Sways, Sparks, Slides …

Liebe Leser,

ich bin ja immer für Software-Schnickschnack zu haben, insbesondere wenn es mit Grafik, Layout und Web-Publishing zu tun hat. Ich habe mir in den Urzeiten bei Vobis (wer weiß noch, was das war?) vom der Theke aktuelle Shareware-Sammlungen (wer weiß noch, was das war?) auf CD (wer weiß noch, was das war?) für fünf Mark (wer weiß noch, was das war?) gekauft (wer weiß noch… ok, ist ja gut).

Wer sich ab den frühen 1990er Jahren mit HTML-, Javascript- und CSS-Programmierung (zumeist erfolglos) herumgeschlagen hat, erstarrt in Ehrfurcht ob der geradezu unendlichen Auswahl an mächtigen Tools, die es zur Erzeugung professioneller Web-Dokumente gibt. Sei es bei Produkten von Google, Microsoft, Adobe, Corel, Xara/Magix (und das sind nur die, die ich kenne) – jede Software besitzt heutzutage einen Schalter, der die kreativen Ideen des jeweiligen Designers oder Künstlers umgehend im Web und/oder den Sozialen Netzwerken in anspruchsvollem und modernen (selbstverständlich ‘responsive’) Design publiziert. Für Menschen, denen der Inhalt schon immer wichtiger als die Verpackung war, das Paradies auf (Digital-) Erden, oder?

Der neueste Schrei ist Storytelling-Software. Nachdem ich durch Zufall auf das Produkt Sway (kostenlos für Besitzer eines MS-Produkts bzw. -kontos) von Microsoft stieß, das mit überschaubarem Aufwand zügig ansprechende  … sagen wir “Endlos-Präsentationen” erstellen kann, welche dann entweder per Link oder Einbettung umgehend online abrufbar sind, recherchierte ich etwas, ob nicht auch andere Hersteller ähnliches in ihrer Produktpalette anböten. Adobe, die ollen Streber, haben natürlich was: Spark. Wie Sway, aber irgendwie schicker. Wie so vieles von Adobe. Spark gibt es für Adobe-Kunden (also auch mich) gratis. Und bei Google gibt es (ebenfalls kostenlos) Slides, also Präsentationen, die im Grunde genauso wie die bereits beschriebenen Softwaren funktionieren, aber ohne dieses Endlos-Zeugs. Aber auch die Idee, auf einer Art Timeline zu veröffentlichen, ist ja nicht allzu neu. Die bekanntesten Vertreter für Storytelling-Anwendungen sind Facebook und – tataaa – WordPress.

All diesen Publishing-Plattformen, Blog-Systemen, Layoutsoftwaren, CMS, Sozialen Netzwerken, Pinwänden etc. liegt der hehre Gedanke zugrunde (welcher übrigens auch permanent auf jeder Seite der genannten Anbieter verbreitet wird): “Sei kreativ, immer und überall! Lass es einfach raus! Sorge Dich nicht, schreibe! Wir kümmern uns um die Details.” Nie war es einfacher, Inhalte (englisch: Content) in ansprechender Aufmachung zu publizieren. Und ja, ich nutze das selbst regelmäßig. Hier in diesem Blog und auch gerne in einem Spark zwischendurch. Aber wer bitteschön soll sich das alles ansehen? Das habe ich ob meiner durchaus treuen, aber überschaubaren Leserschaft recht schnell verstanden. Der umtriebige Sebastian Flotho (seppolog – unbedingt ansehen!) hat mal – wohl eher zum Spaß – die Facebookgruppe “Ich blogge – wer liest?!” gegründet, die inzwischen fast 1500 Mitglieder hat. Der Anteil der Blog-Leser im Verhältnis zur Zahl der Blog-Schreiber dürfte sich im einstelligen Prozentbereich bewegen. Es ist einfach zu viel, viel zu viel…

Da es derzeit gewisse stillschweigende Übereinkünfte in Sachen Layout und Design gibt, sehen natürlich alle Web-Storys, Online-Präsentationen und Blogs im Prinzip identisch aus. Bildschirmfüllende HD-Fotos (welche lizenzfrei in großer Menge zur Verfügung stehen), unterbrochen von etwas Text, mit netten Übergangs-Animationen (ich verwende wirklich viele Bindestriche in diesem Beitrag). Immer dasselbe… öde! Der Preis für die Beendigung des fast 20 Jahre währenden Designer-Krieges (um die notorisch klammen Webdesign-Kunden) ist eben eine gewisse Eintönigkeit in der Darstellung. Wenn man sich also nicht durch handgemachte Fotos und Grafiken von der Konkurrenz absetzen kann, müsste es der einzigartige Content richten. Und hier wird bereits das Dilemma offenbar.

Hast Du keine Story, kannst Du auch nichts tellen!

Blogger der ersten Liga machen hier aus der Not eine Tugend, indem sie darüber schreiben, dass es gerade mal nichts zu schreiben gibt. Das ist anfangs, beim ersten Beitrag solcher Art, durchaus witzig, ermüdet aber zusehends, insbesondere, wenn viele Blogger derlei nachahmen. Wir stehen also im Jahr 2016 vor der Situation, dass die Anzahl interessanter Storys in indirekter Proportion zu den Möglichkeiten steht, selbige zu verbreiten.

Ich muss an dieser Stelle mit dem Lamento aufhören, denn ich habe noch einen Spark fertig zu schreiben. Und besser kann meine übliche Schlussphrase gar nicht passen:

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige   

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