Liebe Leser,

ein echtes Highlight in meinem musikalischen Jahr ist die „Sommer Session Oberhaid“, welche seit über 20 Jahren im Juli im beschaulichen oberfränkischen Oberhaid stattfindet. Anfangs als kleine Session am Waldrand gestartet, entwickelte sich die Session unter der Leitung des Unternehmers und Musikers Gerhard Förtsch schnell zu einem überregionalen Ereignis, welches in den letzten Jahren jedes Mal 1500 – 2000 Besucher anzog.

Das musikalische Zentrum bildet hierbei die Truppe aus Musikern alter und aktueller Bands rund um den Sänger, Gitarristen, Mundharmonikaspieler, Schlagzeuger und Mundtrompetenspieler Gerhard Förtsch und den Sänger und (hervorragenden) Gitarristen Philipp Arnold. Die Session-Band ist mit fünf Musikern (Gitarre, Gitarre, Keyboard, Bass, Schlagzeug) komplett besetzt und liefert das Rahmenprogramm zur Session, welche in normalen Jahren schon mal gute sechs Stunden dauert, wobei hier jede Menge Gäste solo, mit dem eigenen Ensemble oder eben zusammen mit der Session-Band auftreten.

Ich hatte in den vergangenen Jahren schon mehrmals in Oberhaid gespielt (der einzige Jazzer auf weiter Flur) und mich über die Einladung zur Session 2020 riesig gefreut. Nun ist ja dank Corona seit März alles anders. Es erschien mir im Mai völlig aussichtslos, dass eine Veranstaltung dieser Größe in Corona-Zeiten durchgeführt werden könnte. Und mit maximal 100 Personen (oder vielleicht 200) über einen Sportplatz verteilt hätte es wohl keinen Sinn.

Doch Gerhard Förtsch ist nicht umsonst der erfolgreiche Gründer und jahrzehntelanger Geschäftsführer eines erfolgreichen Kommunikationstechnik-Unternehmens. Er beschloss, aus der Not eine Tugend beziehungsweise aus dem Live-Event einen Live-Stream zu machen. Es musste die Anzahl der auftretenden Musiker reduziert und für die gesamte Vorbereitung sowie den Abend selbst ein Hygienekonzept erstellt und auch kommuniziert werden. Das ganze sollte ohne Live-Zuschauer quasi im Garten von Gerhard stattfinden, welcher nicht leicht zugänglich im Oberfränkischen liegt. Am Freitag, also am Tag vor der Session, machte ich mich erstmals auf den Weg zum Aufbau und Soundcheck.

Das hatte ich mir definitiv… kleiner vorgestellt! Obwohl die Anzahl der Musiker in diesem Jahr auf ein gutes Dutzend beschränkt war, waren auf dem Gelände zwei „Bühnen“ eingerichtet (Abteile im großen und wunderschönen Garten), welche von einer Horde engagierter und fachkundiger Techniker und Helfer mit allem verkabelt wurden, was das Herz des Musiker begehrt. Naja, eben Strom und Zugang zum Mix per DI-Boxen oder Line-Out-Verteiler.

Stefan, der erfahrene Livesound-Mixer aus vielen Vorjahren, nahm dieses Jahr im Regieraum Platz, wo er zum Bild-Stream den (hervorragenden) Live-Sound mischte. Neben Hulk an der Bildregie und Thomas als Regieassistenz hatten diese drei dafür zu sorgen, dass das Material von 5 Kameras und unzähligen Mikrofonen unversehrt in den Stream gespeist wurde. Und wie man in Youtube 

https://www.youtube.com/watch?v=LzivMn3E1UQ&t=12315s

nachprüfen kann, ist es ihnen hervorragend gelungen. Es war eine immerhin 3,5 stündige Live-Sendung!

Zwischen den Sets der Sessionband (Gerhard Förtsch (git, voc), Philipp Arnold (git, voc), Robert Wild (b), Marc Dotterweich (keyb), Jürgen Stahl (dr)) gab es Auftritte einzelner Künstler solo, im reduzierten Ensemble oder mit der Sessionband zusammen. Es spielten bzw. sangen Wolfgang Rosenbusch, Eva Arnold, Simon Arnold, Jürgen Scharfenberg, Sophie Dirkea, Adam MacThomas, Nomi & Mac sowie meine Wenigkeit.

Wir Musiker hatten es wirklich gut! Bereits beim Soundcheck/Warm Up am Freitag war für das leibliche Wohl bestens gesorgt und am Samstag gab es sogar für die doch überschaubare Zahl an Musikern und ihren Angehörigen eine eigene Cocktail-Bar, die von dem lokalen Barkeeper Tobias Sack professionell bedient wurde. Ab etwa 17 Uhr stand ein reichhaltig bestücktes Buffet auf der Terrasse, das keine Wünsche offen ließ. Und gespielt haben wir auch – alles von ABBA bis ZZ Top, Folk, Rock, Blues, Schlager und Jazz. Eine Riesen-Sause mit durchgehend guter Musik!

Wie die Auswertungen ergaben, haben sich mehrere Tausend Menschen den Stream auf Youtube und Facebook angesehen. Es gab mehr als eine Garten- oder Grillparty, auf der die Session gesehen oder zumindest gehört wurde. Gerhard Förtsch führte witzig, locker und stets charmant durch den Abend, wobei er Moderation, Organisation und auch seine musikalischen Beiträge virtuos im wahrsten Sinne des Wortes „über die Bühne“ brachte. Eine gewaltige Leistung!

So war die Sommer Session Oberhaid 2020 auch in finsteren Corona-Zeiten ein echtes Highlight. Auch wenn wir natürlich alle hoffen, im nächsten Jahr wieder vor leibhaftigem Publikum spielen zu können, war die diesjährige Session ein echter Knüller. Zappt mal rein, vielleicht springt der Funke auch von der Konserve über. Wie immer war mein Jazz-Beitrag (präziser: Bossa-Nova-Beitrag) etwas deplatziert, kam aber gut an. Und die eine oder andere CD wechselte den Besitzer, was mich sehr freute. Besprechung der neuen CD folgt!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

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