Auf dem Nachttisch – Ranking aller Pixar Filme

Liebe Leser,

in Pandemie-Zeiten wird ja noch mehr geguckt als ohnehin schon. Und so hat sich unsere Familie zu Weihnachten 2020 neben den schon fast zum Standard gehörenden Netflix und Amazon Prime auch noch ein Disney+ Abo gegönnt. Und? Für Restaurant-, Konzert- oder Biergartenbesuche kann man das Geld ja nicht ausgeben, also – was soll’s? Das war vom Timing her zudem ziemlich gut, denn kurz nach Heiligabend wurde der neueste Pixar-Animationsfilm Soul bei Disney+ uraufgeführt und als Pixar-Fans der ersten Stunde wollten wir allesamt diese Premiere nicht verpassen.

Eine Rezension über Soul hätte ich ohnehin geschrieben, aber beim Review im Kreise der ohnehin sehr cineastischen Familie kam zum wiederholten Male die Diskussion über die Einordnung des jeweils letzten (aktuellen) Pixar-Films in das bis dato bestehende Gesamtwerk auf, gefolgt von dem Versuch eines Rankings aller (abendfüllenden) Pixar-Filme nach ihrer… sagen wir: Qualität. Eine sehr subjektive Sache, klar. Zudem haben dies schon vor mir einige Menschen getan. Aber ich konnte nie in allen Bewertungen übereinstimmen, so dass ich mich entschloss, der Welt ein weiteres Ranking zu schenken, auf welches sie sicherlich auch nicht gewartet hat.

Die Zusammenstellung aller Pixar-Filme samt ihrer Veröffentlichungsjahre ist keine große Sache. Da hilft Wikipedia immens. Und da ich die meisten dieser Filme jeweils bestimmt ein halbes Dutzend Mal gesehen habe, würde wohl ein Ranking keine große Sache sein. Dachte ich mir so.

Die TOP5 und die schlechtesten Filme aus dem Hause Pixar sind schnell gerankt, über die genauen Positionen in der Liste mag man trefflich streiten. Aber im Mittelfeld wird es tricky. Filme, die ich als wirklich berührend und toll empfand, mussten sich angesichts der Konkurrenz aus dem eigenen Haus mit einem Platz im Mittelfeld begnügen. Insbesondere die beiden Produktionen Soul (2020) und Alles steht Kopf (2015) hatte ich so aus dem Bauch heraus als Top-Filme von Pixar gespeichert. Aber die Messlatte hängt hoch. Im direkten Vergleich mit den anderen Filmen stieß mir dann doch die eine oder andere Länge etwas auf und sie landeten unerwartet nur auf Platz 10 und 11.

Hier nun erst einmal mein subjektives Ranking, von gut nach schlecht, dann ein paar Anmerkungen:

1 2007 Ratatouille

2 2008 WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf

3 2017 Coco – Lebendiger als das Leben!

4 2004 Die Unglaublichen – The Incredibles

5 2003 Findet Nemo

6 2009 Oben

7 2010 Toy Story 3

8 2001 Die Monster AG

9 2013 Die Monster Uni

10 2020 Soul

12 2015 Alles steht Kopf

11 2018 Die Unglaublichen 2

13 2006 Cars

14 1999 Toy Story 2

15 1995 Toy Story

16 1998 Das große Krabbeln

17 2019 A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando

18 2017 Cars 3: Evolution

19 2020 Onward: Keine halben Sachen

20 2015 Arlo & Spot

21 2012 Merida – Legende der Highlands

22 2016 Findet Dorie

23 2011 Cars 2

Bei den Anmerkungen zu obigem Ranking muss ich natürlich auf den Inhalt des jeweiligen Films eingehen, was zu — SPOILERN — führt. Ich habe Euch also hiermit gewarnt!

Beim Schreiben der nun folgenden Erläuterungen erschien mir die Einführung einer Untergruppierung sinnvoll. Ich war mir zwar über die Einstufung einer tiefer stehenden Gruppe als „nicht ganz so gut wie die darüber“ ziemlich schnell klar, nicht aber über das Ranking innerhalb dieser jeweiligen Gruppe. 

Ob ich Ratatouille oder WALL·E als Nummer 1 ansehe, ist eine knappe Sache. Beide Filme sind echte Meisterwerke, die ich immer wieder aufs Neue genießen kann. Meiner Meinung nach das Beste, was Pixar bis dato geschaffen hat. 

