Die GEMA…

Liebe Leser! Dienstag ist Blogtag.

Die Findigen unter Euch haben es natürlich sofort bemerkt – es ist schon Mittwoch. Einen Versuch war’s wert. Aufgrund heftiger Beschäftigung zum banalen Zweck des Broterwerbs kam ich gestern nicht zum Bloggen. Daher ist eben heute nochmal Dienstag. Aber nun in redias mes… medias res… (ich hatte schon erwähnt, dass ich eine echte Kornifere in Fremdwörtern bin, oder?) also zur Sache:

Die GEMA. Diese Buchstabenkombination erzeugt bei vielen Menschen schon Pickel, wenn sie unvermittelt irgendwo auftaucht. Dennoch, eine stumpfe Hasstirade schreiben wäre zu billig. Zudem würde sie jeder Mitarbeiter oder Sympathisant (so es denn welche gibt) argumentativ in der Luft zerreißen. Denn an sich ist so eine Einrichtung, also eine “Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte” keine schlechte Sache. Alle Künstler schätzen im Grunde Verwertungsgesellschaften, die ihnen zum meist kargen Auskommen ein paar Kröten für die Verwendung und -wertung ihrer geistigen Produkte zukommen lassen. Gerade in Zeiten der umfassenden Vernetzung und der damit einhergehenden ‘Umsonst-Mentalität’ bedarf es solcher Bollwerke, die diesem Ungeist zumindest bisweilen Paroli bieten.

Im Prinzip kassiert die GEMA, wenn Musik aufgeführt oder abgespielt wird, um das Geld den jeweiligen Komponisten oder ihren Rechtsnachfolgern zu geben. Und das ist auch gut so. Denn wer einen Hit schreibt oder interpretiert, und diese Aufnahme wird über Jahre immer wieder und wieder gespielt, soll auch am Erfolg beteiligt werden! Sonnenklar. Nun ist das System der Ausschüttung zwar möglicherweise super durchdacht und seit gefühlt 100 Jahren ständig optimiert worden, aber das angewandte Punkte- und Bewertungssystem ist ohne ein Hochschulstudium des Verwertungsgesellschaftsrechts kaum zu durchschauen. Dass hier möglicherweise immer noch Verbesserungsbedarf besteht, verrät die noch nicht beendete Diskussion um die “Reform der Rundfunkverteilung”, da offensichtlich in diesem Bereich Eigen- und Fremdproduktionen der Sender unterschiedlich behandelt werden. Zudem wird von Radiosendern oft pauschal bzw. umsatzabhängig an die GEMA bezahlt, was eine korrekte Ausschüttung an den jeweiligen Musikurheber dann unmöglich macht. So weiß ich aus vertrauenswürdiger Quelle, dass die mehrfache Sendung eines bei der GEMA lizensierten Musikstücks bei diversen Radiostationen nicht automatisch Tantiemen beim Komponisten erzeugt, eben wegen der pauschal abgeführten Beträge.

Beim Eintreiben der Gelder ist die Sache allerdings weniger unscharf. Und ein kurzer – nein, gelogen, denn schnell geht das gar nicht – also ein längerer Blick auf die Tarife der GEMA verrät, dass sie die Aufgabe des Inkasso von jedmöglicher Stelle, wo auch immer ein Tönchen auch nur im Ansatz vernehmbar ist, sehr gründlich in Angriff nimmt. Hier schießt man möglicherweise bisweilen etwas über das Ziel hinaus.

Nun habe vielleicht nicht immer im besten Sinne über Musikerstammtische berichtet (was mir mehr als einen Satz heiße Ohren eingebracht hat), aber die Grundidee, Musik live in geselliger Runde aufzuführen oder gemeinsam im kleinen Rahmen zu musizieren, ist meines Erachtens eine durchaus gute! Nur so bleibt z.B. das ganze Jazz-Gedudel nah am Publikum und fristet kein ausschließliches Schattendasein in akademischen Biotopen. Viele ernstzunehmende Musiker (ja, UND auch ich…) haben sich ihre Sporen in Kneipensessions verdient. Solche Veranstaltungen sind also generell zu begrüßen, wenn einem die Musik am Herzen liegt. Ich möchte auch betonen, dass ich niemals einen Veranstalter oder Wirt, mit dem ich wegen der Art und Weise der Durchführung einer Session uneins war, namentlich erwähnt, diskreditiert oder gar denunziert habe. Ich wünsche also allen Sessions und zwanglosen Musikertreffen, bei denen nicht nur gesoffen, sondern auch aktiv musiziert wird, viel Erfolg!

Beim Weg zum Erfolg solcher Veranstaltungen – also bei der Werbung – heißt es allerdings, vorsichtig zu sein! Denn leider sind nicht nur potentielle Mitmusiker oder Besucher in den sozialen Medien unterwegs, sondern auch die Mitarbeiter der GEMA. Und einen Begriff wie “Session” in ein Suchfenster eingeben, schafft auch der drögeste Sesselpuper, wobei letztere Beschreibung nur eine allgemeine Feststellung ist, nicht die Diskreditierung irgendeines Mitarbeiters irgendeiner Organisation. Logisch, oder? Umgehend landet dann ein Meldeformular mit vermeintlich passendem Tarif bei dem erstaunten Wirt, der dann je nach Größe seines Wirtszimmers einen Obolus an die GEMA entrichten soll, weil ein Gast ein Lied zur Gitarre angestimmt hat.

Und hier wird die Sache nun rechtlich kompliziert. Wird nämlich eine spontane Musikwiedergabe nicht explizit beworben, so dass also keine Musikveranstaltung geplant wurde (was selbstverständlich auch jede Form von Eintrittszahlung ausschließt), ist die GEMA – wie bei privaten Veranstaltungen – eigentlich außen vor. Denn was soll ein Wirt machen? Den renitenten Gast gewaltsam am Vortrag hindern? Beim Anstimmen eines Liedes durch ggf. angeheiterte Besucher die Ordnungshüter rufen? Gehen wir noch einen weiter: Müssen die  Türen verrammelt und alle Gäste mit Hörschutz versehen werden, sobald die gefürchtete “El-Condor-Pasa-Gang” in ihren Camouflage-Ponchos in Hörreichweite eines Restaurants oder Biergarten kommt?

Den juristisch gebildeten Lesern (nein, “irgendwie gutes Rechtsverständnis” reicht nicht, mindestens das erste jur. Staatsexamen sollte es schon sein, besser beide) sei zur Prüfung überlassen, ob denn die Ankündigung eines “Musiker-Stammtisches”, mit der Möglichkeit, seine Instrumente zumindest temporär im Warmen zu lagern, was theoretisch zu spontaner Musikwiedergabe führen könnte, dann auch ein Fall für die gewieften GEMA-Detektive wäre.

Allerdings ist bis dato noch jedem Veranstalter, der unverhofft in die Fänge der berühmt-berüchtigten Verwertungsgesellschaft geriet, das Lachen vergangen…

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige

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