Des Wahnsinns fette Beute

Liebe Leser,

Einbrüche überall. Das ist eine schlimme Entwicklung, weil außer dem materiellen Schaden auch noch ein erheblicher psychischer bleibt, da man sich ab diesem Ereignis im eigenen Heim nicht mehr sicher fühlt. Zudem wird beim gewaltsamen Eindringen in Autos, Wohnungen oder Häuser meistens noch zusätzliche Zerstörung angerichtet. Also wirklich eine böse Sache. Einbrüche sind den Medien überwiegend nicht einmal eine Meldung wert, da sie einfach zu häufig stattfinden. Nur bisweilen schafft es ein Einbruch in die News. So wie jener, über den ich heute berichten möchte.

Bei Michael Wendler wurde eingebrochen. Bereits an dieser Stelle Fragen über Fragen: Wer ist Michael Wendler? Warum ist ein Einbruch bei demselben eine Erwähnung in diesem ansonsten so seriösen Blog wert? Und wer war noch gleich Michael Wendler?

Aus Wikipedia: Michael Wendler (* 22. Juni 1972 in Dinslaken; bürgerlich Michael Norberg, geb. Skowronek) ist ein deutscher Sänger und Songschreiber.

[Klammer: Wikipedia ruft übrigens wie immer zum Jahresende zur Spende auf, was traditionell kaum einen der zahlreichen Leser dieser Enzyklopädie interessiert. Das ist traurig, denn kaum eine Website wird mehr besucht (2014: Platz 5 in Deutschland mit 143.000.000 Aufrufen – fast so viele wie dieser Blog). Ich bin der festen Überzeugung, dass kein Referat in irgendeiner Schule heute gänzlich ohne Informationen aus Wikipedia erstellt wird, und sei es auch nur, um einen Überblick zum jeweiligen Thema zu bekommen. Ich habe daher tatsächlich ein paar Kröten überwiesen, so dass dieses trotz aller bekannten Schwächen grandiose und nützliche Nachschlagewerk weiter existieren kann. Wisst Ihr auch nicht, was Ihr mit Eurem Geld anfangen sollt? Dann spendet Wikipedia! Klammer zu.]

Daneben kann man auch die Information nachlesen, dass M. Wendler nie eine musikalische Ausbildung genoss und seine Songideen seinem Produzenten ins Ohr summt, welcher dann die Hits daraus produziert (und damit seiner Berufsbezeichnung genügt).

Aus Gründen der Recherche habe ich mir mal in Youtube einige Songs angehört und in zwei Liveauftritte geklickt (welche wie erwartet aus Playbackdarbietungen nebst Tänzerinnen im Hintergrund bestehen), so dass ich aus meiner zunächst unbegründeten Abneigung gegen M. W. prompt eine begründete entwickelt habe.

Nun ist mir dieser Sänger und Songwriter (mit allen schmähenden Adjektiven muss man gegenüber diesem erwiesenermaßen streitlustigen Prozesshansel vorsichtig sein) schon aufgrund des Genres “Malle-Schlager” et al, in dem er sich tummelt, herzlich egal. Aber die Nachricht, dass bei in seinem ehemaligen Zuhause in Dinslaken (die Familie Wendler/Norberg wohnt inzwischen in Florida) eingebrochen wurde, hat doch mein Interesse geweckt. Denn sowohl die Beute wie auch deren Verbleib lässt aufhorchen!

1,5 Tonnen (1500 Kilo!) originalverpackte CDs/DVDs (mit Wendler-Musik, sonst wäre es ja witzlos) wurden nämlich in einem Altkleidercontainer des Kolpingwerks in Dortmund gefunden. Und erst nachdem ihm dies nach Florida gemeldet wurde, ließ der Sänger verlautbaren, in seinem alten Heim in Dinslaken wäre eingebrochen worden. Sein Anwalt würde eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Diebstahl vorbereiten. Was nebenbei auch interessant ist, denn mir fällt gerade kein Grund ein, warum man dies nicht selbst durch eine Meldung bei der Polizei erledigen sollte. Dafür gibt es im Internet leicht verständliche Formulare.

Nun zu den cleveren Einbrechern. Man verschafft sich also Zugang zum Anwesen des Herrn Wendler und klaut nicht etwa irgendwelche Wertsachen, deren Anzahl in dem verlassenen Heim zugegebenermaßen wahrscheinlich überschaubar ist, sondern verlädt immerhin etwa 15000 Ton- und Videoträger in ein geeignetes Fahrzeug, transportiert sie mehr als 60 km von Dinslaken nach Dortmund, um dann diese gewaltige Menge in einem Altkleidercontainer zu entsorgen? Wie ich es drehe und wendlere (das Wortspiel sei mir gegönnt), mir fällt kein Grund für die ganze Aktion ein, schon gar kein vernünftiger.

Das offensichtlichste ist auf den ersten Blick eine versuchte Manipulation der Charts, also vom Ansatz her der Ankauf eigener CDs, um damit die Verkaufszahlen und somit die Platzierung in den Hitparaden nach oben zu treiben. Aber – und da muss ich dem Herrn Wendler wenigstens zum Teil Recht geben – “das System der Branche sei so ausgeklügelt, dass man es nicht manipulieren könne.” Ich habe es mal im Netz und speziell bei GfK-Entertainment nachgelesen: Es wird der Umsatz der jeweiligen Künstler anhand der Verkaufszahlen von 2800 ausgewerteten Händlern zur Chartplatzierung herangezogen. Das System ist nicht unbedingt gerecht, da Umsatz und verkaufte Stückzahl durch diverse Kniffe (z. B. Verkauf von Boxen) bisweilen heftig auseinanderklaffen, aber zumindest nicht durch die Entsorgung Tausender Tonträger manipulierbar.

Möglicherweise war das Ganze auch nur eine Aktion, das Lager mit den unverkäuflichen Tonträgern aufräumen, die dann in der dilettantischen Ausführung aus dem Ruder gelaufen ist. Etwa in der Art “Mir ist egal, wo ihr das Zeug hinschafft – Hauptsache weg!” Dass derlei viel eleganter geht, bewies unser ehemaliger Bandleader mit den verbliebenen Tonträgern unserer Rockband aus den 1990er Jahren. Nach dem dritten Wohnungswechsel waren die Dinger einfach verschwunden und sind bis dato auch nicht an unzulässigen Orten wieder aufgetaucht.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige

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