Geben Sie mir bitte 5 Sterne

Liebe Leser,

ach, wenn man doch zum Schreiben käme! Nachdem ich an dieser Stelle noch nicht meine großartige CD „dreipunktnull“ vorgestellt habe, ist – völlig unerwartet – vor wenigen Tagen mein neues Werk „Bossa Nova“ erschienen. Ok, das hole ich nach! Also für beide Scheiben (welche Ihr übrigens gerne bei mir per Mail bestellen dürft).

Zwischendurch gab es aber fernab von Jazz und Live-Musik noch eine Kleinigkeit zu erledigen…

Telekom-Bashing ist ja sowas von out! Zudem war ich viele Jahre für den (damaligen) Geschäftskundenservice als Techniker oder Systemspezialist von Herstellerseite (Nixdorf bzw. später Siemens) tätig und habe mit den Techniker-Kollegen der Telekom stets gut zusammengearbeitet und im Privaten einige Freundschaften geschlossen, die Jahrzehnte gehalten haben. Dennoch, die Zeiten systematischer Problemlösungen durch engagierte Servicetechniker sind ganz offensichtlich vorbei. Die Freundschaft mit den Veteranen allerdings nicht, was auch noch in diesem Fall eine Rolle spielen wird. Das wird eine lange Geschichte. Holt Euch schon mal frischen Kaffee.

Meine betagte Mutter hat ein ganz normales analoges Telefon (und kein Smartphone). Da es aber seit einigen Jahren keine analoge Telefonie mehr gibt, wendet die Telekom das Prinzip an, das man an jedem kleinen Router selbst probieren kann: Das analoge Endgerät wird an einem DSL-Router betrieben, welcher zumeist zwei solcher Anschlüsse zur Verfügung stellt (erkennbar an den alten Telefonbuchsen, TAE-Buchsen genannt). Nur dass der Router physikalisch nicht beim Kunden, sondern in der nächstgelegenen Vermittlungsstelle der Telekom steht. Besonders modern ist das nicht, denn so funktionierten die analogen Teilnehmeranschlüsse unserer gepriesenen Nixdorf-Telefonanlage 8818 schon im Jahr 1983.

Nun ereignete sich letzte Woche in der Umgebung des Wohnortes meiner Mutter ein heftiger Wolkenbruch. Und danach ging das Telefon nicht mehr. Ich meldete eine Störung unter der allseits beliebten 0800 330 1000. Seitdem hatte ich echt einigen Spaß!

Zunächst ist es gar nicht so einfach, für jemand anderen eine Störung zu melden, selbst wenn man leiblicher Sohn und im Besitz aller relevanten Kundendaten und -nummern ist. Aber dies gelang schließlich. 

Im Übrigen merkte bis auf eine Ausnahme jede der angesprochenen Service-Mitarbeiter*innen im jeweiligen Callcenter an, dass sie „noch nicht so lange dabei sei.“ Es kam bei jedem Anruf zu einer Rückfrage bei der Team- oder sonstigen Leitung. Daher war es auch stets etwas kompliziert, dem jeweiligen Ansprechpartner zu erklären, dass er sich das übliche „ziehen Sie bitte das Endgerät ab und stecken Sie es wieder ein“, „ich messe mal die Leitung – die scheint ok zu sein“ oder „die meisten Störungen können Sie mit unseren Tipps im Web selbst beheben“ sparen könne. Ich bin immerhin gelernter Fernmelder und habe das Standard-Zeug schon noch drauf. Ich gestehe aber, dass ich meinen Kunden vor dreißig Jahren das „ich habe schon selber alles gecheckt“ auch nicht abgenommen habe…

Die Krux an der Sache war, dass offensichtlich eines der Hausversorgungskabel beim Unwetter abgesoffen war, denn im selben Haus gab es noch mindestens einen weiteren Telefonausfall. Vielleicht auch noch einige mehr, aber das ist ja ohne Klingeln bei allen Hausbewohnern nicht herauszufinden. Noch vor einigen Jahren hätte ein selbst durchschnittlich begabter Service-Disponent bei der Telekom eine Häufung von Störungen in ein- und derselben Anschlusslage bemerkt und alle betroffenen Vertrags- bzw. Rufnummern unter einer (1) gravierenden oder übergreifenden Störung zusammengefasst, welche dann auch durch einen (1) Techniker zu beheben gewesen wäre. So einen menschlichen Disponenten gibt es aber im Jahr 2020 nicht mehr und der Algorithmus, der seinen Job übernommen hat, erkannte die Häufung bzw. das Muster der Störungen nicht.

So begann etwas zwei Tage nach meiner Störungsmeldung (und wahrscheinlich der der anderen Betroffenen) ein munter Stelldichein von Telekom-Service-Technikern und beauftragten Subunternehmern. Stets hatte ich ausdrücklich vermerken lassen, dass vor Eintreffen des Technikers mit mir Kontakt aufzunehmen sei, da meine Mutter die Glocke selten hört und telefonisch ja nicht erreichbar sei. Dies hat prompt zweimal nicht funktioniert, worauf ich per SMS jeweils hinterher die etwas säuerliche Mitteilung bekam, man hätte am betreffenden Tag niemand vor Ort erreicht und müsse daher den Termin verschieben. Ich nahm mir schon mal eine weitere Woche frei.

Der dritte Ortstermin (für die anderen „Gestörten“ kann ich nicht sprechen, dass es aber auch hier drunter und drüber ging, weiß ich von der Hausverwaltung) fand dann tatsächlich in meinem Beisein am Samstag statt. Der junge Service-Techniker hatte mich angerufen und war pünktlich vor Ort. Ich ergatterte vom Verwaltungsbeirat der Wohnanlage den Schlüssel für den Verteilerraum und führte den aufstrebenden Nachwuchstechniker in selbigen. Der Kellerraum war entweder niemals abgesoffen oder inzwischen durch die Reinigungsfirma ordentlich getrocknet, denn es waren keine Spuren einer Überschwemmung sicht- oder riechbar. [Dürfte man hier „ruchbar“ setzen? Klingt toll!]

Der Techniker trennte mit seinem Messgerät die „kommende“ Netzseite von der „abgehenden“ Hausseite (was die völlig korrekte Vorgerhensweise ist) und konnte wie vermutet keinerlei Signal messen. Dies ist der definitive Beweis, dass der Fehler netz- und nicht teilnehmerseitig vorliegt. Ein klarer Fall für die Jungs vom Bautrupp (die mit den grauen Zelten). Der Techniker verschwand im Freigelände auf der Suche nach Unterverteilern (welche man kaum findet, da die Verteilung der Kabel üblicherweise in sogenannten Muffen erfolgt, die im Boden vergraben werden) und ich erklärte die Misere inzwischen meiner Mutter. Etwa 20 Minuten später verabschiedete sich der Techniker, ohne den Fehler exakt lokalisiert zu haben, aber mit dem Versprechen, diesbezüglich den Bautrupp zu beauftragen.

Störung Anschluss Mutter Woche 2: Am Montagmorgen versuchte ich zum wiederholten Mal, den Service der Telekom davon zu überzeugen, die vorliegenden Störungen in der Wohnanlage unter einer einzigen gravierenden Störung zusammenzufassen. Der Mitarbeiter unter 0800 330 1000, der „noch nicht so lange dabei“ war [seufz], konnte mir diesbezüglich zwar auch nicht weiterhelfen, hatte aber immerhin einen Tipp für mich: „Probieren Sie es bei der Bauherren-Service-Hotline 0800 330 1903, die können Aktionen für mehrere Anschlüsse koordinieren“. Die Logik leuchtete ein, ich rief bei der mir mitgeteilten Hotline an. Und DIESER Anruf war ein echter Knüller!

Der offensichtlich junge Mann am anderen Ende der Leitung meldete sich vorschriftsmäßig mit seinem Namen, welchen ich ebenso vorschriftsmäßig nicht verstand. Rzyckczyskischowskzyczs oder so. Ich bat um eine Wiederholung, welche mir gewährt wurde. Ich verstand den Namen immer noch nicht. Korrekterweise hätte ich um Buchstabierung bitten sollen, aber mir war nicht danach. Ich schilderte nun also dem Mann meinen Fall (genauer: den meiner Mutter) und das damit einhergehende logistische Problem aufgrund der unterschiedlichen aber allesamt gestörten Anschlüsse. „Hm. Wissen Sie, ich bin noch neu in der Abteilung. Darf ich erfahrenere Kollegen dazu nehmen?“ Endlich, ein Novize an der Strippe! „Ich bitte darum!“ Er setzte mich für geraume Zeit in die Warteschleife. Als er sich wieder meldete, fragte ich, ob jetzt die Kollegen am Lautsprecher mithörten, was er bejahte. Ich grüßte höflich in die Runde, was allerdings nicht erwidert wurde. Erneut schilderte ich das Problem. 

