Klub 27

Da der Schnitter leider in letzter Zeit eine viel zu große Anzahl prägender Musiker von unserem Planeten genommen hat, kam ich in Reminiszenz an all diejenigen, die schon in jungen Jahren von uns gehen mussten – unter anderem die Mitglieder des berühmten “Klub 27” – ins Grübeln. Abgesehen von der Tatsache, dass der Tod erwiesenermaßen gesundheitsschädlich ist und für Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison und Kurt Cobain einen gravierenden Karriereschnitt darstellte, fragte ich mich, ob wir von den Genannten noch Großes hätten erwarten dürfen, wenn sie eben nicht so früh gestorben wären. Außer den aufgeführten Klubmitgliedern seien hier noch stellvertretend für viele andere Robert Johnson, Bix Beiderbecke, Eddie Lang und Clifford Brown aufgeführt, welche allesamt hervorragende Musiker waren, die ihr 30. Lebensjahr nicht vollendet haben.

Um es kurz zu machen (ich habe heute keine Lust auf Herumgeschwurbel) – ich glaube, wir haben in Sachen “musikalischer Nachlass” (das englische legacy trifft es besser) nichts verpasst. Wenn ein Mensch im zarten Alter von Mitte 20 schon in einem Bereich Unerhörtes geleistet hatte, so ist es nur schwer vorstellbar, dass er dann 10 Jahre später solcherlei noch steigern kann. Ich habe mir natürlich die beliebten Gegenargumente (“Der Mensch lernt Zeit seines Lebens!” et cetera pp) sozusagen selbst ins Ohr geflüstert und auch von verschiedensten durchaus renommierten Künstlern bestätigt bekommen, aber seien wir doch mal ehrlich:Was hätte eine 50jährige Janis Joplin singen sollen? Jazz? Broadway-Musicals? Oder Jimi Hendrix? Welchen Ton und welchen Sound hatte er in seiner fulminanten Karriere denn ausgelassen? Ist da noch irgendeine Steigerung möglich?

Natürlich wird im Laufe der musikalischen Entwicklung die Bandbreite weiter und Genies wie z.B. Miles Davis oder Sonny Rollins (welcher noch heute mit gerade mal 85 Jahren aktiv musiziert) haben im Laufe ihrer Karrieren wohl so manche stilistische Entwicklung vollzogen und neue, großartige Klangwelten geschaffen oder erobert. Dennoch haben sie ihre Meisterstücke (Davis: Kind of Blue, mit 33 Jahren, Rollins: Saxophone Colossus, mit 26 Jahren) schon früh abgegeben.

Daraus können wir schließen, dass wir eher minderbegabten und (im Vergleich) entwicklungsverzögerten Musiker zumindest eine kleine Chance haben, im fortgeschrittenen Alter noch einige Stufen der Karriereleiter auf dem Weg zum Olymp zu erklimmen. Wir haben unser Pulver ja noch nicht verschossen…

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige

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