Die Hölle – echt jetzt!

Liebe Leser,

vor einiger Zeit hatte ich ein Zitat von Hans Hoff abgedruckt, der den ZDF-Fernsehgarten als Hölle (oder gar Schlimmeres) beschreibt. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Ich darf das hier durchaus feststellen, denn ich war dort. Die Hölle, liebe Leser (und das Maskulinum ist mit Absicht gewählt), liegt bei Ingolstadt und nennt sich “Ingolstadt Village”.

Eigentlich war ich mit der besten aller Ehefrauen auf dem Rückweg von einem kleinen Mini-Urlaub aus Österreich, doch besagter Ort lag zufällig an der A9 und damit auf unserem Nachhauseweg. Höhe Ingolstadt:

“Fahr doch mal die nächste raus!”

“Wieso? Wir sind doch fast zuhause und gemäß dem allwissenden Google-Maps ist da auch im Moment kein Stau auf der A9. Noch nicht!”

“Da ist es wirklich schön. Das wird dir gefallen! Fahr hier raus.”

Nun dachte ich, ich würde im fortgeschrittenen Alter die Frauen und insbesondere die beste aller Ehefrauen kennen, aber ich hatte mich schon wieder getäuscht. Ich tat wie mir geheißen und landete… umgehend in der Hölle! Für Männer. 

“Ingolstadt Village” ist ein Sammelsurium sogenannter Outlets namhafter Hersteller von Edel-Klamotten und Mode-Zeugs in einer Disneyland nachempfundenen Umgebung. Wahrscheinlich habe ich den Begrüßungs-Goofy am Eingang nur übersehen. Nach einer Stärkung im überteuerten Coffee-Fellows, wo einem übellaunige, aber schick gekleidete junge Menschen einen trendigen Kümmel-Knoblauch-Nuss-Frappuccino aus diversen Aromatanks frisch zusammenschäumen, geht es in die Mainstreet. “Wir kaufen jetzt eine Jacke für dich! Die da [anklagender Blick auf meine edle Multifaser-Jacke] geht gar nicht mehr!”

Hätte ich mich doch mit den Hunden, welche, da das Gelände hundefrei zu sein hat, in Käfigen vor dem Einkaufsparadies auf ihre Herr- und Frauchen warten müssen, einsperren lassen! Ich konnte den Jackenkauf durch lautes Wehklagen, peinliches Winseln und Festkrallen an einem Eisengitter abwenden und folgte danach der besten aller Ehefrauen beim Hindernisparcours durch die schicken Läden, die allesamt durch penetrante “Sale”-Beschilderung auf ihre ach so günstigen Angebote hinwiesen.

Während die beste aller Ehefrauen die schicken Boutiquen eine nach der anderen auf der Suche nach… äh… keine Ahnung… abklapperte, vertrieb ich mir die Zeit in Gesellschaft meiner Geschlechts- und Leidensgenossen vor der Tür, wobei ich versuchte besonders grimmig durch die Gegend zu schauen, um den zumeist älteren und auswärtigen Ehemännern meine Abneigung gegen den unfreiwilligen Aufenthalt an diesem Ort zu demonstrieren. Das war den westfälischen Frohnaturen jedoch ziemlich egal, da sie zumindest in Gesellschaft von Landsleuten ihren shoppenden Damen hinterherwackeln konnten.

Am Ende der Shoppingmeile erhaschte ich einen Blick auf den angrenzenden Parkplatz. Vom rettenden Fahrzeug war ich nur noch knappe hundert Meter entfernt. Doch die beste aller Ehefrauen zerstörte den Hoffnungsschimmer durch ein bestimmtes “Nein. Jetzt geht es auf der anderen Seite zurück!” – Auf der anderen Seite zurück? Mehrere Hundert Meter entlang an Boutiquen, die mit Outlets soviel zu tun haben wie ein Gourmet-Restaurant mit Mathilde’s Schaschlikbunker?

Die Rettung kam in Gestalt eines Aigner-Ladens mit echten super-duper Rabatten, der die beste aller Ehefrauen magisch anzog. Insbesondere eine schwarze Ledertasche, die um 50 Prozent reduziert angeboten wurde, fand bei ihr Gefallen. Ich zögerte nicht. Das war mein Ticket in die Freiheit! Der einfache Deal war: Tasche für die Ehefrau = umgehende Weiterreise. Wer könnte da nein sagen?

Verblüffenderweise konnten einige meiner alten Schulkameraden, welche ich zufälligerweise am Abend traf, meine Leidensgeschichte erzählen, ohne sie vorher gehört zu haben – die Hölle bei Ingolstadt ist anscheinend bei unseren Herzensdamen nicht unbekannt. Mit der Aigner-Tasche als Ticket aus der Hölle lag ich offensichtlich im Vergleich mit meinen Kumpels im Mittelfeld. Und die Aversion der Ehemänner gegenüber dem Shopping-Disneyland an der A9 ist Legende!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

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