Auf dem Nachttisch – Tyll

Liebe Leser,

ich weiß, das häuft sich, pardon, aber ich habe schon wieder ein Buch gelesen. Das waren also zwei in den letzten Wochen. Und jetzt kommt “drei”, glaube ich…

Diesen Satz habe ich wohl im November 2017 geschrieben. Und dann habe ich die Rezension mehr als ein Jahr liegen gelassen, so dass ich sie Euch heute gut abgehangen zum Lesen vorwerfe. Gut, das klang jetzt etwas schräg, pardon. Aber da ich die Beiträge in diesem Blog für genau keinerlei Vergütung erstelle, darf ich mir solchen Schlendrian erlauben. Das Buch ist ja nicht schlechter geworden, nur weil es schon seit über einem Jahr auf dem Markt ist, gell?

“Tyll” von Daniel Kehlmann also. Der Roman ist bei Rowohlt erschienen und kostet in der gebundenen Ausgabe 22,95, als Taschenbuch 12 Euro.

Nun gefällt mir Kehlmanns Schreibe einfach. Klar, Deutschlehrer, Hobby- und professionelle Literaturkritiker können sich wie immer austoben (was sie bei Amazon auch tun), aber ich persönlich fand schon in dem Roman “Ruhm” seinen Erzählstil spannend (die “Vermessung der Welt” werde ich mir noch reinziehen) und genoss die einzelnen Episoden wie auch die Verbindung derselben. Ich freute mich also auf “Tyll”.

Zudem hat das Buch ein grandioses, finsteres Cover, von dem leider der zuständige Künstler nicht auf die Schnelle zu ermitteln ist, das zum Einen Lust auf die Lektüre macht, zum Anderen auch eindringlich darauf hinweist, dass es sich bei diesem Buch eher nicht um eine Sammlung von harmlosen Eulenspiegeleien handeln wird.

Und dann begann ich zu lesen. Daniel Kehlmann hat seinen Tyll, für den selbstverständlich die literarische und wahrscheinlich auch reale Gestalt des mittelalterlichen Till Eulenspiegel Pate stand, in die Frühe Neuzeit versetzt, in das vom Dreißigjährigen Krieg materiell wie geistig und moralisch völlig zerstörte Mitteleuropa. Weil Kehlmann ein hervorragender Schilderer ist, strömt der Verwesungsgeruch des untergegangenen Europa quasi aus jeder Buchseite.

Wie in “Ruhm” verwebt der Autor verschiedene Handlungsstränge mit realen Zeitgenossen und erfundenen Protagonisten durch die Person Tylls, der eben ein Teil der jeweiligen Episode ist und den roten Faden der Erzählung bildet. Bereits das erste Kapitel endet mit einem sehr unerwarteten Twist (was man ahnen kann, wenn man Kehlmann schon einmal genossen hat) und lässt einen etwas baff zurück. Aber das macht süchtig (also zumindest mich), so dass ich das immerhin 480 Seiten starke Werk doch recht zügig durchgelesen habe. Details? Aber ich bitte Euch, so was wird nicht geteasert! Selber lesen, die Taschenbuchausgabe ist bezahlbar.

Ich darf zusammenfassen: Ich persönlich war wieder einmal von einem Kehlmann-Buch beeindruckt und habe “Tyll” gerne und freiwillig in kurzer Zeit durchgelesen. Mancher mag sich an der Vermischung von historischen Tatsachen und Fiktion stören, ich habe es genossen. Und wenn auch missliebige Rezensenten die Schilderungen des Dreißigjährigen Krieges eines Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (im “Simplicissimus Teutsch“) denen von Daniel Kehlmann vorzieht, bleibe ich dabei. Er hat es (wieder einmal) gut gemacht!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige

Ein Kommentar zu „Auf dem Nachttisch – Tyll

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