Brexit!

Liebe Leser,

der Brexit ist wahr geworden! Oder eingetreten. Oder so ähnlich. Da ich mich ja, wie ich nicht müde werde zu betonen, intellektuell nicht befähigt fühle, politische Kommentare zu verfassen, werde ich den Austritt Großbritanniens aus der EU nicht politisch oder wirtschaftlich bewerten. Ich habe sehr wohl politische Ansichten und möglicherweise nicht völlig absurde Kenntnisse von wirtschaftlichen Zusammenhängen. Aber wenn mir dann jemand halbwegs plausibel das Gegenteil meiner Anschauungen darlegt, werde ich wankelmütig und überdenke meine Positionen erneut. So jemanden darf man doch keine politischen Statements verbreiten lassen, oder? Seht Ihr, und eben deswegen lasse ich das sein. Versprochen ist versprochen.

Durchaus befähigt fühle ich mich allerdings, die Zeitung aufmerksam zu lesen bzw. Online-Nachrichten zu studieren. Und hier gab es nach dem Referendum der Briten Erstaunliches zu sehen. Meine Lieblingsschlagzeile war:

Brexit – Börsen geschockt!

Wobei hier natürlich an Stelle des Wortes “Börsen” auch des öfteren “Anleger”, “Märkte” oder ähnliches zu lesen war. Dass der Ausgang der Abstimmung keine klare Sache war, hätte jedem Menschen und insbesondere unseren Finanzexperten klar gewesen sein müssen. Es wird wohl knapp ausgehen. Das war sogar mir nach wochenlanger Berichterstattung offensichtlich. Wie also kann nun ein Ereignis, das in etwa eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 50 Prozent hat – durchaus vergleichbar mit dem Ereignis “Rot” bzw. “Schwarz” beim Roulette, allerdings ohne die Möglichkeit der farbneutralen Null – jemanden schockieren? Hasardeure, die auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU gewettet hatten, haben den Fall, dass die Bürger mehrheitlich einen Austritt befürworten, nicht bedacht? Alles auf Rot und dann einmal schwitzen? Und wenn dann die Kugel tatsächlich auf Schwarz landet, herrscht allgemeine Panik? “Ach so … daran hatten wir nicht gedacht.” Ernsthaft? Wobei es Gerüchte gibt, dass sich die Broker bei den Buchmachern heiße Tipps geholt haben. Das erscheint mir doch dann eine seriöse Informationsbeschaffung …

Ich darf also festhalten: Entweder lesen alle an den Börsen Handelnde niemals irgendwelche Nachrichten oder gar Prognosen (unwahrscheinlich, denn letztere sind das täglich Brot der Händlerbande) oder unsere Medien konnten es nicht bei der Mitteilung des knappen – wer hätte das gedacht? – Abstimmungsergebnisses belassen und mussten “was draus machen” (höchst wahrscheinlich). Worte wie “Panik” oder “Schock” erzeugen halt mehr Klicks als ein tristes “Enttäuschung”.

Noch eine schöne Nachricht im allgemeinen Nachgekloppe nach dem Brexit hat mich erzürnt. In nahezu allen Gazetten findet sich die Mitteilung

Über drei Millionen Briten fordern neues Referendum!

Ja, das erscheint mir eine gute Idee. Wenn ein demokratisches Abstimmungsergebnis der unterlegenen Seite eher nicht passt, sollte man umgehend die Abstimmung wiederholen, notfalls mehrfach! Referendum mit Rückfahrkarte – da hätten wir in Bayern nach dem unseligen Volksentscheid zum vollumfassenden Rauchverbot mal draufkommen sollen. Ein paar Dutzend Abstimmungen später hätten wir die hysterischen Gesundheitsapostel schon weichgekriegt, bestimmt! Oder zumindest die ganzen phlegmatischen Raucher, die zu faul waren, um ihre Stimme beim Bürgerbegehr abzugeben, an die Wahlurnen geschoben.

In Großbritannien waren übrigens 46,5 Millionen Bürger für das Referendum wahlberechtigt. Bei 70 % Wahlbeteiligung und 48 % Stimmen gegen den Brexit haben etwa 15,5 Millionen (es waren 16,x habe ich nachgelesen, aber nun bleibe ich in meiner groben Schätzung) Briten für einen Verbleib in der EU gestimmt. Jeder fünfte dieser Menschen würde also gerne noch einmal wählen. Allerdings kann man heutzutage eine Petition lässig vom Sessel aus per Smartphone unterzeichnen, während eine Wählerstimme noch mittels Wahlzettel aus Papier in eine Urne gestopft werden muss. Möglicherweise ist solch analoger Aufwand ein echter Hemmschuh für das politische Engagement einer Generation Y, die – obwohl im höchsten Grad digital vernetzt – zumeist nicht mal ein Treffen in einer realen Kneipe zustande bringt.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige

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