Das tapfere Schneiderlein II

Liebe Leser,

in meinem Beitrag vom 03.08.2021 (hier >>>) habe ich Helge Schneider für seinen Konzertabbruch beim Strandkorb-Open-Air in Augsburg kritisiert. Und ich will es offen sagen: Ich rudere zurück!

Inzwischen hat er in vielen Medien dazu Stellung genommen, sich gegen die Vereinnahmung durch Kwer- und sonstige Nicht-Denker verwahrt und schriftlich sowie auch live im Gespräch seine Beweggründe für den besagten Abbruch erklärt. So auch in der Sendung „Die Woche“ bei Sandra Maischberger, nachzusehen hier >>>. Und dort hat Helge Schneider völlig sachlich, ohne seine übliche Ironie und den bisweilen nervigen Klamauk, den Verlauf des Konzerts und eben den Abbruch geschildert. Anstrengend war in dieser Sendung übrigens nicht Helge Schneider, sondern die etwas auf Krawall gebürstete Moderatorin, die Helge Schneider nicht zu selten das Wort bzw. den Satz abschnitt um ein vermeintlich provokante Frage oder eine (ebenso vermeintlich) witzige Pointe zu setzen. Helge Schneider ging wirklich professionell und höflich mit Frau Maischberger um, die mich früher übrigens nicht so genervt hat. Vielleicht liegt das an meinem fortgeschrittenen Alter? Nun zu seiner Sicht der Dinge beim Konzert in Augsburg:

Sehr gestört hatte ihn die etwa sechs Meter hohe Bühne, welche in weitem Abstand (mit Straße und Zäunen zur Abtrennung) vor den mit 2 m Abstand platzierten Strandkörben stand. Den Vorwurf (auch aus meiner Feder), er hätte das Konzept des Veranstalters ja bereits gekannt, konterte HS übrigens durchaus plausibel mit: „Ja mein Agent schon. Aber ich les das doch nicht immer alles.“ Wer macht das schon?

Zwischen den Absperrungen wuselten unablässig Kellner mit Plastiktüten hin und her, welche HS allerdings nicht als solche erkannte und die sich auch nach mehrmaliger Ansprache von der Bühne herab nicht als solche zu erkennen gaben. Helge Schneider hielt sie allesamt für verspätete Konzertbesucher, was ihn dann zunehmends mehr erzürnte. Über all das Geschilderte kann man mein Argument des letzten Beitrags anbringen, dass ein Profi derlei schon mal für die Dauer eines (eventuell etwas kürzeren als üblich) Konzerts ertragen kann. Dann allerdings fügte er noch die Schilderung vom Verhalten zweier Security-Leute hinzu, welche mich dann doch dazu gebracht hat, meine Einschätzung zum Konzertabbruch zu überdenken. Die beiden hätten sich vor der Bühne rauchend angeregt unterhalten, an der Darbietung völlig desinteressiert und stets mit dem Rücken zum Künstler. Und DAS ist mir vor einigen Jahren auch schon bei einem Gig widerfahren. Mitten zwischen den interessiert lauschenden Gästen ein Assi-Pärchen, welches seinen Beziehungsstreit lautstark und mit dem Rücken zu mir austrug. Das hat mich derart genervt, dass ich das Set abgebrochen habe und erst weiterspielte, als der Wirt die beiden aus der Kneipe entfernt hatte. Rücken zum Künstler geht gar nicht! Ich glaube, es gibt kaum etwas nervigeres als solche Menschen.

Natürlich sind das unterbezahlte Aushilfs-Sheriffs, die nur ihren Job machen und natürlich werden die kein gesteigertes Interesse an gutem Jazz und mittelguten Kalauern haben. Aber der permanente Blick auf den Rücken von Anwesenden macht dich als Künstler wirklich mürbe. Was soll man in diesem Fall auch tun? Die werden für das Rumstehen bezahlt und nicht dafür, dass ihnen die Darbietung gefällt. Und die Höflichkeit, zumindest hin und wieder dem Künstler durch kurzes Zunicken, einen kleinen Beifall oder zumindest den sporadischen Blick in Richtung Bühne etwas Aufmerksamkeit zu schenken, besitzen solche Leute eben nicht. 

Seine Aussage im Moment des Abbruchs, das System sei sch… war eindeutig auf das Konzept des Veranstalters und nicht auf die aktuellen Corona-Maßnahmen bezogen, so dass die ganze Mischpoke der Kwerdenker sich keine Hoffnung auf die Vereinnahmung seiner Person machen dürften. Also Helge, sorry, ich rudere zurück. Ich hätte (und habe) auch abgebrochen.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Ein Juli macht noch keinen Sommer

Liebe Leser,

ich wollte es lassen. Aber irgendwie kriegen wir die vermaledeite Seuche nicht vom Tisch, geschweige denn aus dem Land. Also gibt es wieder Berichte aus Corona-Land von der Livemusiker-Front.

Aktuell im Juli gab es tatsächlich allerhand Live-Gigs. Die Leute sind ebenso wie die Musiker hungrig, wenn nicht gar gierig nach Live-Veranstaltungen und insbesondere nach Livemusik. Doch besitzt man für die Anzahl möglicher Auftritte im Juli einfach zu wenige Inkarnationen und es sieht im August schon wieder ganz anders aus, nämlich mau.

