Das tapfere Schneiderlein II

Liebe Leser,

in meinem Beitrag vom 03.08.2021 (hier >>>) habe ich Helge Schneider für seinen Konzertabbruch beim Strandkorb-Open-Air in Augsburg kritisiert. Und ich will es offen sagen: Ich rudere zurück!

Inzwischen hat er in vielen Medien dazu Stellung genommen, sich gegen die Vereinnahmung durch Kwer- und sonstige Nicht-Denker verwahrt und schriftlich sowie auch live im Gespräch seine Beweggründe für den besagten Abbruch erklärt. So auch in der Sendung „Die Woche“ bei Sandra Maischberger, nachzusehen hier >>>. Und dort hat Helge Schneider völlig sachlich, ohne seine übliche Ironie und den bisweilen nervigen Klamauk, den Verlauf des Konzerts und eben den Abbruch geschildert. Anstrengend war in dieser Sendung übrigens nicht Helge Schneider, sondern die etwas auf Krawall gebürstete Moderatorin, die Helge Schneider nicht zu selten das Wort bzw. den Satz abschnitt um ein vermeintlich provokante Frage oder eine (ebenso vermeintlich) witzige Pointe zu setzen. Helge Schneider ging wirklich professionell und höflich mit Frau Maischberger um, die mich früher übrigens nicht so genervt hat. Vielleicht liegt das an meinem fortgeschrittenen Alter? Nun zu seiner Sicht der Dinge beim Konzert in Augsburg:

Sehr gestört hatte ihn die etwa sechs Meter hohe Bühne, welche in weitem Abstand (mit Straße und Zäunen zur Abtrennung) vor den mit 2 m Abstand platzierten Strandkörben stand. Den Vorwurf (auch aus meiner Feder), er hätte das Konzept des Veranstalters ja bereits gekannt, konterte HS übrigens durchaus plausibel mit: „Ja mein Agent schon. Aber ich les das doch nicht immer alles.“ Wer macht das schon?

Zwischen den Absperrungen wuselten unablässig Kellner mit Plastiktüten hin und her, welche HS allerdings nicht als solche erkannte und die sich auch nach mehrmaliger Ansprache von der Bühne herab nicht als solche zu erkennen gaben. Helge Schneider hielt sie allesamt für verspätete Konzertbesucher, was ihn dann zunehmends mehr erzürnte. Über all das Geschilderte kann man mein Argument des letzten Beitrags anbringen, dass ein Profi derlei schon mal für die Dauer eines (eventuell etwas kürzeren als üblich) Konzerts ertragen kann. Dann allerdings fügte er noch die Schilderung vom Verhalten zweier Security-Leute hinzu, welche mich dann doch dazu gebracht hat, meine Einschätzung zum Konzertabbruch zu überdenken. Die beiden hätten sich vor der Bühne rauchend angeregt unterhalten, an der Darbietung völlig desinteressiert und stets mit dem Rücken zum Künstler. Und DAS ist mir vor einigen Jahren auch schon bei einem Gig widerfahren. Mitten zwischen den interessiert lauschenden Gästen ein Assi-Pärchen, welches seinen Beziehungsstreit lautstark und mit dem Rücken zu mir austrug. Das hat mich derart genervt, dass ich das Set abgebrochen habe und erst weiterspielte, als der Wirt die beiden aus der Kneipe entfernt hatte. Rücken zum Künstler geht gar nicht! Ich glaube, es gibt kaum etwas nervigeres als solche Menschen.

Natürlich sind das unterbezahlte Aushilfs-Sheriffs, die nur ihren Job machen und natürlich werden die kein gesteigertes Interesse an gutem Jazz und mittelguten Kalauern haben. Aber der permanente Blick auf den Rücken von Anwesenden macht dich als Künstler wirklich mürbe. Was soll man in diesem Fall auch tun? Die werden für das Rumstehen bezahlt und nicht dafür, dass ihnen die Darbietung gefällt. Und die Höflichkeit, zumindest hin und wieder dem Künstler durch kurzes Zunicken, einen kleinen Beifall oder zumindest den sporadischen Blick in Richtung Bühne etwas Aufmerksamkeit zu schenken, besitzen solche Leute eben nicht. 

Seine Aussage im Moment des Abbruchs, das System sei sch… war eindeutig auf das Konzept des Veranstalters und nicht auf die aktuellen Corona-Maßnahmen bezogen, so dass die ganze Mischpoke der Kwerdenker sich keine Hoffnung auf die Vereinnahmung seiner Person machen dürften. Also Helge, sorry, ich rudere zurück. Ich hätte (und habe) auch abgebrochen.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Das tapfere Schneiderlein

Liebe Leser,

der Konzertabbruch des allseits geschätzten Multiinstrumentalisten Helge Schneider beim Strandkorb-Open-Air in Augsburg liegt nun schon einige Tage zurück (23.07.2021). Dennoch gebe ich heute auch noch meinen Senf dazu ab. Und hier möchte ich an dieser Stelle wie der Kopf des äußerst unterhaltsamen Kanals „Moviepilot“ Yves Arievich betonen (und das gilt stets für alle meine Beiträge): Dies ist nur meine persönliche Meinung! Ihr habt eine andere? Kein Problem, schreibt es mir in die Kommentare. Wir können alle Freunde bleiben! Zur Sache:

