Hans im Glück

Liebe Leser,

Märchenstunde mit Onkel Gige. Doch zunächst sei gestanden: Ja, ich habe wieder eine neue Gitarre. Und zwar dieses schöne Instrument:

Gitane-D500

Das ist ein Maccaferri-D-Loch-Modell von Gitane. Wenn es für eine Selmer nicht reicht, dann eben für einen chinesischen Nachbau aus dem Hause Saga. Für den von mir so verehrten teil-akustischen Oldtime-Swing und Ragtime ein feines und klanglich authentisches Arbeitsgerät.

Allerdings hat mich auch ein Mitglied meiner Gitarrenfamilie verlassen:

kay-01

Das ist bzw. war eine 1934er (!) Kay, eine der ersten “Kaufhausgitarren” aus USA. Die Kay klang akustisch nicht einmal übel, hatte ein dreifaches Tonabnahmesystem (Kombi Magnet- und Mikrofon-System plus Piezo-Abnehmer) und die wohl abgefahrenste Hals-Korpus-Verbindung in der Geschichte des Gitarrenbaus. Dennoch – wir waren nicht füreinander geschaffen. Die alte Geschichte vom V-Querschnitt des Halses…

Als sich nun ein Tausch der beiden zum Verkauf stehenden Instrumente ergab, war dies für mich der Anlass, über meine in der Vergangenheit vollzogenen Instrumente- bzw. Tauschmittel-Transfers zu resümieren. Und ich muss gestehen: Ich bin definitiv nicht zum Musikalienhändler geboren! Wer das im Titel erwähnte Märchen noch kennt, versteht den Zusammenhang.

Um mir in den 1990er Jahren eine schwer angesagte Godin 12-Saitige leisten zu können, musste ich meine geliebte Ovation Elite veräußern, was aufgrund der damaligen Unbeliebtheit der “Plastikwannen” prompt ein schlechtes Geschäft bedeutete.

Als wenige Jahre später die Godin völlig aus der Mode gekommen war, sah ich mich gezwungen, ebendiese zu verkaufen, da ich mir eine… äh… keine Ahnung… irgendein Saiteninstrument… besorgen musste. Ich habe eine Höfner Chancellor verkauft um eine Sonntag erwerben zu können. Natürlich in einer Zeit, als Höfner – wieder einmal – auf dem absteigenden Ast der Beliebtheit unter Jazzgitarristen war. Eine Gibson U2? Unter Wert verkauft. Einen Krempel-(Edel-)Bass: Kernig draufgezahlt. Einen Kontrabass: Hauptsache weg, das Möbel. Jedes Mal klebte ich (bildlich) einige Scheine auf das veräußerte Instrument, um es überhaupt loszukriegen.

Nun bereue ich den jeweiligen Handel nicht, denn ich erwarb stets ein gutes neues Instrument, aber zwischendurch mal ein paar Hunderter verdienen, wäre auch schön gewesen. So aber bleibt mir nach den ganzen “gelungenen” Transaktionen nur der schöne Schluss:

So glücklich wie ich, rief er aus‚ gibt es keinen Menschen unter der Sonne. Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter angekommen war.

Aber das ist eine andere Geschichte und wurde von den Gebrüdern Grimm erzählt.

Euer

Gige

5 Kommentare zu „Hans im Glück

  1. ist ja wie im Märchen… mir fallen da noch mindestens zwei ein (eine Framus und eine Ovation) – immerhin hat auf diesem Weg eine Tele zu einem hoffentlich fairen Preis zu mir gefunden

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