Verschieben, verschieben!

Liebe Leser,

heute soll ein Lamento über das harte Los analoger Künstler veröffentlicht werden. Schon wieder. Aber auch KONSTRUKTIVE Vorschläge. Ja, die gibt es gratis.

Wir Künstler (macht Anführungszeichen hin oder alberne Witze darüber – mir doch egal!) wurden ja als Erste durch die Pandemie in der Ausübung unserer Tätigkeit getroffen und werden als Letzte von irgendwelchen Lockerungen profitieren. Eine wie auch immer realisierte Begrenzung von Personenzahlen bei allen vorstellbaren Veranstaltungen ist exakt das Gegenteil von dem, was sich ein Künstler für solcherlei wünscht.

Denn wenn zum Beispiel eine Gastronomie für eine beschränkte Anzahl von Besuchern öffnet, soll dann ein Livemusiker einfach in mehreren Schichten spielen? Hm … ehrlich gesagt dürfte das die einzige Möglichkeit sein, überhaupt in der nächsten Zeit etwas Livemusik unter die Bevölkerung zu streuen. Die ganzen Sofa- und Hobbykeller-Performances vieler Bands und Künstler hängen mir schon zum Hals heraus und wenn ich noch ein paar Videos mit Songs meiner Kollegen sehe, die mit dem Einzähler des im Hintergrund laufenden Playbacks starten, kippe ich den Kaffee in meinen Laptop…

Klammer auf: 

Für ein Konzert oder einen Workshop des legendären Tuck Andress (yep, der von Tuck & Patti) hätte ich früher einen Batzen Geld bezahlt. Nun, er sendet inzwischen seine Lessons und auch Konzerte mit seiner Frau regelmäßig vom Sofa aus und sammelt mit dem (virtuellen) Pappbecher Trinkgeld ein. Die zweite Live-Übertragung habe ich dann gelangweilt weggewischt, denn es gab Sting (yep, der von The Police) zwei Fenster weiter. Da kriege ich sofort Bock, dies als unbekannter Gitarren-Gnom aus dem hintersten Winkel von Süddeutschland ebenfalls zu tun. Wird bestimmt eine tolle Sache! Liebe Freunde, spart Euch diese sicherlich gut gemeinten Vorschläge.

Klammer zu.

Prinzipiell stehe ich hinter den Maßnahmen unserer Regierung und halte eine verfrühte Lockerung für falsch. Ich habe den schlauen Satz sinngemäß in Erinnerung:

Wenn nach der Krise alle sagen „Na, war doch gar nicht so schlimm“, dann haben wir als Regierung alles richtig gemacht.

Also, Zähne zusammenbeißen, Lagerkoller vermeiden und – zu Hause bleiben!

Ich bin übrigens angesichts der eher düsteren Prognosen für die kommende Zeit der Meinung, dass es für die komplette Live-Branche am schlausten wäre, das komplette Jahr 2020 ab März komplett auf 2021 zu verschieben, also tatsächlich jeden Termin ab Shutdown exakt auf das entsprechende Datum des nächsten Jahres. Natürlich will ein jeder so schnell wie möglich live vor echtem Publikum spielen, was ich natürlich niemand absprechen möchte, sobald dies eben bei maximal minimiertem (coole Kombination) Risiko möglich ist. Aber wer sich in der Szene auskennt, weiß, dass viele Veranstaltungsorte ihre heiß begehrten Buchungen teilweise über Jahre im voraus machen. Jahre! Das bedeutet, wenn 2020 wegen Corona ein solcher Job platzt, kann und wird er – normalerweise – nicht verschoben werden, er entfällt ersatzlos. Und die gesamte Akquise (unzählige Anschreiben, Anrufe, persönlich vorstellig werden, Nachfragen, Hegen & Pflegen etc.) ist dahin. Das kann dann schon einmal die Arbeit mehrerer Jahre zerstören und ist weit schlimmer als nur ein entgangener Job.

Am gerechtesten wäre es also, wenn die ganzen Veranstaltungskalender 2020 auf 2021 übertragen würden. Was in diesem Jahr noch stattfinden kann, fällt natürlich heraus. Natürlich ergibt dies allerhand Schwierigkeiten mit dem Kalender (Lage der Feiertage, Ferien etc.), aber was ist schon leicht in diesen Tagen?

Im Übrigen wurde der von mir und mindestens einer weiteren Million Menschen vorgetragene Vorschlag bezüglich der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens BG (siehe hier >>>) sowohl von der Politik und auch von Sachverständigen (auch in diesem Blog) mit „zu teuer“, „zu unkontrollierbar“ und vielen schlauen Argumenten abgelehnt. Und es ist exakt eingetreten, was alle Befürworter des BG befürchtet hatten: Wir haben einen Flickenteppich an Hilfemaßnahmen, die viele nicht erreichen („Rückfragen können aufgrund der vielen Anträge nicht bearbeitet werden“), die kriminelle Elemente hochprofessionell ausnutzen bzw. missbrauchen und die akribisch mit diversen lindernden Maßnahmen wie Stundungen, Zuschüssen oder Stützkrediten verzahnt werden sollen. Es bedarf einer Heerschar an Bediensteten, die dieses Stückwerk verwalten, kontrollieren und im Missbrauchsfall rückabwickeln müssen. Na immerhin haben diese jetzt auf unabsehbare Zeit Arbeit…

Die inzwischen aus offiziellen Kreisen bekannt gegebenen Zahlen zum Gesamtumfang der wirtschaftlichen Notfall- und Rettungsmaßnahmen entsprechen übrigens ziemlich genau denjenigen, die als Kosten eines BG für die Gesamtbevölkerung Deutschlands als „unbezahlbar“ tituliert wurden.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Ein Kommentar zu „Verschieben, verschieben!

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