Auf dem Nachttisch – The Expanse

Liebe Leser,

wieder einmal lenkt mich eine TV-Serie vom Lesen gehaltvoller Bücher ab. Dennoch – ich kann ja mal drüber berichten. Heute geht es um die Science-Fiction-Serie “The Expanse”.

Zunächst in Deutschland auf Netflix zu sehen, aber seit der Übernahme der Serie durch Amazon inzwischen nur noch dort zu schauen. Glücklicherweise verfügt unser Haushalt auch über einen Amazon-Prime-Zugang.

Eine Serie, die, obwohl die überwiegende Zeit im Weltall spielend, nicht auf Naturgesetze pfeift – alleine von diesem Setting her eine rare Erscheinung im dichten SF-Serien-Dschungel! Wir schreiben das Jahr… äh, keine Ahnung, irgendwann im 23. Jahrhundert. Die Menschheit hat offensichtlich tatsächlich ihren schönen Heimatplaneten ruiniert, so dass dort eine UN-Weltregierung über an die dreißig Milliarden Menschen herrscht, die zumeist arbeits- und perspektivlos vor sich hin vegetieren und von Stütze leben. Auf dem Mond existieren einige Kolonien, welche von der Erde aus regiert werden, so dass prinzipiell von Terra und Luna im Zusammenhang gesprochen wird.

Auf dem Mars gibt es eine bedeutende menschliche Ansiedlung, wobei das Hauptanliegen dieser Gesellschaft ist, den Mars durch allerhand Hege und Pflege (sowie andauernde kostspielige Terra-Forming-Maßnahmen) in einen blühenden Garten zu verwandeln, wie es einst die Erde war. Alle Marsianer leben in ständiger Angst vor der Übernahme durch die Erde und haben daher eine stets kampfbereite und technisch der Erde weit überlegene Armee (in Form einer Raumflotte) geschaffen, sind den Terranern allerdings zahlenmäßig haushoch unterlegen. Wer möchte, darf Parallelen zur Staats- und Gesellschaftsordnung des antiken Sparta ziehen.

Als dritte Gruppe der Menschheit gibt es noch die sogenannten Gürtler (im Original “Belter”), die dauerhaft einige große Raumstationen, Jupitermonde sowie Asteroiden (z.B. Ceres) bewohnen. Im Prinzip werden die Gürtler von den so bezeichneten “Inneren” nur als Versorger mit Wasser bzw. Eis und anderer Rohstoffe missbraucht. Da der gesamte Abbau von Firmen und Gesellschaften der “Inneren” organisiert und abgewickelt wird, sind die Gürtler, obwohl Lieferanten, dennoch von diesen abhängig. Seit vielen Jahren gibt es eine inzwischen mächtige (Untergrund-)Organisation OPA (Outer Planets Alliance), mit der fast alle Gürtler sympathisieren, wenn sie ihr nicht schon angehören.

Für das Verhältnis Erde-Mars wird nicht zu Unrecht das Bild vom “kalten Krieg” auch im 23. Jahrhundert bemüht. Viele Menschen auf vielen Planeten oder Raumschiffen haben ein Interesse daran, das fragile Kräftegleichgewicht zu stören oder gar einen Krieg führen zu lassen. Und der Gürtel hegt tiefe Abneigung gegen Erde und Mars.

Dieses geschilderte Ausgangsszenario bedient sich offensichtlich großzügig aus der Menschheitsgeschichte und ist summa summarum nicht übermäßig originell. Was mir aber außerordentlich gefallen hat, ist die detailgetreue Schilderung der unendlichen Schwierigkeiten, die ein Leben in einem teilbesiedelten Planetensystem mit sich bringt. Auch in 200 Jahren dauert eine Reise von der Erde zum Beispiel zum Jupiter mehrere Wochen, zum Saturn gar Monate. Kommt es in irgendeiner Ecke im Asteroidengürtel zu Schießereien, braucht ein Befehl von der Erde dorthin tatsächlich solange, wie das Licht bzw. das Funksignal eben braucht, etwa eine halbe Stunde. Übermäßige Beschleunigung bringt Piloten oder Insassen von Raumschiffen um. Es gibt zwar Medikamente für solcherlei Andruck (den sogenannten”Saft”, welcher durch eine Robotik intravenös gespritzt wird), die einen sofortigen Tod verhindern, aber das Grundprinzip bleibt gültig. Übergroße Raumschiffe nutzen Rotation zur Erzeugung von geringer Schwerkraft, was viel besser als nichts ist. Es gibt Firmen, die Asteroiden in Rotation versetzen, wegen desselben Effekts. Die im All oder auf Asteroiden Geborenen haben ab der zweiten Generation körperliche Defizite wie Glasknochen und ähnliches. Und noch viele solcher Details mehr!

Das alles ist sehr gut durchdacht und gibt der ganzen Serie einen durchaus einzigartigen Touch. Sehen auch manche Kulissen (z.B. die Wohnblocks auf Ceres) aus, wie wenn Arnold Schwarzenegger sie nach dem Dreh von “Total Recall” im Jahr 1990 stehen gelassen hätte, so sind doch die Aufnahmen in den Raumschiffen und im All meines Erachtens sehr gut gelungen. 

Über die Leistung der Darsteller wurde an unterschiedlicher Stelle nicht nur Gutes geschrieben, was ich insbesondere in der ersten Staffel ganz gut nachvollziehen kann. Ich finde aber, das schleift sich ab Staffel 2 ganz gut ein.

So bekommt “The Expanse” wegen ihres abgefahrenen und sehr realistischen Settings und auch wegen der ziemlich spannenden Story (die sich erst nach einigen Folgen genauer erschließt, die ich aber überhaupt nicht spoilern möchte) von mir eine klare Empfehlung zum Ansehen. Allerdings stehe ich auch schon seit meiner Kindheit auf Science-Fiction.

Ich habe Gerüchte gehört, dass man “The Expanse” auch bei halblegalen Serien-Streamingdiensten ohne einen Amazon-Prime-Zugang genießen kann. Da ich selbst solcherlei allerdings niemals nicht tun würde, kann ich diese Gerüchte nicht verifizieren.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

3 Kommentare zu „Auf dem Nachttisch – The Expanse

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s