„Hm. Also da kann ich nichts für Sie tun. Das müssten Sie mit der Service-Hotline klären. Die Nummer ist 0800 …“

„Ja, die ist mir bekannt. Die haben mich auf Sie verwiesen.“

„Ja, das tut mir leid, aber ich kann da nicht weiterhelfen.“

„Und die erfahrenen Kollegen auch nicht?“

„Nein, die auch nicht. Ich hätte noch eine Bitte in eigener Sache.“

Mir schwante Schlimmes. Mein Blutdruck stieg prompt in ungesunde Höhe.

„Bitte geben sie mir in der anschließenden Bewertung fünf Sterne. Das wäre für meine berufliche Laufbahn sehr wichtig.“

„Ernsthaft? Hören Sie, es ist nicht meine Art, jemanden eine reinzuwürgen, aber…“

Der Junge ging mir auf die Nerven, ich steigerte mich rein. Dem würde ich doch gerne eine reinwürgen.

„…wieso sollte ich Ihnen fünf Sterne geben? Sie haben weder mein Problem erfasst oder gar gelöst oder eine nützliche Telefonnummer mitgeteilt!“

Hoffentlich saßen die erfahrenen Kollegen noch am Lautsprecher. Wo sind wir hier? In Quality-Land?

„Sie waren nicht im Geringsten hilfreich und auch nicht besonders höflich. Und dann dafür noch um einen Fünf-Sterne-Bewertung zu betteln, halte ich für – gelinde gesagt – unverschämt. Denken Sie mal drüber nach!“

Ich legte auf. So kam Herr Rzyckczyskischowskzyczs oder so zumindest um seine erste miese Bewertung herum. Ich hoffe, seine erfahrenen Kollegen haben ihn dann noch über gutes und schlechtes Timing aufgeklärt.

In meiner Verzweiflung packte ich meinen allerletzten Trumpf aus. Ich rief meinen letzten noch in Telekom-Diensten stehenden Freund aus der Wendezeit an. Ich war tatsächlich etwas gerührt, weil er mich fünf Minuten nach meiner Whatsapp-Anfrage zurückrief und das ganze Problem wie in den 1990ern sofort erfasste und umgehend versuchte, es zu lösen. Aber auch er musste nach einiger Recherche und ein paar Telefonaten einsehen, dass heutzutage kein Mensch mehr die Blindheit eines Algorithmus korrigieren kann. Ich hatte das Dilemma ja bereits beschrieben. Mit Wehmut dachten wir an unsere Einsätze bei der Sparkasse Zwickau 1992 zurück, wo wir defekte Kabel eben eigenhändig durch Verlegen über die Dächer der Nachbarhäuser temporär überbrückt hatten.  

Am Mittwochmorgen gegen 8:30 klingelte mein Telefon. Ein frischer Techniker klärte mich auf, dass er nun den Fehler in der Wohnanlage eindeutig lokalisiert hätte, dass die einzelnen Störungen unter einer „gravierenden“ zusammengefasst seien und er den Bautrupp mit der Behebung beauftragt hätte. Genau das war mir bis dato als unmöglich beschrieben worden. Vielleicht hatte Andy doch einen Kollegen aus der Lethargie scheuchen können, wer weiß?

Am Donnerstagmorgen rief ich spaßeshalber die Rufnummer meiner Mutter an. Ups, ein Freizeichen! Allerdings ging sie nicht ran. Damit hatte ich gerechnet, denn ich hatte das Telefon in die Ladeschale im Hausflur gelegt. Ich wollte um die Mittagszeit ohnehin vorbeifahren, dann würde man ja sehen. Vor dem Haus waren zwei Bauarbeiter gerade damit beschäftigt, ein paar Quadratmeter des Gehwegs neu zu pflastern. Unmöglich, dass ein gemeldeter Kabelschaden so eine koordinierte Aktion ausgelöst hatte, welche auch noch zügig und offensichtlich fachkundig ausgeführt wurde. Doch, die Jungs vom Bau bestätigten meine diesbezügliche Anfrage. Sie hätten um 8 Uhr aufgegraben, dann hätten die Kollegen das Kabel repariert und nun (es war etwa 12:30) würden sie alles wieder ordentlich zupflastern. Ich ging zu meiner Mutter und deren Telefon, welches nun tatsächlich wieder einwandfrei funktionierte. Endlich!

Ob nun letztendlich ein Algorithmus oder ein beherzter Servicetechniker bzw. dessen Gruppenleiter ein Einsehen hatte und dann die richtigen Leute beauftragte, bleibt offen. Immerhin bekam meine Mutter einige sogenannte Montageberichte geschickt, auf denen mindestens eine Anfahrt verrechnet werden soll, bei der „der Kunde nicht vor Ort angetroffen“ wurde. Ist natürlich Bullshit, ich hatte ja bereits die Umstände der einzelnen Einsätze geschildert. Falls die Bürokraten von der Rechnungsstelle der Telekom sich mit der nächsten Rechnung dafür Geld einbehalten, geht die Sache in die nächste Runde!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Verschieben, verschieben!

Liebe Leser,

heute soll ein Lamento über das harte Los analoger Künstler veröffentlicht werden. Schon wieder. Aber auch KONSTRUKTIVE Vorschläge. Ja, die gibt es gratis.

Wir Künstler (macht Anführungszeichen hin oder alberne Witze darüber – mir doch egal!) wurden ja als Erste durch die Pandemie in der Ausübung unserer Tätigkeit getroffen und werden als Letzte von irgendwelchen Lockerungen profitieren. Eine wie auch immer realisierte Begrenzung von Personenzahlen bei allen vorstellbaren Veranstaltungen ist exakt das Gegenteil von dem, was sich ein Künstler für solcherlei wünscht.

Denn wenn zum Beispiel eine Gastronomie für eine beschränkte Anzahl von Besuchern öffnet, soll dann ein Livemusiker einfach in mehreren Schichten spielen? Hm … ehrlich gesagt dürfte das die einzige Möglichkeit sein, überhaupt in der nächsten Zeit etwas Livemusik unter die Bevölkerung zu streuen. Die ganzen Sofa- und Hobbykeller-Performances vieler Bands und Künstler hängen mir schon zum Hals heraus und wenn ich noch ein paar Videos mit Songs meiner Kollegen sehe, die mit dem Einzähler des im Hintergrund laufenden Playbacks starten, kippe ich den Kaffee in meinen Laptop…

Klammer auf: 

Für ein Konzert oder einen Workshop des legendären Tuck Andress (yep, der von Tuck & Patti) hätte ich früher einen Batzen Geld bezahlt. Nun, er sendet inzwischen seine Lessons und auch Konzerte mit seiner Frau regelmäßig vom Sofa aus und sammelt mit dem (virtuellen) Pappbecher Trinkgeld ein. Die zweite Live-Übertragung habe ich dann gelangweilt weggewischt, denn es gab Sting (yep, der von The Police) zwei Fenster weiter. Da kriege ich sofort Bock, dies als unbekannter Gitarren-Gnom aus dem hintersten Winkel von Süddeutschland ebenfalls zu tun. Wird bestimmt eine tolle Sache! Liebe Freunde, spart Euch diese sicherlich gut gemeinten Vorschläge.

Klammer zu.

Prinzipiell stehe ich hinter den Maßnahmen unserer Regierung und halte eine verfrühte Lockerung für falsch. Ich habe den schlauen Satz sinngemäß in Erinnerung:

Wenn nach der Krise alle sagen „Na, war doch gar nicht so schlimm“, dann haben wir als Regierung alles richtig gemacht.

Also, Zähne zusammenbeißen, Lagerkoller vermeiden und – zu Hause bleiben!

Ich bin übrigens angesichts der eher düsteren Prognosen für die kommende Zeit der Meinung, dass es für die komplette Live-Branche am schlausten wäre, das komplette Jahr 2020 ab März komplett auf 2021 zu verschieben, also tatsächlich jeden Termin ab Shutdown exakt auf das entsprechende Datum des nächsten Jahres. Natürlich will ein jeder so schnell wie möglich live vor echtem Publikum spielen, was ich natürlich niemand absprechen möchte, sobald dies eben bei maximal minimiertem (coole Kombination) Risiko möglich ist. Aber wer sich in der Szene auskennt, weiß, dass viele Veranstaltungsorte ihre heiß begehrten Buchungen teilweise über Jahre im voraus machen. Jahre! Das bedeutet, wenn 2020 wegen Corona ein solcher Job platzt, kann und wird er – normalerweise – nicht verschoben werden, er entfällt ersatzlos. Und die gesamte Akquise (unzählige Anschreiben, Anrufe, persönlich vorstellig werden, Nachfragen, Hegen & Pflegen etc.) ist dahin. Das kann dann schon einmal die Arbeit mehrerer Jahre zerstören und ist weit schlimmer als nur ein entgangener Job.

Am gerechtesten wäre es also, wenn die ganzen Veranstaltungskalender 2020 auf 2021 übertragen würden. Was in diesem Jahr noch stattfinden kann, fällt natürlich heraus. Natürlich ergibt dies allerhand Schwierigkeiten mit dem Kalender (Lage der Feiertage, Ferien etc.), aber was ist schon leicht in diesen Tagen?

