden Netz verifiziert): Die Musik stimmt nicht! Amazon hat wohl die Rechte an Bild und Ton von „Scrubs“ erworben, offenbar aber eben die für den (sehr gute und ikonischen) Soundtrack. Statt dessen setzt man an den markanten Stellen irgendein belangloses Pop-Gedudel. Und das funktioniert für mich überhaupt nicht. Dann lasse ich es lieber und krame die alten DVDs wieder heraus. Klammer zu.]

Statt „Scrubs“ also wieder rein in M*A*S*H. Der für den Kinofilm von Johnny Mandel (“ The Shadow of Your Smile“) geschriebene Song „Suicide Is Painless“ dient auch der Serie als jeweiliges Intro pro Episode. Auch die ansonsten (zumindest in den ersten Staffeln) eingesetzte Musik, wurde von Mandel geschrieben. Das hört man übrigens, der Soundtrack ist (jedenfalls bis Staffel 4, weiter bin ich noch nicht) fantastisch!

Wer also von Euch, liebe Leser, wie ich in den 1990ern eben nicht die einzelnen Folgen von M*A*S*H gesehen hat und über ein Disney+ Abo verfügt, dem lege ich diese tolle (wenn auch bereits 50 Jahre alte) Serie ans Herz. Achtung, sie hat meines Erachtens hohes Suchtpotential! Wikipedia weiß: „Die M*A*S*H-Schlussfolge vom 28. Februar 1983 hatte mit 77 % die bis heute höchste Einschaltquote einer Fernsehserie in den Staaten. Im Schnitt sahen diese Folge etwa 106 Millionen Zuschauer (insgesamt 121 Millionen).“ Ich verstehe zwar nicht, was hier „im Schnitt“ bzw. „insgesamt“ bedeutet, aber in jedem Fall mehr als 100 Millionen Zuschauer. Das ist doch mal eine Hausnummer!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

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