Die Shiny Gnomes und Elena Jank

Menschenansammlungen – hierzu zähle ich jede Anhäufung von mehr als drei Personen – sind mir im inzwischen fortgeschrittenen Alter ein Graus und allenfalls von einer Bühne aus zu ertragen. Je mehr Leute mir eine Veranstaltung empfehlen, desto eher habe ich kein Bedürfnis, genau dorthin zu gehen. Nun hat mich aber ein Freund schon mehrmals zu Konzerten der legendären Nürnberger Band “Shiny Gnomes” eingeladen, die – in der Besetzung teilerneuert – immer wieder Konzerte geben. Am Samstag, den 09.01.16 war ein solches im Roten Salon des Z-Bau Nürnberg angekündigt. Ich überwand also meine Ansammlungsphobie und ging hin.

Der Z-Bau ist ein Kulturort (die Organisations- und Verwaltungsstruktur ist wie immer in unserer Stadt nicht in wenigen Worten zu beschreiben) auf dem Gelände der ehemaligen SS-Kaserne im Süden Nürnbergs. Obwohl nur ein paar Autominuten von mir entfernt, hatte ich den Z-Bau bis dato noch nie besucht. Er hat neben dem BAMF, welches in die Kasernengebäude eingezogen ist, eine eigene Zufahrt und sogar eine ordentliche Anzahl Parkplätze vor der Tür. Die Veranstaltung war ab 20:30 Uhr angesetzt, Einlass ab 20:00 Uhr. Ich war also gegen jeden Musikerethos überpünktlich, was mir die Gelegenheit verschaffte, den Roten Salon bei einer (mit 2,70 € m. E. überteuerten) Flasche Fritz-Cola ausgiebig zu inspizieren. Es ist ein wirklich schöner Veranstaltungssaal, geräumige Bühne zu linken und Theke zur rechten Seite, dazwischen (Steh-)Platz für etwa 100 Menschen. Auf an der Decke montierten Schienen sind Scheinwerfer, sonstige Lichteffekte (u. a. eine Discokugel!) und auch die Boxen der ortsansässigen PA montiert.

Da die “Shiny Gnomes” eine Nürnberger Indie- bzw. Garage-Band-Legende der 1980er Jahre sind, wurde bereits vor dem Konzert per Beamer der Bühnenhintergrund mit sich verändernden psychedelischen Farbmustern oder Naturaufnahmen stimmungsvoll geschmückt. Aus den Boxen schallten die “Doors”, die Discokugel warf bereits ihre drehenden Lichtstrahlen in den Raum und ich zog automatisch den Bauch ein und richtete mich zu meiner vollen Größe (fast einsachtzig, gell!) auf, um die anwesenden Girls zu beeindrucken. Als ich dann cool an meiner E-Zigarette – statt an einer echten, was ja bekannterweise in jeder Lokalität verboten ist – zu saugen begann, wurde mir der gruselige 1970er-Flashback bewusst und ich war wieder im Z-Bau des Jahres 2016 gelandet. Und dort begann gerade der erste Teil des Abends, der Auftritt von Elena Jank, welche sich die Gnomes explizit als Vorprogramm gewünscht hatten. Aus den anfänglich knapp 50 Besuchern waren inzwischen mindestens 100 geworden, so dass sich prompt mein eingangs erwähntes Unwohlsein in Menschenansammlungen unangenehm einstellte.

Elena Jank ist eine junge Sängerin und Gitarristin aus Hilpoltstein, die mit ihrer Band “Elena Jank & the Acoustics” schon seit einigen Jahren die Musikszene gehörig aufmischt. Leider haben die Acoustics vor einiger Zeit ihren Drummer unterwegs verloren, so dass nur noch der Bassist Michael “Kirschi” Kirschner von der Begleitband übrig ist. Da ihm die Bezeichnung “The Acoustic” zu albern ist, wurde diesen Abend eben im Duett “Elena Jank & Michael Kirschner” musiziert. In Zukunft soll jedoch wieder ein Drummer mitspielen, so dass nach dem ersten Song ein diesbezüglicher Aufruf an das Publikum erging, Drummer oder Percussionisten mögen sich doch bei Kirschi nach dem Konzert melden.

Elena spielt ausschließlich Selbstgeschriebenes und die schönen Songs, nur von Akustikgitarre und E-Bass begleitet, heizten dem Publikum gehörig ein. Dass Elena und Kirschi ein glänzend eingespieltes Team sind, ist durchgehend zu hören, so dass ich Schlagzeug oder Perkussion nicht allzusehr vermisst habe. Der so allerdings recht puristischen Instrumentierung geschuldet, kann sich bisweilen etwas Monotonie einschleichen, insbesondere wenn zwei Balladen hintereinander gespielt werden. Aber ein ums andere Mal reißt einen dann Elenas überragender Gesang aus jeder Müdigkeit. Es ist schier unglaublich, wieviel Sound aus so einer zierlichen Person kommen kann, wenn sie mit ihrer Stimme den Saal akustisch flutet! Ein toller Auftritt von zwei guten Musikern, die sehr professionell, dabei aber immer sympathisch rüberkommen. Gerne wieder! Nach einer Zugabe verabschiedeten sich Elena Jank und Michael Kirschner vom begeisterten Publikum und machten die Bühne frei für den Top-Act des Abends, die “Shiny Gnomes”.

Die allerdings ließen das Publikum in bester Manier erst einmal ein Viertelstündchen warten. Das kann ich Euch an dieser Stelle etwas verdeutlichen, indem ich mir jetzt aus dem Gedächtnis hole, was ich über die Band weiß (ist natürlich geschwindelt, da ich es mir auf Wikipedia und auf der Webseite www.shinygnomes.de angelesen habe, passt aber dramaturgisch hier gut in den Text). Die Gnomes wurden 1985 gegründet, kurz bevor ich meine Heimat für einige Jahre verließ, um mich in der Paderborner Rockszene zu etablieren. Natürlich habe ich dort eigentlich mehr gearbeitet als musiziert, aber ich war auf jeden Fall nicht in Nürnberg. Von daher habe ich den Erfolg der Band in den späten 1980ern verpasst. Zudem ist der kolportierte Stil der Gnomes, als Musik einer “Psychedelic/Garage Band” beschrieben, ohnehin nicht mein Ding. Von den Gründungsmitgliedern ist noch Rainer Mertens (Gasi) am Keyboard und Stefan Lienemann (Limo) an der Gitarre in der Band, neu hinzugekommen sind Dorit Lacusteanu am Schlagzeug und Andreas Rösel am Bass, so dass das Quartett nun wieder komplett ist. Ah, Raunen im Saal. Die Musiker waren auf die Bühne gekommen, es ging los!

Gasi (am Keyboard, Ihr erinnert Euch?)  eröffnet das Konzert mit einem treibenden Fender-Rhodes-Riff. Da ich kein Rhodes auf der Bühne erblicken konnte (könnte aber auch an meinem Sehfehler oder meiner geringen Körpergröße liegen) war das wohl ein Sound aus dem Keyboard, der aber amtlich klang. Schlagzeug und Bass setzten ein. Der Song groovte und der Sound – vom Z-Bau-Team gemacht – war wunderbar. Als dann Limo die ersten Chords aus seiner Strat (unbelegte Behauptung meinerseits) drückte, schob es nochmal gewaltig. Wow! Ganz allerliebst, ernsthaft! Ich glaube, der Song hieß “Shine on!”, das war zumindest der Text, den Dorit als Shout bzw. Response zu Limos Gesang ins Mikro sang und hat mich wirklich begeistert. Ich habe die erste Stunde des Konzerts gehört und musste dann leider den Z-Bau aus Termingründen vorzeitig verlassen. Außerdem war es dann gegen 22:30 Uhr knackig voll, was ich wie bereits erwähnt nicht gut ab kann.

Ich darf dennoch an dieser Stelle resümieren: Die “Shiny Gnomes” sind eine tolle Rockband. Insider werden hier vielleicht eine mangelnde Abgrenzung zu Indie, Garage, Psychedelic o. ä. bemängeln, aber für mich darf das alles in den Topf “Rock”. Bisweilen ist der Sound bewusst etwas schepperig/sperrig, die Soli strange, auch mal mit 80er Synthiesound, und die Drummerin darf auch einen Song durchgehend auf den Toms spielen (sehr selten heutzutage!), so dass die Wurzeln der Band nicht verleugnet werden. Aber alle Musiker beherrschen ihre Instrumente ohne Abstriche. Besonders gut gefallen hat mir die spezielle “Tightness” der Band. Das ist etwas schwer zu erklären und vielleicht bin ich hier etwas eigen: Die Band war tight, aber nicht so tight, dass es genervt hat. Gerade bei aktuell angesagten Bands, sei es aus Rock, Funk oder auch Jazz, spielen die Musiker so exakt auf den Punkt, dass es mich persönlich schon wieder etwas abstößt, weil es geradezu unnatürlich genau ist. Aber die kleinen und kleinsten Ungenauigkeiten (nochmal – objektiv kaum mess-, aber eben fühlbar) bilden das Salz in der Suppe und lassen der Band ihren individuellen Klang. Mir hat’s gefallen und ich werde wiederkommen.

Möglicherweise mag ich die “Shiny Gnomes”, weil sie die Art von Musik spielen, die ich in den 1980ern selbst gern gemacht hätte…

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige

Ein Kommentar zu „Die Shiny Gnomes und Elena Jank

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