Im Übrigen wurde der von mir und mindestens einer weiteren Million Menschen vorgetragene Vorschlag bezüglich der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens BG (siehe hier >>>) sowohl von der Politik und auch von Sachverständigen (auch in diesem Blog) mit „zu teuer“, „zu unkontrollierbar“ und vielen schlauen Argumenten abgelehnt. Und es ist exakt eingetreten, was alle Befürworter des BG befürchtet hatten: Wir haben einen Flickenteppich an Hilfemaßnahmen, die viele nicht erreichen („Rückfragen können aufgrund der vielen Anträge nicht bearbeitet werden“), die kriminelle Elemente hochprofessionell ausnutzen bzw. missbrauchen und die akribisch mit diversen lindernden Maßnahmen wie Stundungen, Zuschüssen oder Stützkrediten verzahnt werden sollen. Es bedarf einer Heerschar an Bediensteten, die dieses Stückwerk verwalten, kontrollieren und im Missbrauchsfall rückabwickeln müssen. Na immerhin haben diese jetzt auf unabsehbare Zeit Arbeit…

Die inzwischen aus offiziellen Kreisen bekannt gegebenen Zahlen zum Gesamtumfang der wirtschaftlichen Notfall- und Rettungsmaßnahmen entsprechen übrigens ziemlich genau denjenigen, die als Kosten eines BG für die Gesamtbevölkerung Deutschlands als „unbezahlbar“ tituliert wurden.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Mit der Gießkanne!

Liebe Leser,

normalerweise arbeite ich länger an einem Text, als ich es bei diesem getan habe. Aber in diesem Fall wäre er dann einfach etwas zu spät gekommen. Und das leitet elegant in mein heutiges Thema. Finanzielle Sofortmaßnahmen gegen die Corona-Krise

Klammer auf

Ich blogge nicht über politische Themen. War so abgemacht. Aber zum Einen haben wir mit einer medizinischen und in der Folge wirtschaftlichen Krise zu kämpfen und zum Anderen ist das Thema nicht politisch, sondern eher technisch… finde ich.

Klammer zu

Um die durch die Corona-Pandemie entstandenen wirtschaftlichen Schäden, welche durchaus existenzbedrohend sind, abzumildern, haben sich zügig die Bayerische Staats- und kurz darauf auch die Bundesregierung für auf den ersten Blick gewaltige finanzielle Hilfsmaßnahmen entschieden. Während es für Arbeiter und Angestellte schon unterschiedliche Mechanismen (mir fällt hier als Erstes das Kurzarbeitergeld ein) gibt, sehen Freiberufler (das ganze Künstlergesums) und kleine Selbstständige in solchen Fällen ziemlich alt aus. Wenn der Laden dicht gemacht wird (sagen wir zum Beispiel ein Friseursalon), dann tendiert die Liquidität zügig gegen Null. Livemusiker müllen inzwischen mit ihren Online-Performances das Web zu, verdienen aber sicher noch schlechter, als sie es ohnehin gewöhnlich tun. Und wer soll sich denn das alles gleichzeitig ansehen? Aber der Friseur kann die Haare nicht über das Web schneiden und nach zwei Wochen ist die seit langem nötige Inventur dann auch erledigt. Es muss also zügig Kohle reinkommen.

Nun preschte also unser Ministerpräsident Söder mit einer Soforthilfe vor. Maximal 5000 € für einen Einzel-Selbstständigen oder Inhaber eines kleinen Unternehmens mit bis zu fünf Mitarbeitern sollte es geben. Schnell und unbürokratisch. Klingt ok, aber wenn ich alleine die abgesagten Jobs im April zusammen rechne, ist das kein unverhoffter Geldregen, sondern eine etwas extrapolierte Entschädigung.

Inzwischen ist auf der Website der Bayerischen Staatsregierung allerhand an Text hinzugekommen – ich könnte schwören, dass das letzte Woche dort noch nicht stand – so z.B. dass vor der Soforthilfe persönliche Mittel aufzubrauchen sind und dass es wegen der (unerwartet?) hohen Nachfrage keine Empfangsbestätigungen gibt. Von Rückfragen ist abzusehen.

Nun haben sich so arme Schlucker wie Adidas dazu hinreißen lassen, Mieten für ihre wegen der Pandemie geschlossenen Stores auszusetzen. Man ist offenbar nach öffentlichem Druck inzwischen wieder etwas zurückgerudert, aber das Signal ist fatal. Denn nach einem Ausbleiben der Miete können die Darlehen, welche zum Erwerb der Immobilie aufgenommen wurden, nicht mehr bedient werden. Und meine HypoVereinsbank wird eine traurige Geschichte vom säumigen Mieter nicht interessieren, die wollen ihre monatliche Rate. Nein, ich vermiete keinen Laden an Adidas, aber das Prinzip ist klar, oder? Einfach Zahlungen einstellen scheint daher keine praktikable Lösung zu sein.

Sobald sich einzelne Gruppen von Menschen (oder auch einzelne Unternehmen) als besonders hilfs- bzw. geldbedürftig erachten, wird eine unbürokratische und schnelle finanzielle Unterstützung torpediert, auch wenn die jeweiligen Gründe durchaus legitim sein mögen. Nur der Prozess zur Prüfung und Bescheidung ist dann derart aufwändig, dass er für eine schnelle Maßnahme nicht mehr taugt. Ihr könnt am deutschen Steuerrecht, welches wohl das komplizierteste der Welt ist, weil es versucht, es wirklich JEDEM recht zu machen, sehen, wohin es führt, wenn man einen solchen Anspruch hat.

Ich bin deshalb ausnahmsweise ein Verfechter des Gießkannenprinzips. Wir müssen ja nicht, wie es in den USA geplant war, einfach Schecks mit dem Hubschrauber abwerfen (das mit dem Hubschrauber habe ich erfunden!), aber das sogenannte bedingungslose Grundeinkommen für JEDEN auf sechs Monate wäre meines Erachtens der einfachste und schnellste Weg, die wirtschaftlichen und sozialen Schäden durch die Corona-Krise abzumildern. Über den Daumen kostet das irgendwas zwischen 2 und 3 Billionen (europäische, keine amerikanischen, also die Zahl mit den 12 Nullen) Euro, was zumindest in der Nähe der ganzen unendlich komplizierten geplanten Rettungsschirme liegt. Und wir sparen Abermillionen, weil wir nicht unsere Verwaltung und die Gerichte mit Tausenden von überforderten Sachbearbeitern aufblähen müssen, die dann wiederum unendlich lange über jeden einzelnen Fall entscheiden müssen.

Ich lasse mich sonst selten zur Unterschrift in Petitionen hinreißen, aber diese habe ich bei change.org unterstützt, neben über 400.000 anderen: 

http://chng.it/Zbg9bzZ49n

Ok, der Link sieht bescheuert aus, aber er funktioniert. Sicher, wir brauchen gesunde Menschen. Aber wir brauchen auch welche, die Mieten zahlen, Sachen konsumieren, also Geld ausgeben können. Und das dann vielleicht auch mal wieder für Jazz…

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Die Stunde der Nerds

Liebe Leser,

wir haben aus aktuellem Anlass hier in Bayern eine Ausgangsbeschränkung sowie ein (diesmal bundesweites) Kontaktverbot. Nun trifft mich dies als umherziehenden Musiker natürlich bitter und die entgangenen Gagen werde ich auch in einem hoffentlich nicht-epidemischen Herbst oder Winter sicherlich nicht mehr herein holen. Dennoch, im Gegensatz zu diversen Freunden und Nachbarn, die bereits nach einer Woche den ersten Lagerkoller bekommen haben, stört mich die verordnete physische Kontaktsperre nicht allzu sehr. Schon seit etwa 15 Jahren befinde ich mich im Home-Office, seit 2008 als Freiberufler.

Klammer auf:

Kleine Anekdote aus meiner Angestelltenzeit: Als ich eines Tages in meine Erlanger Niederlassung unseres Unternehmens kam, wo meine Abteilung nur einen Schreibtisch für mich stehen hatte, war selbiger nicht mehr da. Irgendjemand hatte ihn für irgendwen oder -was benötigt, mein Abteilungsleiter saß weit weg in Frankfurt am Main und interessierte sich nicht zu sehr für die Belange seiner Außenstelle in der fränkischen Provinz. Man erwartete seitens der anwesenden Sach- und sonstigen Bearbeiter nun offensichtlich einen Eklat oder sonstiges, doch ich tat meinen Kollegen (die mich genauso wenig mochten, wie ich sie) den Gefallen nicht. Ich packte meine Docking-Station und ein paar Kabel ein, verließ das Bürogebäude – und kam nie wieder. Ich glaube, meinem Frankfurter Chef habe ich erst einige Wochen auf seine beharrliche Nachfrage hin die Geschichte erzählt und ihn vor die vollendete Tatsache gestellt, dass ich von nun an dauerhaft im Homeoffice tätig sein würde. So kam ich zu meinem Arbeitsplatz zuhause.

Klammer zu.

Ich übe also schon seit vielen Jahren den eingeschränkten physischen Umgang mit meinen Kunden. Viele Dinge lassen sich heutzutage papier- und auch kontaktlos erledigen. Wenn ich nicht auf irgendwelchen Bühnen Gitarre spiele, sitze ich also zumeist auf meinem betagten Bürostuhl und haue entweder in die Saiten oder in die Tasten (der Computertastatur). Eine im herkömmlichen Büroumfeld willkommene Ablenkung in Form eines Kaffees oder gar Plauschs mit einem Kollegen ist dabei eher bei der Gedankenarbeit hinderlich. 

Wenn man dann in Zeiten einer umfassenden Ausgangssperre die ersten Stimmen laut werden “Ich muss mal raus!” oder “Mir fällt die Decke auf den Kopf” dann schlägt – ein einziges Mal – die Stunde der Nerds (und hierzu zähle ich uns Jazzmusiker auch). Wir verziehen und in unsere Kammer und machen das, was wir immer tun: Unser Ding!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Roaring Twenties

Liebe Leser,

oh Mann, wirklich lange nichts mehr voneinander gelesen. Ich wünsche Euch allen ein frohes und gesundes Jahr 2020!

Mit den Vorsätzen zum Jahresende beziehungsweise zum Beginn eines neuen ist das so eine Sache. Aufmerksame Leser können sicherlich meine Gedanken zum Jahresende 2018 zitieren (echt jetzt?), in denen ich versprach, 2019 weniger spielen (live, Gitarre), aber mehr schreiben (Bücher, Blog) zu wollen. Nun, das habe ich nicht ganz hingebracht. Ich habe nachgezählt: Auch 2019 stand ich mehr als 50 Mal vor Publikum auf der Bühne, genau 53 Mal.

Neben den Auftritten im Ensemble (als Gitarrist bei der klassischen Gala-Band TOP-Trio und als Bassist im Jazztett Autumn Left) und den vielen Solo-Jobs an der Gitarre durfte ich auch 2019 mit hervorragenden Musikern im Duo spielen, als da wären Joe Bawelino (Gitarre), Katja Heinrich (Saxophon), Johannes Schmidt (Trompete), Peter Pelzner (Gitarre), Ray Räbel (Gitarre/Gesang), Armin Rech (Gitarre), Reinhold Stubenrauch (Gitarre/Gesang) sowie nicht zuletzt Kathrin Brunner (Gesang). Wie jedes Jahr bitte ich diejenigen um Verzeihung, die hier nicht namentlich aufgeführt sind. War keine Absicht, echt! 

An Schriftlichem ist außer ein paar Blogbeiträgen nichts Nennenswertes zu verzeichnen. Das liegt aber nur bedingt an der oben erwähnten musikalischen Beschäftigung, auch nicht an meinen sonstigen Tätigkeiten zum Broterwerb, ebenso nicht an einer eventuellen Schreibblockade, sondern einfach daran, dass ein zumindest in Maßen erfolgreiches Verlegen einer Publikation bisweilen anstrengender ist als das Verfassen derselben.

Kriegen wir (ME, ich und der bereits bekannte Münchner Verlag) das mit der Verlegerei gebacken, dann werden wir 2020 den Markt mit Medien aller Art nur so fluten. Und dann wird dieser Blog endlich das erzielen, weswegen er ins Leben gerufen wurde: Einen Sack voll Geld! Und ich hätte gerne ein Einhorn…

Liebe Leser, alles Beste für das Jahr 2020, Gesundheit, Glück, Erfolg und all das. Kommt gelegentlich hier im Blog vorbei, hinterlasst einen Kommentar oder ein Like und bleibt mir gewogen. Ob die Twenties des 21. Jahrhunderts auch wieder “Roaring” werden, kann ich Euch erst in 10 Jahren mitteilen.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Die Hölle – echt jetzt!

Liebe Leser,

vor einiger Zeit hatte ich ein Zitat von Hans Hoff abgedruckt, der den ZDF-Fernsehgarten als Hölle (oder gar Schlimmeres) beschreibt. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Ich darf das hier durchaus feststellen, denn ich war dort. Die Hölle, liebe Leser (und das Maskulinum ist mit Absicht gewählt), liegt bei Ingolstadt und nennt sich “Ingolstadt Village”.

Eigentlich war ich mit der besten aller Ehefrauen auf dem Rückweg von einem kleinen Mini-Urlaub aus Österreich, doch besagter Ort lag zufällig an der A9 und damit auf unserem Nachhauseweg. Höhe Ingolstadt:

“Fahr doch mal die nächste raus!”

“Wieso? Wir sind doch fast zuhause und gemäß dem allwissenden Google-Maps ist da auch im Moment kein Stau auf der A9. Noch nicht!”

“Da ist es wirklich schön. Das wird dir gefallen! Fahr hier raus.”

Nun dachte ich, ich würde im fortgeschrittenen Alter die Frauen und insbesondere die beste aller Ehefrauen kennen, aber ich hatte mich schon wieder getäuscht. Ich tat wie mir geheißen und landete… umgehend in der Hölle! Für Männer. 

“Ingolstadt Village” ist ein Sammelsurium sogenannter Outlets namhafter Hersteller von Edel-Klamotten und Mode-Zeugs in einer Disneyland nachempfundenen Umgebung. Wahrscheinlich habe ich den Begrüßungs-Goofy am Eingang nur übersehen. Nach einer Stärkung im überteuerten Coffee-Fellows, wo einem übellaunige, aber schick gekleidete junge Menschen einen trendigen Kümmel-Knoblauch-Nuss-Frappuccino aus diversen Aromatanks frisch zusammenschäumen, geht es in die Mainstreet. “Wir kaufen jetzt eine Jacke für dich! Die da [anklagender Blick auf meine edle Multifaser-Jacke] geht gar nicht mehr!”

Hätte ich mich doch mit den Hunden, welche, da das Gelände hundefrei zu sein hat, in Käfigen vor dem Einkaufsparadies auf ihre Herr- und Frauchen warten müssen, einsperren lassen! Ich konnte den Jackenkauf durch lautes Wehklagen, peinliches Winseln und Festkrallen an einem Eisengitter abwenden und folgte danach der besten aller Ehefrauen beim Hindernisparcours durch die schicken Läden, die allesamt durch penetrante “Sale”-Beschilderung auf ihre ach so günstigen Angebote hinwiesen.

Während die beste aller Ehefrauen die schicken Boutiquen eine nach der anderen auf der Suche nach… äh… keine Ahnung… abklapperte, vertrieb ich mir die Zeit in Gesellschaft meiner Geschlechts- und Leidensgenossen vor der Tür, wobei ich versuchte besonders grimmig durch die Gegend zu schauen, um den zumeist älteren und auswärtigen Ehemännern meine Abneigung gegen den unfreiwilligen Aufenthalt an diesem Ort zu demonstrieren. Das war den westfälischen Frohnaturen jedoch ziemlich egal, da sie zumindest in Gesellschaft von Landsleuten ihren shoppenden Damen hinterherwackeln konnten.

Am Ende der Shoppingmeile erhaschte ich einen Blick auf den angrenzenden Parkplatz. Vom rettenden Fahrzeug war ich nur noch knappe hundert Meter entfernt. Doch die beste aller Ehefrauen zerstörte den Hoffnungsschimmer durch ein bestimmtes “Nein. Jetzt geht es auf der anderen Seite zurück!” – Auf der anderen Seite zurück? Mehrere Hundert Meter entlang an Boutiquen, die mit Outlets soviel zu tun haben wie ein Gourmet-Restaurant mit Mathilde’s Schaschlikbunker?

Die Rettung kam in Gestalt eines Aigner-Ladens mit echten super-duper Rabatten, der die beste aller Ehefrauen magisch anzog. Insbesondere eine schwarze Ledertasche, die um 50 Prozent reduziert angeboten wurde, fand bei ihr Gefallen. Ich zögerte nicht. Das war mein Ticket in die Freiheit! Der einfache Deal war: Tasche für die Ehefrau = umgehende Weiterreise. Wer könnte da nein sagen?

Verblüffenderweise konnten einige meiner alten Schulkameraden, welche ich zufälligerweise am Abend traf, meine Leidensgeschichte erzählen, ohne sie vorher gehört zu haben – die Hölle bei Ingolstadt ist anscheinend bei unseren Herzensdamen nicht unbekannt. Mit der Aigner-Tasche als Ticket aus der Hölle lag ich offensichtlich im Vergleich mit meinen Kumpels im Mittelfeld. Und die Aversion der Ehemänner gegenüber dem Shopping-Disneyland an der A9 ist Legende!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Bedeutendes zum Abschied

Liebe Leser,

nein, ich lasse das Schreiben nicht. Noch nicht. So ist der Titel wiederum nur ein lausiger Clickbait, um Euch ein paar Zeilen lang bei der Stange zu halten. Lustig ist das Thema allerdings nicht. Deshalb erscheint dieser Beitrag auch an einem Dienstag, welcher traditionell ein eher trauriger Tag ist – im Gegensatz zum heiteren Montag. Bevor Ihr nun anfangt, diese Behauptung im allwissenden Netz nachzuprüfen – das habe ich mir soeben aus den Fingern gesaugt…

Es ist ziemlich genau drei Jahre her, dass ich mit einer Aortendissektion danieder lag. In der wirklich traumatischen Zeit auf der Intensivstation, welche ich damals sogar in einem Blogbeitrag zu verarbeiten suchte, war ich mir zum ersten Mal in meinem 50jährigen Dasein auf diesem Planeten nicht sicher, ob das Leben überhaupt weitergehen wird. Und wie wahrscheinlich viele andere auch hatte ich mir vorher durchaus meine Gedanken gemacht, was man so spricht oder tut, wenn es zu Ende geht. So genau regelt man das dann ja doch nicht, aber irgendwas Bedeutendes, soviel war mir schon immer klar. 

In der Realität war es natürlich ganz anders, nämlich erschreckend banal. Ich denke, das ganze Brimborium auf Intensiv- und Pflegestationen dient hauptsächlich der Ablenkung vom aktuellen Gesundheitszustand des jeweiligen Patienten. Nein, das ist natürlich Quatsch, ohne die High-Tech-Untersuchung und -versorgung wäre ich nicht mehr hier. Aber über anderes redet man ja nicht. Entweder schildert der Patient viel zu detailliert seine Behandlung und würgt durch die Informationsfülle jedes tiefergehende Gespräch ab, oder der Besucher tut dies durch den in mannigfaltiger Form variierten Hinweis, dass “es ja schon wieder werden würde” und man “das” ja ein andermal besprechen könnte. 

Was dann natürlich nie getan wird. Ich habe also in der ganzen Zeit nichts Bedeutendes mit meiner Familie oder meinen Freunden besprochen. Nichts war geregelt, nichts geklärt.

[Klammer: Eine nicht zu selten gezeigte Filmszene zeigt das Dahinscheiden des Helden, der zu seiner Angebeteten die letzten Worte sprechen möchte, was sie aber durch eine zärtliches “Psst – sprich jetzt nicht!” abwürgt. Tolle Idee, denn 10 Sekunden später ist unser Held tot und und nimmt sein finales Geständnis mit ins Grab! Ende. Abspann. Klammer zu.]

Ich hatte Glück und fähige Ärzte, ich durfte das Krankenhaus wieder (einigermaßen) aufrecht verlassen. Einige Freunde und Bekannte hatten auch dieses Glück und genasen, um auch einmal dieses seltene Präteritum anzubringen. Andere nicht. Sie sind – sozusagen mit Ansage – tatsächlich gestorben. Des öfteren saß ich in den letzten Jahren am Krankenbett solcher Menschen und wir unterhielten uns. Doch im all diesen stets tragischen Fällen ging es kein einziges Mal um wirklich Bedeutendes, um irgendeine Form von Rekapitulation des Lebens, um Aufarbeitung oder Klärung. Was habe ich erreicht? Was hätte ich gerne noch getan? Mit wem hätte ich mich noch aussöhnen sollen? Etc. pp.

Ich selbst habe ja in den kritischen Tagen des Herbst 2016 erstaunlich wenig Tiefsinniges von mir gegeben. Offensichtlich sorgt der letzte Funke Hoffnung, der uns auch in aussichtslosen Situationen zumeist nicht wahnsinnig werden lässt, zwar dafür, dass wir nicht komplett an der aktuellen Lage verzweifeln und uns so etwas vom Elend ablenkt, hat aber als Nebenwirkung, dass wir Klärendes oder Finales dann gerne noch etwas verschieben.

So mag es wohl geheimnis- oder auch gehaltvolle letzte Worte geben (“Rosebud”) – ich jedoch bekam zumeist nur die aktuellsten Blutwerte mitgeteilt. Habe dies dann aber, als ich mich selbst in ähnlicher Situation befand, auch nicht anders gemacht…

Aber das ist eine andere Geschichte und wurde ja soeben erzählt.

Euer

Gige 

Techtalk – Grafiksoftware

Liebe Leser,

heute mal ein (wirklich umfangreicher) Beitrag zum Thema Grafiksoftware. Seltsam, dass mir das jetzt gerade einfällt… muss daran liegen, dass ich täglich mit dem Zeug arbeiten muss. Das ist jetzt ein wirklich langer Text geworden, aber weniger wäre so… unvollständig. Es gibt Leute, die sammeln Briefmarken, Oldtimer, Gitarren, weiß der Deibel. Ich habe schon immer einen Hang zur Grafiksoftware. Überraschenderweise ein nicht zu seltener Fetisch.

Seit über 25 Jahren bearbeite ich Fotos und erstelle Illustrationen am PC. Nach den ersten Gehversuchen mit Maus und dem windows-eigenen Malprogramm Paint landete ich 1993 bei CorelDraw, damals in der Version 3. Seither hat sich allerhand getan.

Um auch nur den geringsten Überblick zu behalten, muss man die Aufgaben bzw. Anforderungen trennen, die einem im weitesten Umkreis von “Irgendwas mit Medien” begegnen. Bei mir sind dies (im Groben)

  • Erstellung von Medien aller Art (Bücher, Drucksachen, Videos, letztere äußerst selten), in digitaler Form, aber auch als Print, also Desktop-Publishing (DTP)
  • Illustrationen, Zeichnungen, Comics
  • Fotobearbeitung
  • Websites, Beiträge für Soziale Medien  

Auf meinen Rechnern steht zur Bewältigung dieser Aufgaben immerhin folgende (jeweils selbstverständlich rechtmäßig erworbene) Software zur Verfügung:

  • Adobe Creative Cloud
  • Corel Suite X6 (Vollversion) und X8 (Studentenversion)
  • Xara Designer Pro X / Xara Online
  • Gravit Designer
  • Affinity Publisher

Das ist ein Haufen Zeugs, wobei die Software von Adobe mit monatlich 60 € für das Abo sicherlich das teuerste Paket ist. Aber langsam…

Im Grafikbereich gibt es die prinzipielle Unterscheidung zwischen Pixel- und Vektorgrafiken.

Vektorgrafiken sind Bilder, die nicht durch einzelne Bildpunkte (Pixel) definiert sind, sondern durch die präzise (verborgene) Beschreibung der einzelnen Vektorelemente. Sie werden auch beim Betrachten “live” vom jeweiligen Wiedergabegerät generiert und sind daher beliebig skalierbar, ohne dabei an Qualität zu verlieren.

Beispiel: Eine 1-Punkt starke schwarze Linie zwischen den Punkten (0,0) und (0,100) auf einer Achse besteht bei einem Pixelbild aus 100 schwarzen Punktelementen, bei einem Vektorbild aus der Information “Linie zwischen (0,0) und (0,100), 1 Punkt stark, schwarz). Bei langen Linien oder gar Flächen bildet dies eine erhebliche Einsparung an Datenmenge mit dem Vorteil der verlustfreien Skalierbarkeit.

Die oben genannten Suiten bieten einzelne Programme für die Bearbeitung dieser unterschiedlichen Grafiken an, wobei die Grenzen hierbei stets fließend sind.

In der Adobe-Suite verwendet man zur Bearbeitung von Pixelbildern (zum Beispiel Fotos) den berühmten Photoshop, für Vektorgrafiken Illustrator und zur Erstellung komplexer mehrseitiger Publikationen Indesign. Im monatlichen Abo ist daneben auch noch mannigfaltige andere Software enthalten (Animate, Premiere, AfterEffects, Dreamweaver und und und…).

Die entsprechenden Programme in der Corel-Suite sind CorelDraw für Vektorgrafiken und zum DTP (früher gab es Corel Ventura als Layoutprogramm, welches aber inzwischen nicht mehr vertrieben wird) und PhotoPaint für Pixelbilder.

Ich beschrieb die Grenzen zwischen den Programmen als fließend. Das bedeutet, dass man selbstverständlich zum Beispiel einen Flyer, welcher Fotos, Text und grafische Elemente enthält, sowohl mit Photoshop oder Illustrator komplett fertigstellen kann (bzw. mit CorelDraw oder PhotoPaint). Ich persönlich bevorzuge allerdings die einzelne Herstellung mit der jeweils für mich am besten geeigneten Software und anschließend die Montage in Indesign (oder eben einer anderen Montage- bzw. Layout-Software).