In den letzten zwei Wochen konnte ich erstmals in diesem Jahr wieder vor etwas Live-Publikum auftreten und es war ein tolles Gefühl! Doch wie schon erwähnt ist im August Urlaubszeit und anschließend wieder die große Ungewissheit und damit der Terminkalender leer. Bei einem Gespräch mit dem derzeitigen Programmchef des legendären Kreuzwirtskellers (dem Nachfolger des leider viel zu früh verstorbenen Martin Kapfenberger, siehe hier >>>) nach dem tollen Gig am 24.07.2021 mit „Ray Räbel & Friends“ wurde mir für das Duo „Bawelino & Brunner“ ein Gig im KWK zugesichert, wenn, ja wenn das GGG-System (= Einlass für Geimpfte, Genesene und Getestete) einen Betrieb der Innengastronomie ohne die 1,5 m Abstand möglich machen würde. Falls so eine oder eine ähnliche Regelung in Bayern nicht kommt, müsste der KWK auch 2021 wieder in der kalten Jahreszeit (also seiner eigentlichen Hauptsaison) schließen. Viele kleinere Kneipen und Bars ebenso.

Und hier packt mich wieder einmal die Wut auf die Leute! Auf die Leute, die sich aus manchmal begründeten, oft jedoch fadenscheinigen oder gar abstrusen Gründen nicht impfen lassen wollen und jeden Test wegen Eingriff in ihre Privatsphäre (oder sonst irgendeiner bescheuerten Begründung) ablehnen, insbesondere, wenn sie selbigen zukünftig aus der eigenen Tasche bezahlen müssten.

Man versucht doch, es wirklich allen recht zu machen. Lasst Euch impfen! Wollt Ihr nicht (weil >>> hier irgendwas einsetzen >>>)? Dann lasst Euch regelmäßig testen! Wollt Ihr nicht (weil >>> hier irgendwas einsetzen >>>)? Dann bleibt eben zuhause. DAS aber wiederum passt diesen Menschen dann auch nicht, denn sie möchten ja dabei sein… Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. So läuft das zur Zeit!

Deshalb werde ich den nun schon fast vergangenen Juli wohl als den einzigen Monat des Jahres 2021 feiern, in dem für Live-Musiker ein fast normales Leben zu führen war. Ab Herbst werden wir alle dann im vierten Lockdown wieder kurze Clips auf YouTube veröffentlichen, weil ein zu großer Prozentsatz der Bevölkerung einfach nicht mitspielen will. Danke für nichts, Ihr Pfeifen!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Do ut des

Liebe Leser,

Web, Facebook, YouTube, Twitter, Pinterest, Instagram, TikTok? Alles klar! Ich fühle mich zwar zu alt für den Scheiß, aber was bleibt schon in diesen pandemischen Zeiten? Alle meine lukrativen Live-Gigs (die nicht so lukrativen natürlich auch) werden immer wieder aufs Neue verschoben, langjährige Comic-Kunden stellen ihre Publikationen ein und die Firmen, für die ich dankbarerweise Arbeit in der Buchhaltung oder im Sekretariat verrichte, fahren auftrags- und damit umsatzmäßig seit nunmehr über 12 Monaten Corona zumindest mit angezogener Handbremse. Es gilt also, online neue Märkte und damit Umsatz oder gar Gewinn zu generieren. Gut, dass ich da als Erster drauf gekommen bin.

Seit Anfang des Jahres habe ich meinen YouTube-Kanal wiederbelebt (sucht nach gige2009 oder klickt hier >>>), ab 2015 pflege ich meine Präsenzen bei Facebook („Hahaha, wer nutzt denn noch Facebook?“) und diesen Blog. Ok, und meine Webpräsenz www.gige.de sowie meine Seite bei Patreon >>>. Aber mehr geht einfach nicht. 

Bis auf den Sonderfall Patreon erbringen alle Sites, Kanäle und Präsenzen in ihrer derzeitigen Verbreitung keinerlei Umsatz, sie dienen rein zur Unterhaltung meines Publikums und generieren allenfalls sekundär etwas Geschäft, wenn jemand einen Tonträger oder eine Publikation bestellt. Oder mich für eine Veranstaltung bucht (was ja bekanntlich seit einem Jahr nicht mehr passiert).

Nun ist so, dass man sowohl für sein Publikum wie auch für die ungnädigen Algorithmen unablässig Content zu produzieren hat, welcher auch in irgendeiner Form konsumiert und am besten auch noch bewertet werden muss. Da man – wie oben bereits erwähnt – nur einer von tausenden ist, muss es das Netzwerk erledigen, die treuen Freunde, Fans und Follower. Und hier wird es anstrengend.

Viele meiner Facebook- und sonstigen digitalen Freunde sind natürlich ebenso Musiker und veröffentlichen jede Menge eigenen Content. Und so haben sie ebenfalls den Wunsch, ihre Videos, Tonaufnahmen und Texte möglichst bekannt zu machen. Nun ist es für mich eine Sache der Fairness, dass ich die Beiträge meiner Kollegen like, selbst wenn der eine oder andere nicht hundertprozentig nach meinem Geschmack ist. Musiker ernähren Musiker, ein alter Hut. Zudem kostet ein Like oder ein kurzer netter Kommentar ja nix. Außer Zeit. Und so muss ich eben täglich zwischen 30 und 60 Minuten derselben opfern und lese Beiträge anderer Blogger, denen ich folge, weil sie mir folgen, gucke mir Clips meiner Mitmusiker auf Facebook und YouTube an, wobei ich nicht mit „Gefällt mir“ spare und bestelle hin und wieder eine CD eines Freundes oder musikalischen Leidensgenossen.

Das ist Dir alles zuviel und zu aufwändig? Gut, dann lass es bleiben. Beklag Dich jedoch nicht, wenn die anderen Kinder dann nicht mehr mit Dir spielen wollen!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Patreon

Liebe Leser,

Corona, Lockdown, Lockerung, erneuter Lockdown, 7-Tage-Inzidenz, Mutation, Impfung, Impfstoff-Engpass… na, nervt’s? Also mich schon!

Es tut mir leid, dass seit nunmehr 11 Monaten wirklich jeder Blogbeitrag ein Lamento über die Widrigkeiten dieser Pandemie ist. Aber das Virus ist ja auch noch da und schert sich einen Dreck um meine Befindlichkeiten. Jede (meines Erachtens verfrühte) Lockerung des Lockdowns mag Bildungseinrichtungen und bestimmten Wirtschafts-Sparten vielleicht etwas helfen, ein vernünftiger und damit auch für Veranstalter und Künstler lukrativer Live-Betrieb liegt noch in weiter Ferne. Es gilt also, etwas zu tun. Verzweifeln und Hinwerfen wäre natürlich eine Möglichkeit, ist aber verpönt. Von daher…

Es galt, eine Möglichkeit zu finden, der – zugegeben überschaubaren – Schar meiner Fans zumindest etwas Musik oder Unterhaltung zukommen zu lassen und dies dennoch nicht gänzlich für lau zu tun. Und diese Möglichkeit gibt es tatsächlich.

Ich werde meine Gigs und damit die treue Gefolgschaft meiner Fans (oder zumindest Sympathisanten) zumindest temporär ins Netz verlagern. Hierfür habe ich meinen inzwischen etwas verstaubten Kanal bei YouTube wieder aufpoliert 

Achtung, super-kreativer Name: gige2009 >>>

und mir eine Seite auf der renommierten Plattform patreon.com eingerichtet, die es ermöglicht, den Live-Musiker Gige zu unterstützen. 

https://www.patreon.com/gige_jazz

Unterstützer (sogenannte Patreons) erhalten für ihren monatlichen Beitrag Benefits, die von meiner tiefen Dankbarkeit bis zur monatlichen Unterrichtseinheit per Skype reichen.

Schaut Euch auf der Seite um und lest die Angebote der verschiedenen Unterstützer-Levels durch. Ich bin mir sicher, da ist für Euch was dabei! Werdet mein Unterstützer auf Patreon – ich würde mich sehr freuen. 

Natürlich schlage ich mich derzeit durch den ganzen Technik-Schissl (an der USt beiße ich beispielsweise gerade noch, aber ich werde das klären!), doch das kriege ich trotz fortgeschrittenem Alter in den nächsten Tagen gebacken! Und dann werde ich exklusiven Content auf die Seite füllen. Ich will meinen Unterstützern ja auch regelmäßig Neues bieten!

Natürlich ist die Unterstützung bei Patreon monatlich kündbar, so dass Ihr mir Euer sauer verdientes Geld lieber wieder anlässlich von Auftritten zukommen lassen könnt, wenn diese Pandemie jemals vorüber ist.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Gedanken zum Jahresbeginn

Liebe Leser,

natürlich habe ich wieder viel zu lange mit Arbeit und so ’nem Kram herumgetrödelt, dass dieser Beitrag zur Begrüßung des neuen Jahres schon fast zum Ende des Karnevals erscheint. Da selbiger – wie so vieles – ausfallen wird, ist auch diese Angabe irrelevant. Wie immer entschuldige ich mich in aller Form für … naja, alles eben. Nun aber der Text: 

So, endlich ist 2020 Geschichte. Wir haben jetzt 2021 und alles wird besser. Hatte ich mir so gedacht. Ja, Pustekuchen. Wir hocken im verschärften Lockdown und freuen uns, wenn die Impfquote der Bevölkerung im Promillebereich ansteigt. Langsam aber sicher geht mir Corona auf die Nerven. Soeben habe ich eine Nachricht von Rainer Glas erhalten, dass der 40. Internationale Jazzworkshop Erlangen auch im Jahr 2021 nicht stattfinden kann. Die Nachricht wird auch bei der Wiederholung (siehe diesen Beitrag von 2020 >>>) nicht besser.

Die Pläne, die ich mit Beginn der Pandemie für 2020 gemacht hatte („Ab Herbst können wir dann…“) sind jetzt offenbar auch für 2021 obsolet. Weia, das nervt gewaltig!

Und dann noch die Bekannten (echte Freunde sind es zumeist nicht), die in der Krise eine Herausforderung oder gar Chance sehen. Träumer, die in Kurzarbeit kreativ werden oder in „systemrelevanten“ Berufen (womit natürlich nicht die tatsächlich systemrelevanten und hart schuftenden Helden im Gesundheitswesen etc. gemeint sind!) arbeiten, wo man außer der obligatorischen Maske nichts von der Pandemie bemerkt. Herrje, ich hab’s gerafft! Online-Konzerte streamen, Unterricht per Skype, Harmonielehre-Kurse über das Web und so weiter und so fort. Jaja, schon klar. Ich mach ja schon!

Am besten ist der Tipp, viele Videos für YouTube zu produzieren, so wegen Influencer oder Content-Creator und all den Schissl. Das ist eine entsetzliche Arbeit – seit Tagen schneide ich an einem 3-Minuten-Video herum – und bringt dem (nicht mehr ganz taufrischen) Live-Musiker genau gar nichts. Um es frei heraus zu sagen (entschuldigt den rüden Ton, Ihr Blog-Leser seid explizit ausgenommen und ohnehin meine Treuesten!): Steckt Euch sämtliche gutgemeinten Rat-, Optimierungs-, Vor- und sonstigen Schläge an den Hut. Naja, ging doch, war nicht zu rüde. Also: Was ich tun müsste, weiß ich. Nur nicht wann. Und ich weiß auch nicht, wie man das alles bezahlen soll.

Ein passabler Weg, darbende (eine zugegebenermaßen angesichts meines Leibesumfangs etwas fragwürdige Formulierung) Künstler zu unterstützen, ist es, deren Erzeugnisse bzw. Merch (= Merchandising-Kram – die Abkürzung wird inzwischen sogar von der Rechtschreibprüfung toleriert) zu kaufen. Und es gibt ja allerhand:

Man kann sich die „Harmonielehre für Gitarre“ von Helmut Kagerer & Gige Brunner (siehe dieser Beitrag >>>) bestellen, oder eine der schönen (neuen) CDs „dreipunktnull“ (siehe dieser Beitrag >>>) bzw. „Bossa Nova“ (siehe dieser Beitrag >>>). 

Bestellung per Mail an jazz@gige.de oder auf allen legalen Kommunikationswegen zu mir. Oder das:

Ganz heißes Zeug. Für Gitarristen. Feine Fingerstyle-Arrangements populärer Standards aus Jazz und Bossa Nova. Derzeit lieferbare Hefte (als PDF):

La Mer, Se é Tarde Me Perdoa, Out of Nowhere (und in den nächsten Tagen Lobo Bobo und On a Slow Boat to China). Jedes PDF enthält ein Fingerstyle-Arrangement des kompletten Songs in kombinierter Notation und Tabulatur sowie eventuell ein paar Anmerkungen und kostet 5 Euro. 

Bestellung per Mail an jazz@gige.de oder auf allen legalen Kommunikationswegen zu mir. Zudem auch direkt über den Verlag unter www.hm5-publishing.de (wo ich die PDFs baldigst auf der Website einstellen bzw. bewerben werde, versprochen!).

All diese schönen Sachen werde ich impertinent bei YouTube bewerben und zudem den jeweiligen Beitrag durch einen gewieften Titel als Clickbait nutzen. Ja, so clever bin ich drauf! Ihr findet meinen Kanal in Youtube >>> unter dem knackigen gige2009. Seufz…

Zu guter Letzt wird es im März (hoffe ich) einen Online-Kurs zum Thema Harmonielehre bei der vhs Schwabach geben, für den ich das oben genannte Buch in handliche Happen zerteilt habe, die sich zum Einen in vier Lektionen und zum Anderen ohne explizite Gitarrenkenntnisse genießen lassen. Ankündigung und Ausschreibung erfolgt zeitnah. 

So wurde meine wütende Abrechnung mit dem ganzen Volk der Krisengewinnler, Optimierer und Consulter (welche ich schon in meinen Angestellten-Zeiten nicht ausstehen konnte) nun doch zu einer Werbeveranstaltung in eigener Sache. Aber wie sagte schon Brecht so schön: Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige

Gedanken zum Jahresende 2020

Liebe Leser,

es ist eine schöne Tradition, dass ich zum Ende des laufenden Jahres einige Zeilen in diesem Blog schreibe. Aber dieses Jahr ist das nicht schön! 2020 war, mit Verlaub gesagt, beschissen! Nach gutem Start mit schönen und lukrativen Gigs im Januar und Februar hat es mir die Laune ab März (die CD-Präsentation „dreipunktnull“ am 14.03. war mein erster Termin, der gecancelt werden musste) gehörig verhagelt. Corona hat jegliche musikalische Ambitionen im Jahr 2020 gekillt. Gut, es sind zwei Tonträger und ein Buch mit meinem Namen darauf erschienen, was sich ja nach einem respektablen Output anhört. Aber wenn man ausschließlich reale Produkte herstellt, die sich eben nicht in digitaler Form erwerben lassen, hat man offensichtlich auf das falsche Pferd gesetzt. Die gute Nachricht: Die Sachen verderben ja nicht…

Nebenbei hat wieder eine Zeitschrift, für die ich zusammen mit Sven Heißler schon viele Comics produziert habe, ihr Erscheinen eingestellt. Na, Ihr wisst ja, schlimmer geht immer.

Nun bin ich natürlich nicht undankbar, dass meine Familie und mein engster Freundeskreis von einer Corona-Erkrankung verschont geblieben sind, doch dies ist zum größten Teil Glück, zum kleineren Teil Vorsicht, aber sicher nicht der allgemeinen Disziplin unserer Bevölkerung geschuldet. Nach nunmehr 10 Monaten Pandemie im Wechsel zwischen Lockdown und Lockerung trifft man immer noch zu viele Zeitgenossen, die offenbar in zwei Realitäten parallel leben! In der einen, in der es aufgrund steigender Infektionszahlen, dauerhafter Überlastung des Gesundheitswesens und einer doch bedeutenden Anzahl von Todesfällen vernünftigerweise gewisse Einschränkungen im Alltag gibt, sowie in der anderen Realität, in der das Coronavirus immer noch in Wuhan, oder vielleicht noch ein bissl im fernen Österreich wütet. Da ist es cool, bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Maske zu verzichten und seinen Mitmenschen auf die Pelle zu rücken. Es ist unfassbar!

Ganz abgesehen von der üblichen Meute an Aluhut-tragenden Covidioten und Kwerdenkern ist auch der Umgang mit den von den Einschränkungen von Anfang an und dauerhaft Betroffenen, also den Künstlern, Hoteliers, Gastronomen und Veranstaltungs-Leuten, unsäglich. Jede „unbürokratische“ „Soforthilfe“ ist geradezu kafkaesk bürokratisch und niemals zügig. Man hat alleine in Nürnberg gegen knapp 50 Künstler Ermittlungen wegen Betrugsverdacht eingeleitet, weil sie in völliger Unkenntnis tagesaktueller Regelungen im April zwei Anträge auf Soforthilfe gestellt hatten (von denen übrigens der jeweils zweite durchgehend abgelehnt worden war). Die Regelungen zu den angebotenen Hilfen, welche auf der Website der bayerischen Staatsregierungen nachzulesen waren, wurden mehrmals geändert (wirklich!), so dass man sich am besten beim Beantragen einer Hilfe einen Screenshot gemacht hätte… 

Die Vorgabe, dass eine Soforthilfe nur für geschäftliche Liquidität, aber nicht zur Bestreitung des Lebensunterhalts verwendet werden dürfe, ist ein echter Burner. Wäre doch bei Kurzarbeitergeld ebenso sinnvoll, oder?

Zum Dank für das Betteln wird man von den in ihrer Kurzarbeit gebetteten Angestellten in vielen Foren (Web wie Print) heftig angegangen, weil man „keine Rücklagen gebildet hat“, weil man „eben flexibel sein muss“, weil man „etwas Anständiges hätte lernen sollen“ und anderes Kroppzeuch. Dass inzwischen auch so solide Berufszweige wie Karnevalisten und Feuerwerksverkäufer nach Staatshilfe schreien, wird akzeptiert, da diese offensichtlich systemrelevant sind, während Musik, Theater und Film ja aus der Steckdose kommt. Ach, drauf gesch…

Nun sieht es ja trotz aller Fortschritte in Sachen Impfung etc. danach aus, als würde uns das Virus noch einige Monate begleiten. Es scheint, dass die (von mir) vorgeschlagene organisatorische Lösung für den Live-Gig-Stau Verschieben, verschieben! eben doch nicht funktioniert. Wir bleiben also weiterhin bei Ebbe in der Kasse krampfhaft kreativ! Was also tun?

Ein Buch habe ich 2020 geschrieben und veröffentlicht, zwei Tonträger ebenfalls. Möglicherweise hatte ich das schon erwähnt. Habt Ihr die Sachen noch nicht? Dann umgehend bestellen! Eine sehr direkte Hilfsmaßnahme in Corona-Zeiten! Weitere Publikationen werden 2021 folgen, verlegt entweder beim eigenen Verlag HM5 publishing UG oder beim Spurbuchverlag. Oder bei beiden.

Live-Konzerte sind auf absehbare Zeit kaum realisierbar. Ich werde also etwas Neues probieren. Wenn der berüchtigte Technik-Gige einige Grundlagen erlernt hat (ich bin dabei!), wird mein YouTube-Kanal mit mannigfachen Gitarren-Videos überflutet. Diese Videos sind die Teaser für weiterführende Video-Kurse, Streams, Veranstaltungen mit Gast (bevorzugt in der realen Welt, sobald man dies wieder gefahrlos tun kann), Bücher, Tonträger und so weiter. Wer mich dabei unterstützen möchte, den bitte ich um ein Patronat bei patreon.com, wo ich mich unter

https://www.patreon.com/gige_jazz

eingenistet habe. An den Benefits, die ein Förderer genießen wird, arbeite ich im Moment noch, aber die offizielle Eröffnung dieser Aktion werde ich noch gebührend an- und verkünden. Ihr müsst jetzt also noch kein Patron werden. Nicht mehr in diesem Jahr.

Liebe Leser, vielen Dank für Eure Besuche auf dieser Website, für Eure Kommentare und Eure Likes. Ein paar Abonnenten mehr wäre nett, aber das ist nicht so wichtig (By the way: Einem Blog bei WordPress zu folgen kostet nix, auch die Mitgliedschaft in WordPress ist mit keinerlei Kosten verbunden). Jetzt rutscht gut raus aus diesem vermaledeiten Jahr und kommt wohlbehalten in 2021 an! Ich wünsche Euch allen ein frohes und gesundes neues Jahr, in dem wir uns hoffentlich nicht nur auf dem Bildschirm, sondern auch in der realen Welt wieder sehen und hören können.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Saufen gegen Corona

Liebe Leser,

seit Mitte März hat sich aufgrund der Corona-Pandemie mein musikalisches Leben und Schaffen fast vollständig in mein Arbeitszimmer bzw. ins Internet verlagert. Und es scheint nicht besser weiter zu gehen! Ein zweiter Lockdown ist für November verkündet, was ich zwar als vernünftiger Bürger befürworte, als Live-Musiker allerdings bitter bedauere. Ein von Vielen ersehnter Impfstoff wird wohl frühestens Anfang 2021 – falls überhaupt – zur Verfügung stehen (und dann wahrscheinlich von den üblichen Verdächtigen als „Zwangsimpfung“ abgelehnt), uns also dieses Jahr sicher nicht mehr helfen.

Mir sind seit dem ersten Lockdown Dutzende von Gigs flöten gegangen, darunter viele kleine, wo es hauptsächlich um Ruhm und Ehre geht, allerdings auch einige wirklich lukrative. Und der nächste Lockdown steht an. Denn schlimmer geht immer.

Einige wenige rührige Veranstalter (siehe diesen Beitrag >>>) und Gastronomen hatten sich die Mühe gemacht, trotz persönlicher Sorgen und finanzieller Engpässe zumindest hin und wieder mit all den Auflagen Live-Konzerte zu veranstalten, sogar im späten Herbst, wo ein Sitzen im Freien beim besten Willen keinem mehr zugemutet werden kann. Insbesondere mein Lieblings-Cafe im Südosten Nürnbergs hat mich trotz Corona mindestens einmal im Monat zu einem Abend mit Livemusik als Künstler eingeladen. Solange bis zum Spätsommer viele Gäste im vorgeschriebenen Abstand auf dem Bürgersteig vor dem Cafe einen Platz fanden, hat das für uns beide (also den Wirt und mich) recht gut funktioniert. Beim letzten Mal am 22.10. allerdings nicht so besonders.

Zwar waren alle wenigen Tische, die im korrektem Corona-Abstand gestellt sind, tatsächlich reserviert und auch von mindestens einem Pärchen besetzt, aber diese Gäste (fast ausschließlich Neukunden bzw. -Fans, was ja an und für sich prima ist) haben kaum etwas verzehrt. Der Künstler-Hut war zwar ordentlich gefüllt, nicht so aber die Kasse des Wirts. Wenn an zwei Tischen, welche wiederum jeweils mit zwei Personen besetzt sind, insgesamt um die 20 Euro am GANZEN ABEND umgesetzt werden, kann sich selbst jeder (Betriebs)Wirtschafts-Laie ausrechnen, dass das so nicht funktionieren wird. 

Dass ein Gast einen ganzen Abend lang an einem Getränk nuckelt, ist mir zuletzt in den 1970er Jahren aufgefallen, als wir als Mofa-Gang zu zehnt in unserer Vorstadtkneipe stundenlang ein (1) kleines Bier belagert hatten. Zur Abhilfe Eintritt zu erheben, ist nicht im Sinne des Erfinders, denn der Wirt Micha möchte keine Konzerte veranstalten, sondern seinen Gästen ein gehobenes Gastronomieerlebnis bieten. Das klingt jetzt etwas gestelzt, trifft aber den Punkt. Der Gast soll bei gepflegter Live-Musik in gemütlicher Atmosphäre einen schönen Abend mit seinen Freunden oder den übrigen Gästen verleben und dabei natürlich die leckeren Angebote der Gaststätte bzw. des Cafes genießen. Wenn er dann noch einen kleinen (oder mittleren) Obolus für den Künstler da lässt, entsteht eine Win-Win-Win-Situation.

In Nürnberg und Umgebung gibt es nicht zu viele Gaststätten, die ihren Gästen derlei regelmäßig bieten, wobei von diesen die meisten schon im März die Live-Saison abgebrochen und bis dato nicht mehr aufgenommen haben. Als Versuch wollte Micha für die nächste Veranstaltung erstmalig einen Mindestverzehr festlegen, was ich für richtig halte. Wahrscheinlich kostet mich das einiges an Spenden, aber wenn für das Cafe gar nichts übrig bleibt und sogar noch der allmächtigen GEMA ein Betrag gezahlt werden muß, dann würde ich es als Wirt lieber sein lassen. Und dann bleibt mir als Musiker… richtig, gar nichts.

Doch gottseidank haben wir ab November 2020 wieder einen Lockdown (was an diesem – wie bisweilen kolportiert – „light“ sein soll, konnte weder den Gastronomen noch den Kulturschaffenden vermittelt werden), wodurch die oben erwähnten Gäste noch mehr sparen können, da das Cafe schließen muss.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Verschieben, verschieben!

Liebe Leser,

heute soll ein Lamento über das harte Los analoger Künstler veröffentlicht werden. Schon wieder. Aber auch KONSTRUKTIVE Vorschläge. Ja, die gibt es gratis.

Wir Künstler (macht Anführungszeichen hin oder alberne Witze darüber – mir doch egal!) wurden ja als Erste durch die Pandemie in der Ausübung unserer Tätigkeit getroffen und werden als Letzte von irgendwelchen Lockerungen profitieren. Eine wie auch immer realisierte Begrenzung von Personenzahlen bei allen vorstellbaren Veranstaltungen ist exakt das Gegenteil von dem, was sich ein Künstler für solcherlei wünscht.

Denn wenn zum Beispiel eine Gastronomie für eine beschränkte Anzahl von Besuchern öffnet, soll dann ein Livemusiker einfach in mehreren Schichten spielen? Hm … ehrlich gesagt dürfte das die einzige Möglichkeit sein, überhaupt in der nächsten Zeit etwas Livemusik unter die Bevölkerung zu streuen. Die ganzen Sofa- und Hobbykeller-Performances vieler Bands und Künstler hängen mir schon zum Hals heraus und wenn ich noch ein paar Videos mit Songs meiner Kollegen sehe, die mit dem Einzähler des im Hintergrund laufenden Playbacks starten, kippe ich den Kaffee in meinen Laptop…

Klammer auf: 

Für ein Konzert oder einen Workshop des legendären Tuck Andress (yep, der von Tuck & Patti) hätte ich früher einen Batzen Geld bezahlt. Nun, er sendet inzwischen seine Lessons und auch Konzerte mit seiner Frau regelmäßig vom Sofa aus und sammelt mit dem (virtuellen) Pappbecher Trinkgeld ein. Die zweite Live-Übertragung habe ich dann gelangweilt weggewischt, denn es gab Sting (yep, der von The Police) zwei Fenster weiter. Da kriege ich sofort Bock, dies als unbekannter Gitarren-Gnom aus dem hintersten Winkel von Süddeutschland ebenfalls zu tun. Wird bestimmt eine tolle Sache! Liebe Freunde, spart Euch diese sicherlich gut gemeinten Vorschläge.

Klammer zu.

Prinzipiell stehe ich hinter den Maßnahmen unserer Regierung und halte eine verfrühte Lockerung für falsch. Ich habe den schlauen Satz sinngemäß in Erinnerung:

Wenn nach der Krise alle sagen „Na, war doch gar nicht so schlimm“, dann haben wir als Regierung alles richtig gemacht.

Also, Zähne zusammenbeißen, Lagerkoller vermeiden und – zu Hause bleiben!

Ich bin übrigens angesichts der eher düsteren Prognosen für die kommende Zeit der Meinung, dass es für die komplette Live-Branche am schlausten wäre, das komplette Jahr 2020 ab März komplett auf 2021 zu verschieben, also tatsächlich jeden Termin ab Shutdown exakt auf das entsprechende Datum des nächsten Jahres. Natürlich will ein jeder so schnell wie möglich live vor echtem Publikum spielen, was ich natürlich niemand absprechen möchte, sobald dies eben bei maximal minimiertem (coole Kombination) Risiko möglich ist. Aber wer sich in der Szene auskennt, weiß, dass viele Veranstaltungsorte ihre heiß begehrten Buchungen teilweise über Jahre im voraus machen. Jahre! Das bedeutet, wenn 2020 wegen Corona ein solcher Job platzt, kann und wird er – normalerweise – nicht verschoben werden, er entfällt ersatzlos. Und die gesamte Akquise (unzählige Anschreiben, Anrufe, persönlich vorstellig werden, Nachfragen, Hegen & Pflegen etc.) ist dahin. Das kann dann schon einmal die Arbeit mehrerer Jahre zerstören und ist weit schlimmer als nur ein entgangener Job.

Am gerechtesten wäre es also, wenn die ganzen Veranstaltungskalender 2020 auf 2021 übertragen würden. Was in diesem Jahr noch stattfinden kann, fällt natürlich heraus. Natürlich ergibt dies allerhand Schwierigkeiten mit dem Kalender (Lage der Feiertage, Ferien etc.), aber was ist schon leicht in diesen Tagen?

Im Übrigen wurde der von mir und mindestens einer weiteren Million Menschen vorgetragene Vorschlag bezüglich der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens BG (siehe hier >>>) sowohl von der Politik und auch von Sachverständigen (auch in diesem Blog) mit „zu teuer“, „zu unkontrollierbar“ und vielen schlauen Argumenten abgelehnt. Und es ist exakt eingetreten, was alle Befürworter des BG befürchtet hatten: Wir haben einen Flickenteppich an Hilfemaßnahmen, die viele nicht erreichen („Rückfragen können aufgrund der vielen Anträge nicht bearbeitet werden“), die kriminelle Elemente hochprofessionell ausnutzen bzw. missbrauchen und die akribisch mit diversen lindernden Maßnahmen wie Stundungen, Zuschüssen oder Stützkrediten verzahnt werden sollen. Es bedarf einer Heerschar an Bediensteten, die dieses Stückwerk verwalten, kontrollieren und im Missbrauchsfall rückabwickeln müssen. Na immerhin haben diese jetzt auf unabsehbare Zeit Arbeit…

Die inzwischen aus offiziellen Kreisen bekannt gegebenen Zahlen zum Gesamtumfang der wirtschaftlichen Notfall- und Rettungsmaßnahmen entsprechen übrigens ziemlich genau denjenigen, die als Kosten eines BG für die Gesamtbevölkerung Deutschlands als „unbezahlbar“ tituliert wurden.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Mit der Gießkanne!

Liebe Leser,

normalerweise arbeite ich länger an einem Text, als ich es bei diesem getan habe. Aber in diesem Fall wäre er dann einfach etwas zu spät gekommen. Und das leitet elegant in mein heutiges Thema. Finanzielle Sofortmaßnahmen gegen die Corona-Krise

Klammer auf

Ich blogge nicht über politische Themen. War so abgemacht. Aber zum Einen haben wir mit einer medizinischen und in der Folge wirtschaftlichen Krise zu kämpfen und zum Anderen ist das Thema nicht politisch, sondern eher technisch… finde ich.

Klammer zu

Um die durch die Corona-Pandemie entstandenen wirtschaftlichen Schäden, welche durchaus existenzbedrohend sind, abzumildern, haben sich zügig die Bayerische Staats- und kurz darauf auch die Bundesregierung für auf den ersten Blick gewaltige finanzielle Hilfsmaßnahmen entschieden. Während es für Arbeiter und Angestellte schon unterschiedliche Mechanismen (mir fällt hier als Erstes das Kurzarbeitergeld ein) gibt, sehen Freiberufler (das ganze Künstlergesums) und kleine Selbstständige in solchen Fällen ziemlich alt aus. Wenn der Laden dicht gemacht wird (sagen wir zum Beispiel ein Friseursalon), dann tendiert die Liquidität zügig gegen Null. Livemusiker müllen inzwischen mit ihren Online-Performances das Web zu, verdienen aber sicher noch schlechter, als sie es ohnehin gewöhnlich tun. Und wer soll sich denn das alles gleichzeitig ansehen? Aber der Friseur kann die Haare nicht über das Web schneiden und nach zwei Wochen ist die seit langem nötige Inventur dann auch erledigt. Es muss also zügig Kohle reinkommen.

Nun preschte also unser Ministerpräsident Söder mit einer Soforthilfe vor. Maximal 5000 € für einen Einzel-Selbstständigen oder Inhaber eines kleinen Unternehmens mit bis zu fünf Mitarbeitern sollte es geben. Schnell und unbürokratisch. Klingt ok, aber wenn ich alleine die abgesagten Jobs im April zusammen rechne, ist das kein unverhoffter Geldregen, sondern eine etwas extrapolierte Entschädigung.

Inzwischen ist auf der Website der Bayerischen Staatsregierung allerhand an Text hinzugekommen – ich könnte schwören, dass das letzte Woche dort noch nicht stand – so z.B. dass vor der Soforthilfe persönliche Mittel aufzubrauchen sind und dass es wegen der (unerwartet?) hohen Nachfrage keine Empfangsbestätigungen gibt. Von Rückfragen ist abzusehen.

Nun haben sich so arme Schlucker wie Adidas dazu hinreißen lassen, Mieten für ihre wegen der Pandemie geschlossenen Stores auszusetzen. Man ist offenbar nach öffentlichem Druck inzwischen wieder etwas zurückgerudert, aber das Signal ist fatal. Denn nach einem Ausbleiben der Miete können die Darlehen, welche zum Erwerb der Immobilie aufgenommen wurden, nicht mehr bedient werden. Und meine HypoVereinsbank wird eine traurige Geschichte vom säumigen Mieter nicht interessieren, die wollen ihre monatliche Rate. Nein, ich vermiete keinen Laden an Adidas, aber das Prinzip ist klar, oder? Einfach Zahlungen einstellen scheint daher keine praktikable Lösung zu sein.

Sobald sich einzelne Gruppen von Menschen (oder auch einzelne Unternehmen) als besonders hilfs- bzw. geldbedürftig erachten, wird eine unbürokratische und schnelle finanzielle Unterstützung torpediert, auch wenn die jeweiligen Gründe durchaus legitim sein mögen. Nur der Prozess zur Prüfung und Bescheidung ist dann derart aufwändig, dass er für eine schnelle Maßnahme nicht mehr taugt. Ihr könnt am deutschen Steuerrecht, welches wohl das komplizierteste der Welt ist, weil es versucht, es wirklich JEDEM recht zu machen, sehen, wohin es führt, wenn man einen solchen Anspruch hat.

Ich bin deshalb ausnahmsweise ein Verfechter des Gießkannenprinzips. Wir müssen ja nicht, wie es in den USA geplant war, einfach Schecks mit dem Hubschrauber abwerfen (das mit dem Hubschrauber habe ich erfunden!), aber das sogenannte bedingungslose Grundeinkommen für JEDEN auf sechs Monate wäre meines Erachtens der einfachste und schnellste Weg, die wirtschaftlichen und sozialen Schäden durch die Corona-Krise abzumildern. Über den Daumen kostet das irgendwas zwischen 2 und 3 Billionen (europäische, keine amerikanischen, also die Zahl mit den 12 Nullen) Euro, was zumindest in der Nähe der ganzen unendlich komplizierten geplanten Rettungsschirme liegt. Und wir sparen Abermillionen, weil wir nicht unsere Verwaltung und die Gerichte mit Tausenden von überforderten Sachbearbeitern aufblähen müssen, die dann wiederum unendlich lange über jeden einzelnen Fall entscheiden müssen.

Ich lasse mich sonst selten zur Unterschrift in Petitionen hinreißen, aber diese habe ich bei change.org unterstützt, neben über 400.000 anderen: 

http://chng.it/Zbg9bzZ49n

Ok, der Link sieht bescheuert aus, aber er funktioniert. Sicher, wir brauchen gesunde Menschen. Aber wir brauchen auch welche, die Mieten zahlen, Sachen konsumieren, also Geld ausgeben können. Und das dann vielleicht auch mal wieder für Jazz…

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige