Aber das ist doch ganz einfach!

Hallo, liebe Leser! Dienstag – Blogtag. Ich werde den folgenden Text, in dem es vordergründig um Musikalisches geht, ganz subtil für eine Abhandlung zum Thema ‘Umgang mit Mitmenschen’ nutzen. Aber Gemach, Ihr werdet’s merken!

Krumme Metren – eine böse Sache! Nun ist der Begriff “Metrum” in der Musik nicht leicht zu erklären und wird, wie ich nach etwas Recherche feststellen konnte, durchaus unterschiedlich verstanden. Ich möchte ihn im Folgenden eher im Sinne der Taktart verwenden, mit der üblicherweise die Anzahl der Grundschläge pro Takt bezeichnet wird, also z.B. in einem 4/4-Takt vier Viertelnoten zwischen zwei Taktstrichen. Und wenn die Anzahl der Viertelnoten pro Takt eben nicht 3 oder 4 ist – den Walzer und seinen Verwandten, den 6/4 vertrage ich noch – dann nenne ich das ein “krummes Metrum”. Und da hakt’s bei mir aus. Ich komme durcheinander, verliere mich in Zählerei und versuche dann stets, mich heimlich von der Bühne zu stehlen. Abbruch, Schande, völlige Musikblockade! Und der feste Vorsatz, nie mehr einen 5/4 oder ähnliches Zeug zu spielen. Dabei ist es wahrscheinlich nur der Neid auf die vielen Kollegen, insbesondere der jüngeren Generation, die filigran auf ihren Instrumenten über einen 7/4 improvisieren und zeitgleich einen 67-taktigen Raga pfeifen können.

Nun habe ich es ja eingesehen. Ich kann’s einfach nicht. Mit dem Alter kam die Einsicht, allgemein und eben auch diese spezielle. Im eigenen Programm vermeide ich Songs oder Arrangements mit krummen Metren und derlei Studiojobs würde ich ablehnen. Wobei ich mir ohnehin kein Szenario vorstellen kann, bei dem ein Produzent händeringend einen Gitarristen sucht, der ihm auf die Schnelle einen Titel im 9/8-Takt einspielt…

Was allerdings wirklich unerträglich ist, sind die Versuche engagierter Mitmusiker, mir den Umgang mit krummen Metren zu erklären oder gar schmackhaft zu machen. Die übliche Einleitung “Aber das ist doch ganz einfach!” mit der unausgesprochenen, aber stets implizierten Ergänzung “Du bist nur zu dämlich, es zu kapieren!” erzeugt bei mir nicht nur in der Musik umgehend kaum zu unterdrückende Tobsuchtsanfälle. Wer erinnert sich nicht mit Schaudern an seine Schulzeit, wenn man trotz des aufmunternden “Aber das ist doch ganz einfach!” des Mathematiklehrers an der Tafel statt des zu berechnenden Integrals lieber die Telefonnummer der Oma (ohne Vorwahl) hinschrieb, da man von der auszuführenden algebraischen Operation keinen blassen Schimmer hatte. Es ist eben nicht einfach! Wenn ich etwas nicht verstehe oder kann, dann gilt eine solche Behauptung zumindest schon mal nicht für mich und ist somit mir gegenüber falsch und überflüssig!

Fertigkeiten oder Einsichten, die man in vielen Jahren Übung und Beschäftigung mit einem Thema erworben hat und sie daher eventuell auch Anderen erklären kann, sind wohl per se nicht “ganz einfach”. Sonst hätte man sich ja nicht jahrelang damit beschäftigen müssen. Hat man übrigens Geduld und nicht so den Hang zum cholerischen Ausbruch wie ich, kann man seinen Gegenüber durchaus mal erklären oder (bei Fertigkeiten) vorführen lassen. So manchem blieb da schon sein ursprüngliches “Aber das ist doch ganz einfach!” im Halse stecken, wenn er bei der theoretischen Darlegung oder beim praktischen Vortrag heftig ins Schleudern kam.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige

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