Ich selbst bin und war nie ein besonderer Helge-Schneider-Fan. Er ist nicht uncool, aber von vielen überschätzt. Insbesondere diese Multiinstrumentalisten-Sache. Klar, er spielt Klavier und Orgel auf professionellem Niveau, aber alles andere ist zumeist nur eben Spaß am Herumdudeln. Was ich an ihm bewundere, ist, dass er seit Jahrzehnten sein Ding durchzieht, sich dabei einen Scheiß um den aktuellen Zeitgeist schert und unverdrossen den Jazz auf die Bühne bringt. Was ich an ihm nicht so mag, ist, dass er an eigentlich gelungenen Formaten schnell den Spaß verliert und selbige dann hinschmeißt. So geschehen zum Beispiel mit „Helge hat Zeit“ im Jahr 2012/2013. Und eigentlich ließ er es sich in den beiden Sendungen, die er dann durchgezogen hatte, heftig heraushängen, dass er weder vor dem Aufwand, welchen der WDR betrieben hatte, noch vor seinen jeweiligen Gästen wirklich Respekt hatte. Sei’s drum.

Nun ist der Helge allerdings auch ein Mensch wie wir alle und braucht es, das Geld. Gemäß Wikipedia hat Helge Schneider sechs Kinder mit vier Frauen. Ich denke mal, das kostet. Und so hat er für eine Reihe von sogenannten Strandkorb-Konzerten zugesagt, von denen er zumindest das erste noch absolviert hatte. Letzteres meine ich mitbekommen zu haben, man findet inzwischen kaum Spuren bereits vergangener Konzerte. Sprechen wir über Augsburg.

Nun kann ich mir aus eigener Erfahrung sehr gut vorstellen, dass einem Improvisations-As (das muss man ihm lassen) wie Helge Schneider ein permanentes emsiges Gewusel vor der Bühne bzw. zwischen den Strandkörben auf die Nerven geht. Der Veranstalter bot den Gästen wohl eine Bewirtung am Platz nach Bestellung per App. Ich habe schon allerhand Bedienungspersonal auf den unterschiedlichsten Veranstaltungen kennengelernt und weiß, dass diese Menschen auch nur versuchen, ihren zumeist schlecht bezahlten Job zu erledigen. Die jeweilige Darbietung auf der Bühne geht ihnen in den allermeisten Fällen am Allerwertesten vorbei. Solltest Du, lieber Leser, aus der Branche stammen und dies anders sehen, mögest Du gerne die Ausnahme sein. Mein persönlicher Feind ist ja der Milchaufschäumer. Die Lautstärke meines jeweiligen Songs und der akustische Aufwand zur Herstellung der aktuell bestellten Getränke sind generell indirekt proportional.

Das ist unschön, aber nicht generell zu ändern. Wenn es besonders stört, muss man eine Pause einlegen und den Sachverhalt mit dem Veranstalter bzw. Wirt klären. Wobei hier das Wort eines Helge Schneiders sicher mehr Gewicht hat, als beispielsweise meines. Bei besonders renitentem Personal half bisweilen die dem Chef vorgetragene Rechnung, wieviel man auf der jeweiligen Veranstaltung noch an Speisen und Getränken umsetzen kann, wenn sich die Band von jetzt auf gleich verabschiedet. Nebenbei sei noch festzuhalten, dass zur Zeit ja auch die Veranstalter sehr kreativ sein müssen, um überhaupt irgendeine Veranstaltung durchziehen zu können. Da erweist sich schon einmal die ein oder andere Idee im Nachhinein als nicht so gelungen (permanente Bewirtung am Platz oder so), aber solches weiß man erst hinterher. Dass besondere Umstände (die unselige Corona-Pandemie) auch besondere Maßnahmen erfordern, hätte der wirklich bühnenerfahrene Schneider wissen können.

Nicht besonders professionell finde ich es allerdings, wenn man nach einer Stunde Konzert feststellt, dass einen die Bedingungen jetzt doch zu sehr nerven und dann abbricht. Die Reaktionen des Augsburger Publikums waren hierbei gespalten. Die eine Hälfte sieht das offensichtlich so wie ich, die andere Hälfte haben Verständnis für den Meister, loben sogar sein Verhalten als „Statement“. Ok, die bejubeln es auch, wenn Helge eine Portion Pommes (rot-weiß) auf der Bühne verzehrt…

Ich sehe das so: Man spielt halt die vertraglich festgelegte Dauer, wegen mir auf Sparflamme, und macht sich dann zügig vom Acker. Das hat jeder Live-Musiker bestimmt schon mehr als einmal gemacht. Aber man bringt es zu Ende. Um es wie so oft mit Heinz Strunk zu sagen: Man liefert ab! Wenn Helge Schneider das nicht nötig hat, ist es gut für ihn. Ich kenne haufenweise gute Musiker, die hätten es nötig, kriegen aber die Jobs nicht.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige