Schlechtes Timing

Liebe Leser,

so, getan. Mist! Ich habe den erst seit ein paar Monaten geplanten und auch angekündigten CD-Release meines neuen Werkes “dreipunktnull” abgesagt. Ich hatte die CD (über die demnächst an dieser Stelle berichtet wird) fertig, einen schönen Veranstaltungsort, alle verfügbaren Familienmitglieder für diverse Aufgaben wie Catering oder CD-Verkauf in den Startlöchern stehen, eine brillante Mitmusikerin (für etwas Abwechslung zum Gitarrenklang) und eine erkleckliche Anzahl an Besuchern oder Zuhörern, die ihr Erscheinen angekündigt hatten. Das war schön! Fünf Jahre nach dem letzten CD-Release mal wieder eine Veranstaltung mit Gästen, die nicht ein paar kühle Biere zum Schweinebraten bei angenehmer Beschallung genießen wollten, sondern tatsächlich meine Musik hören. Und die vielleicht sogar noch die eine oder andere CD erworben hätten.

Doch die Zeichen standen schlecht. Der Coronavirus hatte mit der unübersehbaren Drohung einer Pandemie schon seit einigen Wochen Zeit sämtliche Livemusik-Planungen getrübt, aber ich dachte halt wie so oft “wird schon vorbei gehen”. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. 

Nun, es kam anders. Nach sukzessiven Absagen zuerst großer, dann mittlerer Veranstaltungen und der heutigen Rede der Kanzlerin mit der Bitte, doch die Zahl der sozialen (physischen) Kontakte in der nächsten Zeit drastisch einzuschränken, war es an der Zeit, eine Veranstaltung abzusagen, die sicherlich unter den beschriebenen Bedingungen nur sehr eingeschränkt hätte genossen werden können. Ich glaube, das war jetzt Futur 2 oder so. Naja, Ihr versteht, was ich meine.

Bin ich beim Gitarrenspiel mit meinem Timing im Großen und Ganzen zufrieden, so ist es bezüglich meiner gesamten “Karriere” in letzter Zeit eher mangelhaft. Ich habe viele Jahrzehnte geübt, um mit den Musikern zu spielen, mit denen ich das seit nicht allzu langer Zeit tun darf. Aber entweder fangen diese sich dann langwierige orthopädische Beeinträchtigungen ein, die überlange Spielpausen erzwingen, oder eine Pandemie lässt in der Primetime die Veranstaltungen ausfallen.

Bis Ostern hatte ich sieben gute Gigs oder Jobs im Kalender. Fünf wurden bis dato abgesagt, die verbleibenden zwei werden es sicherlich. Wie Rainder Glas seinen von mir so geliebten Jazzworkshop in Erlangen durchführen will, ist derzeit auch ein Mirakel. Und für unsereins gibt es kein Kurzarbeitergeld oder sonstige Unterstützung. Ist eben so. Hätten wir mal was Vernünftiges gelernt.

In der “Zeit” durfte ich wieder die Geringschätzung Vieler für die Sorgen der Kulturschaffenden in solchen Zeiten kennen lernen. Man könne ja die ganzen Veranstaltungen in den Herbst schieben, da entstünden kaum Verluste. Das ist natürlich Bullshit, denn der Herbst 2020 ist seit über einem Jahr nahezu durchgehend ausgebucht. Wer soll denn da was schieben? Es kommen magere Zeiten für den Live-Jazz!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Ein Kommentar zu „Schlechtes Timing

  1. das tut mir leid zu hören – die CD ist übrigens sehr gelungen, falls ich das noch nicht erwähnt habe – tolle Technik und Groove sowieso, aber auch ein sehr ansprechender und abwechslungsreicher Sound und eine spannende Auswahl der Stücke!

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