Auf dem Nachttisch – Love, Death and Robots

Liebe Leser,

ok, eigentlich güldet (ein wunderschöner fränkischer Ausdruck für “gilt”) das nicht, denn eine Netflix-Serie ist kein Buch, aber so streng wollen wir das nicht sehen, oder? Beim nächsten Mal gibt es wieder eine Rezension zu Geschichten auf Papier, aber heute geht es mal um Animationsfilme.

Durch eine glückliche Fügung komme ich vom heimische Fernsehsessel aus seit geraumer Zeit an das wirklich riesige Arsenal des Streamingdienstes Netflix. Und da gibt es neben allerhand angesammelten Spielfilm- und Serienklassikern einiges zu entdecken. So auch die im Titel dieses Beitrags erwähnte Serie “Love, Death and Robots”.

Die erste Staffel von “Love, Death and Robots” besteht aus 18 Episoden von Animationsfilmen, welche in einer Länge zwischen etwa 7 bis 17 Minuten pro Clip unterschiedlichste Facetten der Themen rund um den durchaus treffenden Titel der Serie behandeln. In unterschiedlichsten Animationsstilen finden wir so ein Sammelsurium skurriler, witziger, gruseliger, brutaler und zumeist gewalttätiger Geschichten, die zum Teil bleibenden (für Erwachsene jedoch wahrscheinlich nicht dauerhaft schädlichen) Eindruck hinterlassen.

Die Technik der Animationen ist State of the Art (das bedeutet: hochwertig und – sofern es stilistisch angesagt ist – realistisch) und die Geschichten haben mehr als einmal einen Twist, den man – zumindest in den ersten Folgen – auch mit nunmehr deutlich über 50 Lenzen nicht kommen sieht. Hammer! Ich habe mir alle 18 Episoden an drei Abenden reingezogen und bin nun gespannt, ob eine eventuelle zweite Staffel das hohe Niveau der ersten halten kann. Fünf Sterne (also volle Punktzahl) für “Love, Death and Robots” von meiner Seite.

Nun habe ich im Web und auch auf YouTube von vielen jüngeren Rezensenten ähnlich Enthusiastisches gelesen, was mich letztendlich zu der Serie gebracht hat. Eines wissen die jungen Leute zumeist allerdings nicht: Das Konzept ist toll, aber keinesfalls neu. Bereits 1981 erschien zunächst in Kanada und den USA, 1982 dann in Deutschland der Zeichentrickfilm “Heavy Metal”, in dem durch eine Art “Kugel des Bösen” lose verknüpfte Episoden unterschiedlicher Zeichentricktechniken in Spielfilmlänge gezeigt wurden. Einige Geschichten waren dem Schwermetall-Magazin entnommen, andere wurden extra für den Film geschrieben. Natürlich war ich damals im Kino und von diesem nicht mit Sex und Gewalt geizenden Werk begeistert, stellte es doch nach “Fritz the Cat” (1972) und “Die Welt in 10 Millionen Jahren” (1977) einen der wenigen Zeichentrickfilme eindeutig für Erwachsene in dieser Zeit dar.

Im Jahr 2000 erschien sogar noch eine Fortsetzung, Heavy Metal: F.A.K.K.²,  welche aber meines Erachtens wesentlich schwächer als der erste Teil ist.

Ich bin mir sicher, dass der 1981er Film den Produzenten von “Love, Death and Robots” zumindest als Inspiration diente, zu ähnlich sind teilweise Stil und auch der allgemeine Gestus. Nichtsdestotrotz ist die neue Netflix-Serie für alle Fans von animierten Science-Fiction- und Fantasy-Geschichten ein Muss!

Interessant ist aus technischer Sichtweise, dass die Augen der (menschlichen) Protagonisten bei modernster Animationstechnik immer noch etwas leer und der aktuellen Szenerie entrückt scheinen, wie es in den meisten aktuellen Videospielen auch auffällt. Dies scheint für die Animationsstudios offensichtlich ein nicht unerhebliches Problem darzustellen. Dafür krachen aber die Action-Sequenzen gehörig und super-realistisch…

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige