Das finstere Tal

Zum Jahresausklang noch ein paar geschriebene Worte, quasi der Silvesterblog. Ich danke für Eure treue Leserschaft und wünsche einen guten Rutsch und alles Beste für das neue Jahr!

Heute soll es mal nicht um Jazz, sondern um Filmmusik gehen. Am 27.12. lief nämlich in der ARD “Das finstere Tal”, ein österreichisch-deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2014. Ich hatte ihn im Kino verpasst, war schon in Versuchung, mir die DVD zuzulegen und war daher von der Ausstrahlung im werbefreien Ersten angenehm überrascht. Die Trailer versprachen einen spannenden Western in einem verschneiten Alpental. Klar dass sich hier ein Vergleich mit Sergio Corbuccis “Leichen pflastern seinen Weg” aufdrängt. Und der Film ist tatsächlich recht ordentlich geworden, fein fotografiert, mit guten Schauspielern und insgesamt spannend, wenn auch manchmal etwas vorhersehbar. Aber da ich Euch ja ein Anschauen empfehlen möchte, sei hier über den Inhalt nichts verraten.

Und dann gibt es noch die Musik zum Film. Ich konnte zunächst gar nicht sagen, was mich bisweilen etwas gestört hat, denn im Rahmen der Handlung ist mir die Musik nur an den Stellen aufgefallen, in denen sie entweder Hauptbestandteil der Handlung (Tanzszene) oder dominierende Untermalung zu Panoramaeinstellungen war. So habe ich mir im Nachhinein den Soundtrack zum Film nochmals angehört. Geschrieben wurde die Musik von Matthias Weber, einem deutschen Komponisten, der u. a. am Berklee College of Music in Boston studiert hat und inzwischen in Los Angeles lebt. Ach so! In Abwandlung des heute noch in der Tanzmusik verbreiteten Schlagers von Christian Bruhn darf konstatiert werden: Aus Berklee kommt die Musik! (.. sie ist der Schlüssel zum Glück usw.)

So klingen die meisten Songs doch ähnlich wie die sattsam bekannten Soundcollagen von Hans Zimmer, wohldurchdacht, mit netten Melodien, aber austauschbar. Nebenbei ist das keine wirkliche Überraschung, da Matthias Weber und Hans Zimmer bei mehreren Produktionen in Hollywood schon zusammengearbeitet haben. Der einzige wirklich herausragende Song des Soundtracks ist “Sinnerman”, welcher aber nicht von Weber komponiert wurde, sondern ein etwa 100 Jahre altes amerikanisches Traditional ist.

Das Problem ist jedoch nicht die kompositorische Arbeit, sondern die Produktion. Weber konnte der Versuchung nicht widerstehen, fast alle Songs und Melodien überwiegend elektronisch mit Synthesizer umzusetzen. In einem Set, in dem jedes gefilmte Stück Holz vom kargen Leben in den Hochalpen gezeichnet ist und jedes Ausstattungsrequisit (und auch jeder Darsteller) die Patina von jahrzehntelanger Nutzung tragen muss, sind offensichtlich digitale Sounds m. E. fehl am Platz. Mann, das war doch eine Chance! Ein alpenländischer Western mit alpenländischen Instrumenten umgesetzt. Geige, Gitarre, Zither, Horn, Flöte, Maultrommel, Hackbrett u.v.m. sind traditionelle Volksmusikinstrumente, die im Arrangement eines durchaus fähigen Komponisten wie Matthias Weber sicherlich die zu transportierenden Stimmungen stilgerecht vermitteln hätten können. Auch dem erwähnten “Sinnerman” hätte ein Verzicht auf E-Gitarre und Synthie-Streicher nicht geschadet. Der Song hält einiges aus!

Es ist jedoch wesentlich praktischer, die am Keyboard komponierten Songs oder Arrangements dann auch gleich in bester Qualität mit Sounds aus der heimischen Datenbank zu produzieren, um sie dann umgehend dem Tonmeister zum Mix zur Verfügung zu stellen. Kein Gedöns mit unwilligen und gierigen Studiomusikern, verstimmten Instrumenten und dem ganzen (teils noch analogen) Aufnahmequatsch. Und den österreichischen Filmpreis 2015 für die beste Musik hat der Film auch so bekommen.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s