Orthogravi… äh… phie

Liebe Leser,

es geht mir offensichtlich besser, ich kann schon wieder Galle spucken, im übertragenen Sinne. Wir nehmen das mal als gutes Zeichen, gell?

Keine politischen Texte, das war abgemacht! Aber dennoch lese ich natürlich aufmerksam alle möglichen Print- und Onlinemedien. Und am liebsten dort die Leserbriefe und (Online-)Kommentare. Bei letzteren stoße ich permanent auf einen Sachverhalt, der meinen Blutdruck nach oben treibt. Das ist zwar gemäß ärztlicher Anordnung zu vermeiden, aber was soll ich machen? Mir gehen nämlich Rechtschreib- und Grammatikfehler in Kommentaren (nein, in allen Texten) wirklich heftig auf den Senkel! Klar, keiner ist gegen Unachtsamkeit gefeit. Mir selbst ist auf diesen Seiten mehr als ein Fehler durchgerutscht. Aber ich lese mein Geschreibe mehrmals Korrektur und verwende zwei Rechtschreibkorrekturprogramme. Das bin ich Euch meiner Meinung nach schuldig.

Den Vogel hat neulich ein Artikel auf Spiegel-Online abgeschossen, in dem es um irgendwelche neuen Google-Gadgets ging. Den Anfang machte der Autor mit munterer dass-das-Verdreherei.

Zwischenspiel: Ist dass wirklich so schwer? Dass muss doch irgendwann in die Köpfe rutschen. Andererseits, dass macht wirklich Spass. Wenn man konsequent dreht, erreicht man, das es einem nach wenigen Sätzen tatsächlich wurst ist. Selbst bei diesen Spielereien hier heult übrigens die Rechtschreibprüfung vernehmlich auf…

Jeder der dem SPON-Artikel folgenden Kommentare hatte mindestens einen schwerwiegenden Rechtschreibfehler. So in der Liga wie “Das ergiebt für mich keinen Sinn” und Schlimmeres. Wenn mich auch meine geduldigen und gemäßigten Freunde bisweilen darauf hinweisen, dass es der- oder diejenige AutorIn (zugegebenermaßen ist die Anzahl der männlichen Rechtschreibrüpel zumindest gefühlt deutlich höher) eben nicht besser kann, mildert das meinen Zorn kaum. Ich stelle nämlich grundsätzlich die Argumentation des Schreibers in Zweifel, wenn er selbige nicht einigermaßen korrekt formuliert und orthographisch richtig “zu Papier” bringt. Zudem bin ich der Meinung, dass ich seine Nachlässigkeit (“Ist mir doch egal, wie es geschrieben wird, Hauptsache, man versteht, was ich sagen will”) nicht durch meinen Aufwand, das Geschreibe zu verstehen, belohnen sollte. Ich nehme solches auch als fehlende Wertschätzung gegenüber der Leserschaft.

Natürlich ist es anerkennenswert, dass in der heutigen Zeit Grundschüler mit Lese- und Rechtschreibschwäche nicht mehr auf Sonderschulen geschickt werden. Aber ein wie auch immer gearteter “Persilschein” muss doch nicht automatisch die Eintrittskarte zu einer Karriere in der schreibenden Zunft sein. Meine angeborene Fehlsichtigkeit verhinderte zeitlebends meinen Werdegang als Pilot, ungeachtet aller Atteste, die ich diesbezüglich vorweisen kann. Pech für mich, Glück für die Passagiere, die dadurch unbeschadet ihre Luftreisen überstanden haben.

So verbleibe ich mit der Bitte an all die Schreiber und Kommentatoren mit attestierter oder auch bis dato unentdeckter Rechtschreibschwäche: Setzt Euch vor dem Drücken des “Abschicken”-Buttons auf Eure Finger (alter Schachspieler-Trick) und jagt Eure verfassten Texte nochmal durch die Rechtschreibprüfung, bevor Ihr uns alle damit beglückt.

Ziemlich abgefahren fand ich die Maßregelung eines Kommentators auf Zeit-Online, der seinen Vorkommentator darauf hinwies, dass es eine Unsitte sei, eine vorgetäuschte Rechtschreibschwäche in seinen Beiträgen zur Schau zu stellen, um Kritik an fehlerhafter Argumentation als Diskriminierung wegen solcherlei (vorgetäuschter) Behinderung abzuschmettern. Da muss man erstmal drauf kommen…

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige

3 Kommentare zu „Orthogravi… äh… phie

  1. Erst mal frohe Genesung und schön, dass Du noch lebst. Zur Rechtschreibung: Bedingte Zustimmung. Mir verhagelt die vorauseilende Korrektur des Smartphones manche Kommentare. Bei ordentlicher Tastatur hab ich das besser im Griff. Aber das nehme ich hin. Ich denke, ohne Groll und ohne Begeisterung, Rechtschreibung wird verschwinden, so wie das Schreiben mit Federhalter auf gutem Papier praktisch verschwunden ist.

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