In der Gruppe mit Coco, Die Unglaublichen, Findet Nemo und Oben hat mich Coco am meisten beeindruckt, insbesondere nach einigen Dürrejahren von Pixar. Dass es in Coco neben den üblichen Themen wie Familie, Tradition und Loyalität auch um mitreißende Musik geht, mag mich beeinflusst haben. Wer weiß das schon? Die Unglaublichen ist ein spannender und sehr witziger Action-Animationsfilm („der beste Superhelden-Film“) im schicken Sixties-Style und Findet Nemo ein spannender Familien-Abenteuerfilm mit den witzigsten Sidekicks im ganzen Pixar-Universum. Mehr Disput gibt es über die Einordnung von Oben.

Die erste Viertelstunde, in der das Leben des zum Einsetzen der Haupthandlung greisen Mr. Fredricksen Revue passiert, ist ohne ein gesprochenes Wort seitens des Hauptdarstellers dennoch ein Meisterwerk und herzzerreißend. Der Übergang in einen Abenteuerfilm im Folgenden kann dieses absolute Top-Niveau nicht halten, ist aber immer noch spannend, rührend und dank der knuddeligen tierischen Akteure Oberklasse. Nebenbei: Dug ist der süßeste Hund überhaupt! Viele Rezensenten ranken Oben hinter anderen Pixar-Filmen. Ich aber liebe diesen Film und setze ihn an Nummer 6!

In der Gruppe mit Toy Story 3 und den beiden Monster-Filmen zeigt sich, dass bisweilen auch eine Fortsetzung an das Original heranreichen kann oder es sogar übertrifft. Die Schlussszene von Toy Story 3 ist (ja, natürlich ist das Kalkül) ein wirklich tiefer Moment und lässt nur die abgebrühtesten Rezensenten kalt. Auch ansonsten ist dieser Streifen der Beste der immerhin vierteiligen Reihe. 

Obwohl die Monster AG inzwischen tatsächlich 20 Jahre auf dem Buckel hat, ist es ein sehr witziger Film mit einer wirklich innovativen Idee. Ob man das gelungene Prequel Die Monster Uni jetzt etwas stärker oder etwas schwächer wertet, ist marginal. Wir haben in der Diskussion im Familienkreis festgestellt, dass wir wohl die meisten Gags und Zitate, mit denen wir im Alltag gerne um uns werfen, aus der Monster Uni entnommen haben. Die müssen daher wohl allerhand richtig gemacht haben.

Die Plätze 10 bis 12 sind sehr interessant. Alle drei dort platzierten Filme wurden unglaublich gehypt und auch von der Kritik hoch gelobt. Und dennoch finden sie sich gerade im Mittelfeld des Pixar-Gesamtwerks. Was ist da los?

Dem 2020er Pixar-Film Soul, welcher aufgrund der Pandemie gar nicht erst in den Kinos gezeigt wurde, sondern im Dezember 2020 auf Disney+ seine Premiere hatte, fieberte ich schon nach dem Release der ersten Trailer und Teaser entgegen. Dies war sicherlich auch ein Grund (nicht der einzige) für unser Disney+ Abonnement. Die Story war schon recht früh bekannt (Musiker bekommt endlich die Chance auf den Gig seines Lebens, verunfallt aber vorher tödlich, findet sich auch im Jenseits nicht mit dieser Ungerechtigkeit ab und… den Rest verrate ich nicht) und ich war auch gleich angefixt. Die Animationstechnik von Soul ist superb! Fotorealistische Szenarien, ein toller Soundtrack und sehr knuddelige Darsteller, ob menschlich, tierisch oder transzendent. Und ich gebe zu, dass gerade die Szenen, die sich um die Vorstellung des Protagonisten von „Musik als Berufung“ drehen und sein Hadern mit seinem realen Leben als Musiklehrer und verkanntes Genie, wirklich stark sind. Doch zwischendurch (mit allerhand Slapstick, Bodyswitch und ausgetauschten Weisheiten) schleichen sich auch einige Längen ein. Zudem frage ich mich bisweilen (das gilt übrigens auch für Alles steht Kopf), ob ich zu doof bin, die philosophischen Dialoge zu verstehen, oder diese eben wirklich nicht so gehaltvoll sind, wie sie klingen. Summa summarum gefallen mir die weiter vorne platzierten Filme einfach besser.

Im besagten Alles steht Kopf finden sich neben wirklich klugen und sehr witzigen Innensichten der Protagonistin (und menschlichen Psyche) sowie einigen berührenden Momenten eben auch wieder allerhand Leerlauf und auch ein paar Logik-Löcher. Guter Film, aber eben keiner der besten.

Die Unglaublichen 2 ist ein echtes Sequel. Pixar hat sich für diese Fortsetzung ganze 14 Jahre Zeit gelassen und allerhand Fan-Service betrieben. Technisch perfekt und auch ordentlich spannend sind viele Gags eben doch aus dem 2004er Film übernommen oder doch zumindest inspiriert. Zudem ist der Antagonist „Syndrom“ aus dem ersten Teil um Klassen stärker als derjenige der Fortsetzung.

Ich mag Cars und der Culture-Clash zwischen dem weltbekannten NASCAR-Rennauto und den hinterwäldlerischen Autos irgendwo im Grand Canyon (?) macht Spaß, aber es ist eine sehr amerikanische Welt, die dort gezeigt und gefeiert wird. Mich interessieren im echten Leben weder NASCAR-Rennen noch Autos allgemein sonderlich.

Die Plätze 14 bis 16 sind mit guten Filmen besetzt, welche allesamt eine gute, witzige und spannende Story haben. Aber mehr als 20 Jahre (alle drei Filme sind aus den 1990ern und waren stilbildend!) sind in der Welt der Animationsfilme eine lange Zeit.

Nun kommen wir zu den Plätzen, auf denen sich Filme finden, welche zwar nicht wirklich schlecht sind (davon gibt es zugegebenermaßen wenige bei Pixar), die aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Meine Tochter hat beispielsweise die Aufgabe gestellt, den Inhalt von Toy Story 4 kurz zusammenzufassen. Es ist mir nicht gelungen, was gegen eine gute Story spricht! Auch Cars 3 und Onward sind keine schlechten Filme, aber eben deutlich schwächer, als die vorher aufgeführten.

In der letzten Gruppe geht es mit zwei Filmen los, die man anschauen kann, aber nicht muss. Arlo & Spot ist ein Kinderfilm mit oft erhobenem pädagogischen Zeigefinger und Merida… ach ja. Es ist schwer zu sagen, was mir genau nicht gefällt, aber etwa ab der Hälfte des Films ist mir das Schicksal der Protagonisten schlichtweg egal. Das ist kein gutes Zeichen…

Auf Platz 22 ist mit Findet Dorie ein Film gelandet, an dem mich neben seinem viel zu häufig überdrehten Plot vor allem stört, dass er die Gier der Produzenten, wirklich jeden möglichen Dollar aus der Findet-Nemo-Story rauszuquetschen, nicht einmal ein wenig versucht zu kaschieren. Ich darf das als den „Bibi und Tina-Effekt“ bezeichnen. Man nehme ein paar Trigger-Begriffe für heranwachsende Mädchen (hier: Zaubern, Pferde, Jungs, Internat…) und verbinde dies mit wirklich hanebüchenen Storys, fertig ist die Gelddruckmaschine. Eben das hat man mit den liebenswerten Protagonisten aus Findet Nemo für das Sequel Findet Dorie getan. Alle halbgar in einen Topf und schnell umgerührt. Nebenbei ist das bei den fischlichen Protagonisten keine schöne Metapher. Dennoch: Unangenehmer Nachklapp mit eindeutig gieriger Absicht!

Cars 2. Das Ende! Ich habe Cars 2 genau einmal gesehen, war von der völlig konfusen Handlung überfordert, habe den Agenten-Twist nicht verstanden und die Story längst vergessen. Ich kenne keine Person (die dem Kindergartenalter entwachsen ist), die diesen Film mag. Das mag daran liegen, dass er eben wirklich schlecht ist.

Das, liebe Leser, war mein persönliches, subjektives Ranking aller abendfüllenden Pixar-Filme. Wie seht Ihr das? Schreibt mir gerne Eure Meinung in die Kommentare. Am schönsten wäre diese Diskussion bei einigen Bierchen nach einem Kinobesuch. Es sieht allerdings in nächster Zeit weder nach Kino, noch nach Bierchen in der Kneipe aus.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige