Zauberei

Liebe Leser,

ich habe schon seit längerem keinen Beitrag mehr hier im Blog geschrieben. Sorry, aber es war wirklich viel zu tun, insbesondere zu spielen. Was nach der langen Corona-Pause (von der uns ja im Herbst vielleicht eine neue bevorsteht) auch wieder nötig war. Ich machte also, zumeist mit meinem genialen Duopartner Joe Bawelino, die Bühnen Süddeutschlands unsicher. Dies stets vor mindestens wohlwollendem, meistens begeistertem Publikum. Das war natürlich Balsam für die geschundene Musikerseele. 

Nicht zu selten stellt man mir die Frage, wie lange man denn (zusammen) spielen müsse, um auf das Level der aktuellen Darbietung zu kommen oder eben, woher es kommt, dass man so schön (gemeint ist „gut“) spielt. Am schönsten wäre es, wenn man sagen dürfte: Durch Zauberei! Allerdings kommt man heutzutage damit nicht weit. Die Leute sind gut informiert und glauben halt nicht mehr an sowas. Aber – die Wahrheit ist viel langweiliger. Ich spiele zwar mit Joe erst seit knapp vier Jahren zusammen, aber wir kommen zusammen auf annähernd 120 Jahre gitarristischer Erfahrung. Da muss man dann nicht noch wochenlang proben, um traditionellen Jazz ordentlich zu Gehör zu bringen.

Um einen Standard vom Sheet bis zur Aufführungsreife zu bringen (ob dann solo oder im Duett ist egal), muss ich ihn an die 100 Mal spielen, wahrscheinlich eher 200 Male. Da steckt also nur wenig Talent drin, dafür umso mehr Arbeit.

Ebenso ist meine oft gelobte schnelle Auffassungsgabe eher ein Beweis für diszipliniertes Zuhören (wird stets gewaltig unterschätzt) und eine gut trainierte Mustererkennung, als für irgendeine besondere Begabung. Es ist verständlich, dass Menschen, die keine Zeit oder auch keine Lust hätten, sich derart fanatisch in ein Instrument „zu beißen“, wie ich und die anderen Spinner es taten und noch tun, lieber an ein Jazz- oder Gitarren-Gen glauben mögen, als an ein vorhersehbares Ergebnis harter Arbeit. Klar, ohne ein bestimmtes Maß an Musikalität geht es nicht, aber dieser Anteil ist geringer, als gemeinhin vermutet wird.

Schon der legendäre Charlie Parker antwortete auf die Frage, wie es denn käme, dass er so genial spiele, mit dem denkwürdigen Satz: „Das muss daran liegen, dass ich seit vielen Jahren tagtäglich mindestens acht Stunden in dieses Horn blase.“ Ah, Zauberei!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige

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