Um einen Vergleich anzustellen, muss ich die einzelnen Softwaren kurz beschreiben:

Adobe-Photoshop

Die Mutter aller Pixelbild- bzw. Foto-Programme. Der Funktionsumfang ist geradezu angsteinflößend – übrigens auch die Größe der erzeugten PSD-Dateien. Ich beherrsche vielleicht fünf Prozent aller angebotenen Funktionen und bin von relativ einfachen Freistell-Aufgaben immer wieder überfordert. Wahrscheinlich gibt es nichts, was man nicht mit Photoshop im grafischen Bereich realisieren kann. Und was derart mächtig ist, kann nicht schlecht sein, oder?
Photoshop ist im CC-Abo mit 60 €/Monat enthalten

Adobe-Illustrator

Da ich vor Illustrator mit CorelDraw und auch Xara bereits eine erkleckliche Anzahl an Vektor-Grafiken und auch Layouts angefertigt habe, fremdle ich noch immer mit der Benutzeroberfläche und teilweise den Werkzeugen. Inzwischen nach etwa zwei Jahren permanenter Anwendung weiß ich allerdings auch die Stärken des Illustrator zu schätzen. Die Werkzeuge sind sehr präzise, das Ausrichten von Objekten (sofern man das Prinzip einmal verstanden hat) funktioniert hervorragend und die Bibliotheken zum Austausch von immer wieder verwendeten Objekten mit z. B. Indesign sind Gold wert.
Illustrator ist im CC-Abo mit 60 €/Monat enthalten

Adobe-InDesign

Im Gegensatz zu noch zu beschreibenden Programmen ist InDesign eine reine Layout-Software für DTP, welche nur rudimentäre Funktionen zur Erzeugung von grafischen Elementen zur Verfügung stellt. Außer dem Text werden alle zu integrierenden Elemente einer Publikation nur mit dem aktuellen Dokument verknüpft und belegen daher keinen Extra-Speicherplatz, was sich wohltuend auf Dateigrößen und Arbeitsgeschwindigkeit auswirkt. Die Zusammenfassung einzelner Dokumente zu Büchern leistet ein Übriges. 600 Seiten Text mit 2000 Fußnoten? Kein Problem für Indesign.
InDesign ist im CC-Abo mit 60 €/Monat enthalten

Corel-PhotoPaint (X6)

Arbeitet Photoshop bei der Montage und Anordnung einzelner Pixelbilder mit übereinander gelegten Folien, so sind es in PhotoPaint jeweils schwebende Objekte. Ist man mit dieser Logik sozusagen aufgewachsen, fällt die Umstellung auf das System der Folien (Adobe) schwer. Die Werkzeuge der beiden Photo-Softwaren sind durchaus vergleichbar, der Leistungsumfang von PhotoPaint ist nicht zu unterschätzen.
PhotoPaint ist Teil der Corel Graphics Suite, die in der 2019er Vollversion 594 €, als Upgrade 294 € einmalig und im Abo 19,95 €/Monat kostet.

CorelDraw (X6)

Neben der Anfertigung von Vektor-Illustrationen hat CorelDraw auch mannigfaltige Funktionen für Grafik- und Mengentext, automatisierte Seitennummerierung und seit einigen Jahren auch Tabellen (welche für die Hersteller von Layoutsoftware anscheinend nicht zu trivial sind).
CorelDraw ist Teil der Corel Graphics Suite, die in der 2019er Vollversion 594 €, als Upgrade 294 € einmalig und im Abo 19,95 €/Monat kostet.

Xara Designer Pro X / Xara Online

Ich verwende Xara bereits seit vielen Jahren (schon als Xara als CorelXara noch zur Corel Corporation gehörte und danach als XaraXtreme4 usw.). Seit die deutsche Softwareschmiede Magix Xara übernommen hat, sind die Produkte mit kurzer Zeitverzögerung auch mit deutscher Benutzeroberfläche erhältlich. Xara Designer gehört definitiv zu den “eierlegenden Wollmilchsäuen” unter all den vorgestellten Softwaren. Xara gestattet in beeindruckender Performance die Erstellung komplexer Vektor-Illustrationen, rudimentäre Bildbearbeitung inklusive Freistellen von Bildinhalten und sehr komfortable Tools zur Gestaltung einfacher (überwiegend grafischer) Websites. DTP mit Stilvorlagen und Funktionen für mehrseitige Dokumente gibts auch. Statt für Designer neue Features zu entwickeln, versucht Magix/Xara inzwischen seine Browser-Anwendung Xara Cloud in den Markt zu drücken, meines Erachtens mit nur mäßigem Erfolg. Das Ding kann einfach zu wenig.
Xara Designer Pro X kostet 159 €, der Update Service nochmals etwa 100 €/Jahr, Xara Cloud in einer tauglichen Version ab 5,95 €/Monat.

Gravit Designer

Eine interessante Software der Firma Gravit, inzwischen von der Corel Corporation gekauft. Der Designer realisiert eine Illustrationssoftware mit rudimentären Fotobearbeitungs- und Layout- bzw. DTP-Funktionen komplett im Browser, also plattformunabhängig. Ich habe es getestet, das Ding läuft auch auf meinen Chromebooks. Das ist cool! Gravit Designer war eine freie Software, wurde allerdings vor etwa einem Jahr der Produktpalette der Firma Corel einverleibt. Die Werkzeuge und die Benutzeroberfläche lassen sich am ehesten mit denen von Adobe Illustrator vergleichen. Als kürzlich die neue Graphics Suite von Corel vorgestellt wurde, war eines der Marketing-Argumente eine neue App, die plattformunabhängig und eben im Browser arbeiten sollte. Ich sah mir einige Screenshots an und entdeckte – wer hätte es gedacht – den Gravit Designer. Man hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Oberfläche in irgendeiner Form an die Corel-Produkte anzupassen, es ist 1:1 der mir bekannte Designer.
Das Jahresabo der Pro-Version kostet um die 40 €/Jahr.

Affinity Publisher

Das Lamento über die Kosten des Adobe-Abos ist allgegenwärtig. So schaut man sich natürlich etwas auf dem Markt um. Nun ist von Serif (Europe) Ltd. eine durchaus interessante Suite aus dem Bereich Bildbearbeitung, Illustration und DTP erschienen. Da in Sachen Funktionsumfang gegen Adobe kein Blumentopf zu gewinnen ist, versucht es Serif über die Integration der einzelnen Softwaren und… natürlich über den Preis. Die drei Affinity-Programme Photo, Designer und Publisher finden (sofern man sie alle erworben hat) unter einer Benutzeroberfläche Platz, so dass man vom Publisher aus nicht erst eine weitere Software starten um zum Beispiel ein Foto zu retuschieren oder eine Grafik zu modifizieren. Beim Anklicken des jeweiligen Objekts passen sich die Elemente der Oberfläche der jeweiligen Aufgabe automatisch an. Das ist schick. Doch ich ließ Vorsicht walten und kaufte vorerst nur das Modul Publisher, den ich gegen InDesign ins Rennen schicken wollte.
Jedes einzelne Modul der Affinity-Programme kostet einmalig 54,99 €, ohne irgendwelche nachgeschalteten Abo- oder Upgrade-Kosten. Das ist mal eine Ansage!

Auch nach vielen Jahren am PC bereitet mir das Auschecken einer neuen Grafiksoftware oder ein Major-Update einer vorhandenen immer noch so viel Vergnügen wie vor 25 Jahren. Es interessiert mich einfach, welche Probleme auf welche Weise gelöst wurden oder welche Gimmicks sich die Entwickler einfallen ließen. Nun ist es zumeist so, dass man dann mit einfachen grafischen Symbolen herumspielt oder ein paar Worte Text über die Arbeitsfläche schiebt. Aber bei derlei “Prüfung” wird man eine professionelle Software kaum testen können.

Glücklicherweise habe ich immer einige anspruchsvolle Projekte zur Hand, und wenn schon keine lukrativen externen, so zumindest eigene. Um eine DTP-Software zu testen, versuche ich ein Buch zu setzen, für das ich die Texte bereits geschrieben habe. Der Umfang beträgt etwa 250 Seiten A5, etwa 50 Abbildungen, ein paar Fußnoten, Inhaltsverzeichnis, Seitennummerierung und all den üblichen Kram eben. Allein wegen des Inhaltsverzeichnisses und wegen des doch nicht unerheblichen Umfangs scheiden die “eierlegenden Wollmilchsäue” Xara, CorelDraw und Gravit Designer aus. Es bleiben InDesign und Affinity Publisher übrig. Mit InDesign habe ich eine solche Aufgabe bereits erfolgreich bewältigt. Also möge nun der Publisher zeigen, ob er’s drauf hat. Um es kurz zu machen: Hat er nicht! Viele Funktionen für Fließ- und Spaltentext sind natürlich vorhanden, aber der Teufel steckt im Detail. 

  • Die Zusammenfassung des kompletten Werkes in einem (1) Dokument bläht selbiges heftig auf, auch wenn eine Unterteilung in einzelne Kapitel möglich ist. Das Konzept des “Buches” bei Adobe ist für große Publikationen besser geeignet.
  • Es gibt (noch) keine Fußnoten. Für wissenschaftliche Abhandlungen ein Killer.
  • Das System des Inhaltsverzeichnisses ist bei InDesign zwar komplexer, aber viel leistungsfähiger
  • Die Seitennummerierung auf der Seitenübersicht zeigt die tatsächliche Seitennummer an, nicht die der gedruckten, welche ja abweichen kann. Eine Kleinigkeit, nervt aber beim permanenten Navigieren im Dokument
  • Und allerhand kleine Nickligkeiten, welche eine flüssige Arbeit erschweren

In Summe ist festzustellen, dass Publisher wahrscheinlich auf dem rechten Weg ist, insbesondere über den nahezu unschlagbaren Preis Adobe einige Kunden abzuluchsen. Für kleinere Projekte durchaus eine Alternative zu InDesign, insgesamt aber derzeit nur ein zweiter Platz.

Um das Ganze etwas abzukürzen, beschreibe ich nun, für welche Aufgabe ich welche der genannten Softwaren einsetze, und warum diese und nicht eine andere:

DTP: Große Projekte bearbeite ich wie beschrieben in Adobe InDesign, kleinere (Flyer, Broschüren etc.) je nach Lust und Laune mal mit Xara (wegen der Performance und der flinken Werkzeuge), mal mit Gravit Designer, weil dieser auf jedem Rechner mit Internetzugang und Browser verfügbar ist, ohne dass die Software lokal installiert ist.

Illustrationen, Zeichnungen, Comics: Illustrationen und Vektorgrafik-Comics fertige ich mit Xara an, da dieses die bequemsten Werkzeuge zur Konstruktion und Knotenbearbeitung bietet. Bevor die PDF zur Druckerei gehen, bearbeite ich sie in Illustrator. Die Pixelgrafik-Comics bearbeite ich nach dem Scan in Corel-Photopaint, da diese Software für (nicht zu gebräuchliche) Schwarz-Weiß-Pixelbilder sehr effektive Werkzeuge besitzt.

Fotobearbeitung: Aus Tradition verwende ich PhotoPaint (weil ich die Tools und Filter seit vielen Jahren kenne), manchmal PhotoShop (weil man das ja irgendwann doch lernen muss). Freistellen und kleine Bildkorrekturen gelingen aber auch recht zügig und unkompliziert in Xara. Um es nicht zu unterschlagen: Viele User setzen auf die kostenlose Software GIMP, die einen Leistungsumfang hat, der sich angeblich mit dem allmächtigen Photoshop messen kann. Ich habe mal unter Linux ein bisschen mit GIMP herumgespielt, war aber dann zu faul, mich in eine weitere Pixel-Software einzuarbeiten.

Websites, Beiträge für Soziale Medien: Uh, das ist tricky! Also nicht die Bildchen für Banner oder Facebook-Beiträge etc. Das erledige ich wiederum je nach Laune mit Xara, Gravit Designer oder auch Adobe XD (worauf ich noch kommen werde). Aber die Websites… Seit über 20 Jahren erstelle ich Websites im Kundenauftrag, wobei dieses Feld schon etwa seit 10 Jahren den Agenturen überlassen werden muss, da die Technik und der Leistungsumfang der Internetseiten so komplex geworden ist, dass man das als Autodidakt nebenbei nicht stemmen kann. Große Internetseiten und -portale haben ein Content-Management-System (z. B. Typo3 oder WordPress) samt einigen SQL-Datenbanken im Hintergrund, welches sich nicht so einfach einrichten und betreiben lässt. Natürlich hat Adobe mit Dreamweaver auch eine Software im Angebot, mit der sich auch große Internetseiten erstellen lassen, aber meine Kenntnisse beschränken sich auf inzwischen hoffnungslos veraltete Versionen (Macromedia Dreamweaver 4) und ich habe keine Lust, dieses Faß im fortgeschrittenen Alter zu öffnen. Die Adobe-Lösung Muse, welche in einem weitgehenden WYSIWYG-Modus die Erstellung von Websites ohne Programmierkenntnisse ermöglichte, wurde inzwischen beerdigt. Schade. Adobe hat zeitgleich die Software XD veröffentlicht (auch Teil der Creative Cloud), die zum Design von Benutzeroberflächen von Webseiten und Apps dient, mit einigen interaktiven Funktionselementen zur Erstellung sogenannter Prototypen. Im Designer-Gebrabbel spricht man von einem Tool für UX-Design, was für User-Experience-Design steht und tolle Erlebnisse für den Nutzer verspricht. Ach herrje! Bis dato ist mir aber noch kein sinnvoller Einsatz für XD eingefallen, den ich nicht auch mit Illustrator oder Xara erledigen könnte. 

Folglich nehme ich inzwischen keine Projekte mehr an, die über die Erstellung einer Art von “Web-Visitenkarte” hinausgehen. Und auch hierfür gibt es zwei unterschiedliche Realisierungsansätze:

Man kann sich eines Baukastens bedienen (Google Sites, Strato-Homepage-Baukasten etc.), was einem viele Probleme abnimmt, insbesondere die Sache mit dem Responsive-Design, also des dynamisch angepassten Erscheinungsbildes zum Beispiel einer Internetseite, je nach gerade vorbeisurfendem Endgerät (PC, Tablet oder Smartphone). Google Sites sind besonders leicht zu bedienen und sind kostenlos. Dafür gibt es jede Menge Einschränkungen beim Layout, welche man zumindest in der freien Version nicht umgehen kann.

Die Alternative ist eine selbstgebaute Internetseite. Und hier ist Xara Designer Pro X tatsächlich kaum zu schlagen. Was immer man auf dem Bildschirm zusammenbatzt, wird nahezu 1:1 auf der schnell exportierten Webseite angezeigt. Es stehen jede Menge Tools zur Realisierung schicker Websites zur Verfügung. Das Responsiv-Design wird über die teilautomatisierte Generierung sogenannter Varianten umgesetzt. Da Xara ja im Eigentlichen eine Vektorgrafik-Software ist, können alle grafischen Elemente sofort erzeugt und dann im selben (natürlich auch in einem anderen) Dokument eingesetzt werden. Auf einen Direktzugriff auf den im Hintergrund generierten HTML- bzw. CSS-Code hat man bei Xara verzichtet. Gibt es also tatsächlich einmal Probleme mit der Darstellung einer erzeugten Seite, muss dies in der Arbeitsoberfläche von Xara gelöst werden. Aber das passiert gottseidank nicht zu häufig.

Ich hoffe, ich konnte Euch in diesem Beitrag einen Überblick und ein paar Einsichten in die Softwaren verschaffen, mit denen ich den Löwenanteil meiner Büroarbeit verbringe. Und wenn Euch gefällt, was Ihr von mir oder natürlich auch von anderen im Netz oder gedruckt findet, denkt daran: 

Manchmal macht’s die Software, zumeist aber der Typ, der sie bedient!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

ZDF-Fernsehgarten

Liebe Leser,

heute geht es in die Niederungen der Unterhaltungssendungen der Öffentlich-Rechtlichen. Dabei gucke ich sowas seit der letzten Folge “Dalli Dalli” mit Hans Rosenthal im Jahr 1986 nicht mehr. 

Ja, die Sendung “ZDF-Fernsehgarten” ist grauenvoll. Ich schwöre hiermit feierlich, noch niemals eine Sendung gesehen zu haben, auch nicht in der Mediathek. Mehr als einen etwa 15 Sekunden langen Clip halte ich tatsächlich nicht aus, wobei ich mich nicht entscheiden kann, ob das am an der Schwachsinnsgrenze befindlichen Publikum, an der aufgekratzten Moderatorin Andrea “Kiwi” Kiewel oder an den Darbietungen der einzelnen Künstler (ich spare mir die Anführungszeichen, aber nur knapp) liegt, die wahrscheinlich auf Amphetaminen ihr Playback-Ding abspulen. Schrecklich, schrecklich, schrecklich, furchtbar, furchtbar, furchtbar!

Ein schönes Zitat von Hans Hoff [aus Wikipedia]:

Die Hölle stellt man sich gemeinhin als höchst unwirtlichen Ort vor. Es ist heiß, und die Besatzung erinnert ein bisschen an das Personal, mit dem es Brad Pitt kürzlich in „World War Z“ zu tun hatte. Betreut wird es von einer Wuchtbrumme, der bei ihrer Herstellung in einem volkseigenen Betrieb sehr offensichtlich zwei Motoren statt einem eingesetzt wurden. Wer sich je fragte, für wen die Stones ihre Songzeile „If you start me up I’ll never stop“ verfasst haben, der schaue sich nur einmal diese „Super Illu“-Version eines Perpetuum Mobile an. Es heißt Andrea Kiewel. Freunde nennen es kurz Kiwi, und da es praktisch nur Freunde hat, fällt der richtige Name kurzerhand unter den Tisch.

Kluge Leser haben die eingangs angeführte Situation natürlich längst dechiffriert. Es handelt sich nicht um die Hölle. Es ist schlimmer. Es ist der ZDF-Fernsehgarten. […]

Der ZDF-Fernsehgarten hat unter Kiwi im Schnitt zwei Millionen Zuschauer, was in der heutigen Zeit eine echte Hausnummer ist. Der in Wikipedia gefundene Marktanteil von bis zu 22 Prozent ist unspezifiziert keiner Zielgruppe zugeordnet und mag von daher vernachlässigt werden, klingt aber zugegebenermaßen bedeutend.

Nun ist in der Sendung am 18. August 2019 der Comedian (für mich immer der ultra-brutale gleichnamige Super-Held der Comics “Watchmen” von Alan Moore – seit der meines Erachtens durchaus gelungenen Snyder-Verfilmung ist der Begriff für mich verbrannt…) Luke Mockridge aufgetreten und hat einen derart unverschämten und lausigen Auftritt hingelegt, dass selbiger nach etwa drei Minuten während der Live-Übertragung von Kiwi abgebrochen wurde. Auch hier habe ich bei der Recherche, also dem Betrachten der Aufzeichnung, nur etwa 15 Sekunden durchgehalten und musste dann wegen Fremdschämens abbrechen.

Da mir sowohl der Fernsehgarten wie auch dieser Mockridge sowas von am A… vorbei geht, könnte man es dabei belassen. Wobei mir die (noch immer suspekte) Google-News-App regelmäßig heiße News über Kiwis Outfit der aktuellen Fernsehgarten-Folge präsentiert. Warum auch immer. Ich klicke niemals drauf und habe inzwischen offensichtlich meine Spuren etwas verschleiert und bin von daher seit einigen Wochen von solcherlei Nachrichten verschont geblieben.

Dennoch – als Live-Musiker auf der ständigen Suche nach lukrativen Jobs ärgert mich das Verhalten des “Kollegen” Mockridge. Hier gerne die Anführungszeichen. Es wird kolportiert, dass er die Probe am Vormittag schwänzte und bei der Übertragung ein sogenanntes Social-Media-Team dabei hatte, woraus man mit ziemlicher Sicherheit schließen kann, dass das “Entern” der Sendung zum Zwecke der Selbstvermarktung in der eigenen Show (läuft ab -vergessen- bei -auch vergessen-) geplant war. Solcherlei ist aus mehreren Gründen (ok, es sind nur zwei) abzulehnen.

Zum Einen lockt es nach inzwischen über 70 Jahren bundesdeutschem Fernsehen wirklich keinen mehr hinter dem Ofen hervor, wenn eine Live-Übertragung der ÖR “gekapert” wird. Und Rentner-Bashing ist so sexy wie Katholiken-Tretzen in einer Kirche oder Behinderte verarschen.

Zum Anderen ist es auch unfair den Kollegen gegenüber, denn schließlich bekam durch die Einladung des Herrn Mockridge ein anderer “Künstler” eben nicht den Zuschlag und damit keine Gage. Und wir wissen ja, dass ein Künstler dem anderen nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnt, zumal die meisten dieser minderbegabten Playback-Hanseln sich genauso durchwursteln, wie es auch wir Jazzer tun. Was genau wollte Mockridge eigentlich beweisen? Dass man auch für Publikumsbeschimpfung Gage vom ZDF erhält? Dass er sich traut, einem offensichtlich debilen Publikum dessen Debilität vorzuführen? Was auch immer, es war eine erbärmliche Aktion und in keinem Kontext witzig.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich in diesem Blog einmal das Wort für die Spastelruther Katzen (ups – auf den sind vor mir wohl schon einige gekommen…) oder irgendeinen Ballermann-Sänger, geschweige denn für die aufgekratzte Kiwi ergreifen muss. Aber derart dröge Aktionen wie die geschilderte des kleinen Luke gehe mir doch gehörig auf den Senkel. Wie sagte es Kiwi doch so treffend: Shame on you, Luke Mockridge.

Aber da ich meine Google-News inzwischen einigermaßen trainiert habe und ohnehin nur noch irgendwelche abgefahrenen Serien streame wird dies mein erster und einziger Bericht aus der ZDF-Fernsehgarten-Hölle bleiben. Versprochen! Macht Euch lieber auf eine baldige Rezension über “The Boys” gefasst – echt cooler Stoff!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Little Fat Kid

Liebe Leser,

geplant war für diesen (oder letzten) Dienstag ein Beitrag über “schnelle Gitarren”. Das muss warten. Denn schließlich wurde am 1. Juni im Schwergewicht Boxgeschichte geschrieben. Diese markigen Worte habe ich persönlich bis dato nur einmal eingesetzt, nämlich anhand des Ausgangs des “Rumble in the Jungle”, als der alternde Muhammad Ali in Kinshasa den amtierenden Weltmeister George Foreman in dessen “Prime” KO schlug. Seriöse Journalisten und Sporthistoriker mögen den Sieg von Max Schmeling über Joe Louis 1936, Alis Titelgewinn gegen Sonny Liston 1964, die erste Niederlage Mike Tysons gegen James „Buster“ Douglas 1990 und vielleicht noch einige andere Ereignisse so titulieren, aber das war es dann auch. Wie gesagt, ich betrachte nur das Schwergewicht.

Doch den Ausgang des Kampfes vom 1. Juni 2019 zwischen Anthony Joshua und dem US-Amerikaner mexikanischer Herkunft Andy Ruiz Jr. hatte ich nicht erwartet. Nun habe ich mich mit dem Rücktritt der beiden Klitschkos ja inzwischen endgültig vom Schwergewichtsboxen entfernt, aber den austrainierten Modellathleten Joshua hatte ich ob seiner makellosen Bilanz und seiner Dominanz in seiner Gewichtsklasse durchaus auf dem Schirm. Er hatte bis zum 1. Juni immerhin 22-0 bei 21 KO-Siegen und einige gute Namen in seinem Rekord wie Matt Skelton (47), Konstantin Airich (36), Michael Sprott (41), Kevin Johnson (36), Eric Molina (34), Wladimir Klitschko (41) und Alexander Powetkin (39), wobei die Angabe des Alters der Kontrahenten zum Zeitpunkt des Aufeinandertreffens belegen mag, dass die meisten dieser Boxer doch schon längst ihren Zenit überschritten hatten.

Seitdem nahezu jede Übertragung eines Boxkampfes von internationaler Bedeutung bei einem Pay-Per-View-Anbieter gelandet ist, ist es kaum noch möglich, in Ruhe ganze Kämpfe einzelner Boxer anzusehen, so dass ich mir als ohnehin unsportliche Couchpotatoe kein Urteil über die boxerischen Fähigkeiten eines Anthony Joshua bilden möchte. Seine athletische Erscheinung und seine harten Schläge sind jedoch auch in diversen Best-Of-Zusammenfassungen gut erkennbar.

Dass Andy Ruiz Jr. nur ein spät berufener Ersatzmann für den wegen Dopings gesperrten eigentlichen Gegner des Weltmeisters war, hatte ich wohl mitbekommen, aber da der Kampf wie schon festgestellt nur auf einer Pay-Per-View-Plattform übertragen wurde, interessierte mich das Ganze kaum. Ein (wenn auch guter) Journeyman würde den Rekord des Meisters verbessern, so what. Einen Rocky Balboa gibt’s eben doch nur im Film. Oder?

Nachdem das “Little Fat Kid” (man beachte seine “Rettungsringe” um den Bauch) Ruiz in der dritten Runde standesgemäß vom Weltmeister mit einem kurzen linken Haken auf die Bretter geschickt wurde und nur kurz nach dem Anzählen erneut eine krachende Rechte einstecken musste, konnte man die Sache als gelaufen ansehen. Doch Ruiz fiel nicht ein weiteres Mal und platzierte stattdessen ganze 15 Sekunden später einen Schwinger an die Schläfe des Weltmeisters, welcher nun seinerseits zu Boden ging. Dieses Kunststück gelang ihm kurz vor Rundenende erneut, wobei Joshua gerade so wieder rechtzeitig auf die Beine kam und damit in die Rundenpause.

In Runde 7 war dann der Weltmeister durch den permanenten Druck (und auch einige feine Körpertreffer) zermürbt und Ruiz schlug ihn zweimal durch – natürlich – Schwinger an die Schläfe zu Boden, wobei Joshua nach dem vierten Niederschlag keine Lust mehr hatte und Andy Ruiz Jr. durch Technischen KO die Weltmeistergürtel gewann. Ein großes Herz, ordentliche Nehmerqualitäten und überraschend schnelle Fäuste des Herausforderers setzten sich gegen einen Weltmeister mit überragender Physis und schon fast arrogantem Selbstvertrauen durch – wer hätte das gedacht?

Ob Joshua seinen Modellathleten-Körper nur durch hartes Training und spezielle Ernährung geschaffen hat, mag ich nicht beschwören. Bei Ruiz mit seiner Snickers-Diät bin ich mir aber dessen ziemlich sicher… auch aus eigener Erfahrung!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige